Abo
  • Services:
Anzeige
Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen.
Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen. (Bild: Damien Meyer/Getty Images)

Lehren aus dem DAO-Hack: Wieso Smart Contracts die Erwartungen enttäuschen müssen

Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen.
Die Macher der DAO könnten aus der Rechtsgeschichte lernen. (Bild: Damien Meyer/Getty Images)

Was Juristen seit Jahrhunderten nicht geschafft haben, wollten Blockchain-Enthusiasten per Code regeln. Doch so leicht ist das nicht, wie der DAO-Hack zeigt. Dabei hätte man aus der Rechtsgeschichte lernen können. An einer Schnittstelle zur formalisierten Streitschlichtung geht kein Weg mehr vorbei.
Eine Analyse von Michael Kolain

Schon lange träumen Juristen davon, ein Gesetz zu formulieren, dem es gelingt, alle Problemfälle dieser Welt zu erfassen. Egal, was auch passieren mag: Das Recht gibt eindeutig vor, wie die passende Lösung auszusehen hat. Diesen Traum teilt die Smart-Contract-Community. Ein automatisierter Vertrag soll her, der keiner menschlichen Interpretation bedarf. Alle möglichen Abzweigungen sind der Blockchain schon einprogrammiert. Ein hehres Ziel - doch in der Geschichte des Vertragsrechts stets gescheitert. Auch Smart Contracts sind vor diesem Schicksal nicht gefeit.

Anzeige

Lektionen der Rechtsgeschichte: König Friedrich II und das Bürgerliche Gesetzbuch

Die Rechtsgeschichte lehrt eine wichtige Lektion: Ein System, das davon ausgeht, alle möglichen Szenarien voraussehen zu können, ist zum Scheitern verurteilt. Schon im 18. Jahrhundert wollte König Friedrich II. ein Gesetzbuch schaffen, das alles eindeutig regelt. Den Juristen sollte es dadurch nicht mehr möglich sein, das Recht nach ihren persönlichen Vorstellungen auszulegen - ihre Macht sollte beschränkt werden. Jeden denkbaren Fall wollte man durch klare Vorschriften lösen. Dieser Ansatz des Preußischen Allgemeinen Landrechts (ALR) von 1794 scheiterte jedoch an der komplexen Realität. Zuletzt hatte das Gesetz über 19.000 Vorschriften, die zum Teil veraltet waren und sich oftmals widersprachen.

Das zum 01. Januar 1900 in Kraft getretene Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schlug deshalb einen neuen Weg ein: Prägnanz wird durch sprachliche Abstraktion erreicht, nicht dadurch, "jeden Einzelfall regeln" zu wollen. Die Schöpfer des BGB hatten sich vorgenommen, so exakte Vorgaben zu formulieren, dass die Gerichte sie einfach nur anwenden müssen. Richter sollten nur dazu da sein, den Leuten im Streitfall verbindlich zu erklären, was im Gesetz steht. In der Logik eines Smart Contracts tut dies das Frontend.

Am BGB wurde über zwei Jahrzehnte lang penibel gefeilt. Man könnte von einem umfangreichen De-Bugging durch Abgleich mit vorherigen Gesetzen und der rechtsgeschichtlichen Erfahrung sprechen. 1896 kam man schließlich zu dem Entschluss, dass das Regelwerk mit seinen 2.385 Paragrafen an alles gedacht hatte. Doch (auch) beim BGB scheiterte das, was der Juraprofessor Franz Jürgen Säckel die "auf Lückenlosigkeit gerichtete Antrittsintention des Gesetzgebers" nannte, schon nach kurzer Praxisphase.

Streitigkeiten kamen vor Gericht, die der Gesetzgeber nicht vorhergesehen oder einfach glatt übersehen hatte. Menschen beriefen sich auf bestimmte Regeln des BGB oder einzelner Verträge - und konnten dadurch Ergebnisse erzielen, die zu ungerechten Ergebnissen führten.

