Lego versus Bluebrixx: Wer hat die bessere Enterprise-D aus Klemmbausteinen?
Als Paramount die Star-Trek-Lizenz für das deutsche Klemmbausteinunternehmen Bluebrixx nicht mehr verlängerte und damit unmittelbar zu Lego wechselte, fragten wir uns bereits: Wie würde ein künftiges Star-Trek-Set vom Marktführer aussehen? Und würde Lego die Gelegenheit nutzen, zu zeigen, wie viel besser es als die doch recht starke Konkurrenz ist?
Im Dezember 2025 war es so weit: Lego brachte in der Icons-Serie das erste Star-Trek-Set heraus. Die USS Enterprise NCC-1701-D mit der Setnummer 10356(öffnet im neuen Fenster) besteht aus 3.600 Teilen und kommt mit neun Figuren aus Star Trek: The Next Generation. Das kommt uns direkt bekannt vor: Bluebrixx brachte bereits vor einigen Jahren eine eigene Interpretation des Raumschiffs (Test) heraus.
Eine gute Gelegenheit also, beide Modelle miteinander zu vergleichen. Sie stehen für teils extrem unterschiedliche Designansätze mit ebenso überraschend unterschiedlichen Ergebnissen. Zumindest in diesem Fall lieferte Lego ein rundum besseres Endprodukt ab – auch wenn der Hersteller es mit typischen Kritikpunkten fast "verlegot" hätte.
Schauen wir uns beide Enterprise-D aufgebaut nebeneinander an, wird direkt der Größenunterschied deutlich. Die Bluebrixx-Version misst etwa 54,5 x 41 x 18 cm und wirkt neben dem Lego-Modell mit 60 x 48 x 27 cm doch recht klein. Auch die Anzahl der Teile liegt mit 1.971 bei Bluebrixx und 3.600 bei Lego weit auseinander.
Lego mogelt bei der Teilezahl
Entsprechend teurer ist das Lego-Set: 380 Euro müssen wir dafür zahlen, beim Bluebrixx-Modell waren es zum Release 200 Euro. Auf den Teilepreis gerechnet sind beide etwa gleichauf. Bei Lego zahlen wir 10,6 Cent pro Stein, bei Bluebrixx 10,1 Cent.
Allerdings mogelt Lego an einigen Stellen mit der Teilezahl: Oft werden 1x1-Tiles und 1x1-Bricks genutzt, wo auch 2x1-Äquivalente gepasst hätten. Realistisch gesehen hätten also auch etwa 3.500 Bauteile ausgereicht.
Das ist aber nicht der einzige Trick, den Lego anwendet, um mutmaßlich Geld zu sparen. Leider werden bei diesem Modell etwa ein Dutzend Aufkleber verwendet. Die sehen klar schlechter aus, als die vollständig bedruckten Details der Bluebrixx-Version. Zumindest wurden einige wichtige Elemente wie der NCC-1701-D-Schrifzug auf der Untertassensektion bei Lego mit Prints gelöst.
Lego hätte hier bereits ein großes Pro-Argument für die Konkurrenz entkräften und alle Elemente durch Drucke lösen können – zumal dieses Modell fast doppelt so viel kostet wie die Bluebrixx-Version und damit ein gewisser Standard erwartet werden darf.
Legen wir jetzt die fertigen Modelle nebeneinander, müssen wir klar sagen, dass die Lego-Enterprise für uns das bessere Modell ist. Eine Rolle spielen dabei die Farben, eine andere die Minifiguren.
Versteckte Farbseuche gegen graue Einöde
Schauen wir uns beide Enterprise-Modelle parallel an, fällt auf: Lego entschied sich für eine etwas farbenfrohere Variante. Das bedeutet nicht, dass ohne Grund bunte Steine verwendet wurden – schließlich ist die Original-Enterprise fast ausschließlich grau. Schauen wir auf die Teileliste des Lego-Modells, finden wir nicht nur diverse Grautöne, sondern auch rote, grüne, gelbe, orange und grüne Bausteine vor.
Das, was in Klemmbausteinkreisen oft als Farbseuche betitelt wird, hat bei der Enterprise-D 10356 ein System. Lego kodiert diverse Arten von Steinen mit Farben, um das Bauen möglichst frustfrei zu gestalten. So können wir auch in einem großen Haufen Steine stets die benötigten Teile finden und uns bei den teilweise doch sehr kreativen Bautechniken zurechtfinden.
Und bei der Lego-Enterprise werden diverse interessante Bautechniken genutzt. So bauen wir zunächst den Rumpf des Schiffs mit den Warp-Gondeln, die im Vergleich zu Bluebrixx merklich stabiler in das Modell integriert und nicht nur auf einer Reihe Bricks aufgesteckt werden.
Der Rumpf besteht aus zwei um 90 Grad gedrehten Teilen und wird mit diversen Plates und Tiles verkleidet. Anschließend werden beide Hälften mit Gelenken befestigt und das bunt anmutende Innenleben mit grauen Platten überdeckt.
Beim Bluebrixx-Modell bauen wir derweil nach einem eher traditionellen Schichtsystem. Untertassensektion und Rumpf werden mit recht großen Bricks und Slopes realisiert und aufeinander gesteckt. Einen Richtungswechsel erreicht Bluebrixx durch diverse Sonderteile mit Noppen an allen Seiten und die beim Hersteller oft genutzten Plastikringe. Bluebrixx verzichtet zudem auf jegliche Farbkodierungen. Hier sind nahezu alle Teile in Grau gehalten.
Bluebrixx-Steine schlechter
Der Bau stellt sich damit als definitiv herausfordernder heraus und ist nichts für absolute Klemmbausteineinsteiger. Die teilweise eher schlechte Klemmkraft und hohe Fertigungstoleranzen bei den von Bluebrixx genutzten Xingbao-Steinen stehen dem Bauspaß an mancher Stelle im Weg, ebenso wie teils schlechtes Baudesign.
Hier machte Lego unserer Meinung nach den merklich besseren Job. Das sehen wir vor allem an der Untertassensektion. Dort bauen wir zunächst ein Gerüst und im zweiten Schritt diverse Paneele aus grauen und braunen Tiles. Diese werden anschließend über Clips an zwei Seiten befestigt.
Im Vergleich zum Bluebrixx-Modell hat das mehrere Vorteile: Erstmal liegt durch die recht hohle Konstruktion nicht so viel Gewicht in der Front. Dadurch konnte Lego einen einfüßigen Standfuß beilegen, der die Enterprise in einer dynamischen, leicht nach oben geneigten Position aufstellt. Die Enterprise-D von Bluebrixx muss hingegen auf vier transparenten Säulen aufgestellt werden und wirkt so sehr fragil und statisch.
Zudem konnte Lego durch die Rahmenbauweise mit Wandpaneelen die seitliche Silhouette der Untertasse mit runden und bedruckten Slopes auskleiden. Sie wirkt deshalb insgesamt wie eine echte Ellipse und ästhetisch ansprechender.
Dazu kommen diverse Details, die bei der Bluebrixx-Version einfach fehlen.
Das schönere Modell gibt es bei Lego
Lego ließ sich bei der Enterprise-D einige Details nicht entgehen. Da wäre etwa der dunkelgraue Kranz, der beim Filmmodell die Phaser-Bank beherbergt und ein essenzielles optisches Element der Enterprise-D ist. Lego löst das mit Clip-Bricks und flexiblen Schläuchen. Bei Bluebrixx fehlt das Detail, obwohl der Hersteller mit Schläuchen etwa die Brücke des klingonischen Bird-of-Prey (Test) überzeugend darstellte.
Die kleinen Miniatur-Shuttlepods, die beim Lego-Modell in den Hangar ein- und ausfliegen, sind ein weiteres nettes Detail. Während des Baus verstecken wir andere Easter Eggs wie einen Aufkleber der goldenen Enterprise-D-Plakette im Innern des Schiffs.
Äußerlich ist von den vielen Farben des Lego-Sets meist nichts zu sehen. Ärgerlich ist für uns nur eine unnötige Stelle an der blauen Sensorphalanx am Rumpf des Schiffs. Dort scheinen gelbe Bricks durch. Insgesamt entschied sich Lego für eine Mischung aus dunklem und hellen Grau mit braunen Akzenten. Bluebrixx bleibt bei einem meist einheitlichen Grauton.
Braune Akzente passen gut
Die braunen Elemente sind eine Designentscheidung, die das Lego-Modell optisch interessanter aussehen lassen. Das Team ließ sich dabei sicherlich von einigen Referenzbildern des Studiomodells inspirieren. Dort sind auch einige braune Fenster und Elemente zu finden – allerdings teils an komplett anderer Stelle.
Wir finden: Die sandbraunen Elemente sind beim Betrachten tolle Fokuspunkte, die das Modell und seine Form authentischer aussehen lassen. Und haben wir schon erwähnt, dass sich die Untertasse der Lego-Enterprise komplett abnehmen lässt? Einer der Shuttle-Pods ist an einer Achse befestigt und kann herausgezogen werden. Anschließend lässt sich die Untertasse herausziehen. Sie ist trotz dieses Features merklich stabiler als das Bluebrixx-Modell.
Nicht zu vergessen sind auch die Minifiguren. Lego liefert die meisten der Seriencharaktere gleich mit. Unter den neun Figuren gibt es Captain Picard, Commander Riker, Data und Geordi La Forge. Unser persönlicher Favorit: Lieutenant Worf samt Klingonenkopfteil. Die Figuren gehören zwar nicht zu den besten bei Lego – so sind Beinteile und Rückseite etwa komplett unbedruckt.
Sie geben dem Set dennoch eine interessante Note, die Bluebrixx zum Release der Enterprise-D nicht brachte. Erst später kamen in einem separaten Set eigene Figuren der Enterprise-Crew heraus. Generell halten wir das Design der Lego-Minifiguren aber optisch für besser.
Fazit
Lego hat das erste Set der neuen Star-Trek-Lizenz genutzt, um gegenüber der Konkurrenz zu überzeugen. Im direkten Vergleich zum Bluebrixx-Modell ist der Bau des Sets 10356 angenehmer, kreativer und interessanter gestaltet. Lego verzichtet dabei auf teils frustrierende Techniken und fummelige Bauteile.
Auch das Endresultat gefällt uns besser. Nicht nur ist Legos Enterprise-D merklich stabiler als die Bluebrixx-Version. Sie ist durch die vielen Details, eine rundere Untertassensektion und die dynamische Präsentation mit mehr als nur grauen Steinen für uns einfach schöner. Die Minifiguren der Crew sind dabei definitiv ein Bonus.
An einigen Stellen fällt Lego allerdings hinter Bluebrixx zurück: Die farblich unstimmigen und teils schlechten Aufkleber sind bei einem so teuren Modell eine Enttäuschung. Dazu streckt Lego die Teilezahl mit vielen 1x1-Elementen – eine weitere unnötige Sparmaßnahme, die Bluebrixx seinen Kunden nicht zumutet. Auch ist es ärgerlich, dass an einer Stelle farbige Steine durchscheinen und die ansonsten schöne Optik des Modells verschlechtern.
Der höhere Preis von 380 im Vergleich zu den 200 Euro des Bluebrixx-Modells sind natürlich ein wichtiger Minuspunkt für Fans, die nicht so viel Geld für Klemmbausteine ausgeben wollen. Als Bluebrixx die Enterprise-D noch verkaufen durfte, war sie ein wunderbares Ausstellungsstück für Nerds. Auch gebraucht ist sie immer noch ihr Geld wert. Sie ist nur nicht so schick wie das Lego-Produkt – und das können wir mittlerweile immer seltener sagen.
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