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Legion Glass im Hands-on: OLED-Bildschirme in der Brille

Ifa 2023
Das Konzept des Lenovo Legion Glass ist simpel: den Desktop direkt ins Sichtfeld zu projizieren. Das funktioniert überraschend gut.
/ Oliver Nickel
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Das Lenovo Legion Glass sieht sogar irgendwie modisch aus. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Lenovo Legion Glass sieht sogar irgendwie modisch aus. Bild: Martin Wolf/Golem.de

VR-Headsets und zuletzt das Apple Vision Pro lassen Menschen mit immer besserer Technik in virtuelle Welten eintauchen. Entsprechend viel Geld kosten solche Produkte. Lenovo geht hier den entgegengesetzten Weg und bringt mit dem Legion Glass ein vergleichsweise einfaches Produkt heraus. Es handelt sich um eine Brille mit integrierten OLED-Displays – nicht mehr und nicht weniger.

Im ersten Hands-on konnte sich Golem.de ein Bild vom neuen Produkt machen, das voraussichtlich für 500 Euro ab Oktober 2023 zu haben sein wird. Im Prinzip handelt es sich um einen zweiten Bildschirm, den wir am Notebook oder einem anderen mobilen Gerät verwenden. Das Gerät verhält sich auch wie ein externes Display. Es wird per USB-C an einen Host angeschlossen und wird dort zudem direkt als Panel mit Full-HD-Auflösung erkannt.

Zu unserer positiven Überraschung konnten wir das Glass auch ohne Probleme an unserem Smartphone betreiben. Allerdings wird das angezeigte Bild stets in 16:9 angezeigt. Bei einem Smartphone mit breiterem Format werden also Teile des Bildes abgeschnitten. Die Auflösung beträgt hier 1.920 x 1.080 Pixel pro Auge bei 60 Hz Bildfrequenz. Ein Pixelgitter konnten wir auf den OLED-Screens nicht erkennen.

Fragwürdiger zweiter Desktop

Bilder werden mit dem Glass direkt in unser Sichtfeld eingeblendet. Die beiden Linsen sind fast lichtundurchlässig, so dass wir Videos, Filme oder Arbeitsunterlagen klar und deutlich sehen. Mit einem 5 Sekunden langen Druck auf den Lautstärkeknopf aktivieren wir den Freelook-Modus. Schauen wir uns nun mit dem Kopf um, dann bleibt das angezeigte Bild im Raum stehen. Wir können also vom virtuellen Bild wegschauen.

Laut Lenovo sollen wir das Legion Glass so etwa als zweiten Desktop nutzen können, indem wir auf den virtuellen Screen und durch die Brillengläser auf einen physischen Bildschirm auf dem Schreibtisch schauen. Das können wir uns allerdings schwierig vorstellen, da die Brillengläser stark abdunkeln. Wir erkennen unsere Umgebung also nur, wenn sie auch hell ausgeleuchtet ist. Und selbst dann ist das nicht sehr angenehm.

Ebenfalls etwas schade: Das dargestellte Bild lässt sich nicht größer ziehen. So erkennen wir stets einen schwarzen Rahmen um den angezeigten Inhalt. Dadurch wirkt es manchmal etwas so, als würden wir uns Videos aus der hintersten Reihe eines kleinen Kinosaals anschauen.

Privatkino im Flugzeug

Und trotzdem können wir uns realistische Einsatzszenarien des Legion Glass vorstellen – etwa wenn wir im Flugzeug sitzen und einen Film schauen oder ungestört unsere Kampagne in Baldurs Gate 3 weiterspielen wollen. Das Gute daran: Außenstehende sehen nicht so einfach, welche Inhalte wir auf dem Bildschirm anzeigen – ob es nun nicht jugendfreie Inhalte oder wichtige Arbeitsdokumente sind.

Es ist besonders einfach, das Legion Glass aufzusetzen. Das Gerät sitzt wie eine gewöhnliche Brille auf der Nase. Ein Infrarotsensor erkennt, wann wir das Glass aufsetzen, und schaltet daraufhin die Bildschirme ein. Lenovo liefert zudem diverse Adapter für die Nasenklemme mit.

Brillenträger haben trotzdem einen Nachteil. Sie müssen sich bei einem Optiker entsprechende Gläser mit der richtigen Stärke schleifen lassen. Den passenden, noch ungeschliffenen Adapter aus Kunststoff liefert Lenovo gleich mit.

Nun stellt sich die Frage des Preises: Für 500 Euro bekommen wir bereits vollwertige VR-Headsets mit Inside-Out-Tracking und See-Trough-Funktion wie das Pico 4. Die bieten mehr Funktionalität, opfern dafür aber Tragekomfort. Außerdem ist es leicht, ein Legion Glass in das Notebook einzustecken und direkt loszulegen. Und dabei fallen wir nicht so unangenehm auf wie mit einem VR-Headset auf den Kopf


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