Der DAO-Hack und die Illusion von der Unveränderbarkeit von Smart Contracts

Ungeachtet dieser Erkenntnisse träumen auch die Smart-Contract-Jünger davon, den Faktor Mensch durch einen lückenlosen, technikbasierten Lösungsmechanismus zu ersetzen. Es soll eine unveränderbare Blockchain enstehen - "without any possibility of downtime, censorship, fraud or third party interference". Doch dann kam der DAO-Hack ...

Letzte Ausfahrt: Hard Fork 

eye home zur Startseite
blockchainman 08. Sep 2016

Es ist eine Analogie. Physische Güter sind jetzt nicht wirklich der use case, sondern...

hg (Golem.de) 08. Sep 2016

Danke für den Hinweis, habe ich korrigiert. Wir freuen uns über das rege Interesse an dem...

Kleba 07. Sep 2016

Ich schließe mich dem natürlich auch ein. Exzellent geschrieben, super beide Teile...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. T-Systems International GmbH, Leinfelden-Echterdingen
  2. Faurecia Emissions Control Technologies, Germany GmbH, Augsburg
  3. T-Systems International GmbH, verschiedene Standorte
  4. Computacenter AG & Co. oHG, verschiedene Einsatzorte


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 20,39€
  2. ab 59,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. 29,99€

Folgen Sie uns
       


  1. MWC Shanghai

    LTE-Technologie erreicht Latenz von unter zwei Millisekunden

  2. Landkreis Plön

    Tele Columbus bringt Gigabit-Zugänge in 15.000 Haushalte

  3. Innovation Days

    Ericsson liefert Basisstation an 5G Lab Germany

  4. Für Lokalsender

    Kabelnetzbetreiber wollen 250 Millionen Euro Rundfunkgebühr

  5. Linux-Kernel-Security

    Torvalds bezeichnet Grsecurity als "Müll"

  6. Zolo Liberty Plus

    Drahtlose Ohrstöpsel auf Kickstarter für nur 100 US-Dollar

  7. Eckpunkte

    Bundesnetzagentur sieht 5G bei 2 GHz und 3.400 bis 3.700 MHz

  8. Internet sofort

    Das Warten auf den Festnetzanschluss kann teuer werden

  9. Ransomware

    Petya-Kampagne nutzt Lücke in Buchhaltungssoftware

  10. 10 GBit/s

    Erste 5G-Endgeräte sind noch einen Kubikmeter groß



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Risk: Kein normaler Mensch
Risk
Kein normaler Mensch

WD Black SSD im Test: Mehr Blau als Schwarz
WD Black SSD im Test
Mehr Blau als Schwarz
  1. NAND-Flash Toshiba legt sich beim Verkauf des Flashspeicher-Fab fest
  2. SSD WD Blue 3D ist sparsamer und kommt mit 2 TByte
  3. Western Digital Mini-SSD in externem Gehäuse schafft 512 MByte pro Sekunde

Amateur-Hörspiele: Drei Fragezeichen, TKKG - und jetzt komm' ich!
Amateur-Hörspiele
Drei Fragezeichen, TKKG - und jetzt komm' ich!
  1. Petya-Ransomware Maersk, Rosneft und die Ukraine mit Ransomware angegriffen
  2. Internet Lädt noch
  3. NetzDG EU-Kommission will Hate-Speech-Gesetz nicht stoppen

  1. Re: Golem Journalismus ist Müll

    strike | 02:29

  2. GPL?

    kampfwombat | 02:19

  3. Re: Aber linux ist doch sicher ... wofür braucht...

    strike | 02:11

  4. Re: Hier ebenfalls! Weiter so!

    strike | 01:58

  5. Re: Telekom-Grätsche?

    bombinho | 01:53


  1. 18:23

  2. 17:10

  3. 16:17

  4. 14:54

  5. 14:39

  6. 14:13

  7. 13:22

  8. 12:03


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel