Legale Streaming-Anbieter im Test: Netflix allein macht auch nicht glücklich
Der deutsche Fernsehabend beginnt schon lange nicht mehr pünktlich um 20 Uhr mit der Tagesschau. Nach den Festplattenrekordern, die zeitversetztes Fernsehen und das Überspringen der Werbung komfortabel gemacht haben, gibt es inzwischen etliche etablierte Anbieter für Video-on-Demand (VoD), die per Streaming Filme und Serien auf Knopfdruck zugänglich machen.
Viele echte Fans von Inhalten aus dem Wunderland des Fernsehens, den USA, maßen bisher alle Dienste an Netflix – dem vermeintlich besten aller Streaming-Anbieter. Das ursprünglich als DVD-Verleih gestartete Unternehmen bietet seit sieben Jahren Streaming an und produziert eigene preisgekrönte Serien. In jedem fünften US-Haushalt gibt es einen Netflix-Account, bereits 2013 überholte(öffnet im neuen Fenster) der Streaming-Dienst den Sender HBO als meistgenutztes Abo für Onlinevideos.
Die feste Verwurzelung von Netflix in den USA ließ darauf hoffen, dass amerikanische Filme und Serien auch in Deutschland mit Originalton sowie Untertiteln angeboten würden. Letzteres ist nicht nur für echte Fans, sondern auch für Menschen mit beeinträchtigtem Gehör wichtig. So viel sei vorweggenommen: Netflix schlägt sich hier im Vergleich mit den deutschen Anbietern deutlich besser.
Wir vergleichen im Folgenden Netflix vor allem mit Amazon Prime Instant Video, Maxdome und Watchever, den in Deutschland am häufigsten genutzten legalen Streaming-Anbietern mit einem Abomodell. Einen kurzen Blick werfen wir auch auf das besonders günstige Sky Snap und das alternativ und kostenlos ausgelegte Netzkino. Apples iTunes als Pionier des systematischen Onlinevertriebs von Medien bleibt außen vor, da es hier keine Flatrate für unbegrenztes Streaming gibt. Die wirtschaftlichen Hintergründe dieser und weiterer Unternehmen und ihre Zukunftschancen hat bereits unsere Analyse Der Kampf um den Video-on-Demand-Markt beleuchtet.
Den Schwerpunkt legen wir darauf, was Netflix aus technischer und inhaltlicher Sicht anders und teilweise besser macht als die anderen Anbieter.
Mehr Privatsender als Onlinevideothek
Wer sich länger mit VoD-Diensten beschäftigt, merkt schnell: Der Gedanke an die stets wachsende Onlinevideothek ist ein Wunschtraum. Vielmehr agieren die Streaming-Anbieter wie klassische Privatsender, die Inhalte für einen bestimmten Zeitraum lizensieren und dann ausstrahlen – nur eben nicht zu festgelegten Sendezeiten.
Nicht umsonst weisen die Unternehmen mit Hinweisen wie "Letzte Chance" (Amazon) darauf hin, dass manche Filme und Serien bald nicht mehr von der Flatrate abgedeckt sind. Wer also einen bestimmten Titel unbedingt ohne weitere Kosten sehen will, sollte das bald tun, nachdem er auf den Webseiten und Apps auftaucht. Oft werden die Inhalte dann später auch noch angeboten, aber nur zum Ausleihen oder Kauf.
Der Grund für diese manchmal nur wenige Wochen dauernden Verfügbarkeiten innerhalb des Abos liegt in der klassischen Verwertungskette, die in der Regel bei Filmen diese Reihenfolge vorsieht: Kino, Pay-TV, DVD/Blu-ray, Free-TV exklusiv, Free-TV allgemein. Irgendwo dazwischen, meist als zweiter und dritter Schritt, muss sich das Streaming drängeln. Im Fall von besonders angesagten US-Serien kommen hier noch andere Exklusiv-Deals dazwischen. Davon ist ausgerechnet das Netflix-Aushängeschild "House of Cards" betroffen, dessen dritte Staffel zuerst beim Pay-TV-Sender Sky laufen soll(öffnet im neuen Fenster) – Netflix selbst bietet die neuen Folgen der Polit-Thriller-Serie mit Kevin Spacey in Deutschland dann wohl noch nicht als Stream an.
Dieser Ablauf verliert aber an Starrheit, vor allem wenn die VoD-Dienste von Fernsehsendern betrieben sind. So bietet etwa Maxdome, das zur Senderkette ProSiebenSat1 gehört, die aktuellen Folgen der Comedy-Serie "Pastewka", derzeit in der siebten Staffel, stets kurz nach der Ausstrahlung als Stream an. Amazon Prime Instant dagegen lockt Fans der Serie "The Big Bang Theory", die vor kurzem in den USA in die achte Staffel startete, mit einem anderen Angebot: Kurz nach der Erstsendung kann jede Folge für 2,49 Euro gekauft werden.
Diese Vermischung von Aboinhalten und dem Kaufen oder Leihen ist bei allen hier betrachteten Anbietern zu finden, die Ausnahmen sind Netflix und Watchever: Deren Konzept sieht nur die Flatrate vor, was das sorgenfreie Stöbern erleichtert. Bei den anderen Diensten ertappt man sich leicht dabei, auf ein Angebot hereinzufallen, das nicht von der Monatsgebühr abgedeckt ist.
Drittseiten schaffen Übersicht
Weil die VoD-Dienste bis auf Netflix geschickt Abo und Einzelabruf vermischen, gibt es eine ganze Reihe von Drittanbietern, die Kunden mehr Durchblick hinsichtlich des Programms verschaffen. Zwar gibt es für Kunden der Streamer auch Suchfunktionen sowie Genreübersichten, aber eine beispielsweise alphabetische Liste aller Inhalte zeigen die Dienste wohlweislich nicht an – zu einfach wäre sonst der direkte Vergleich.
Daher gibt es bereits seit langem von den Streaming-Diensten unabhängige Drittanbieter, die mehr Durchblick versprechen. Sie beziehen ihre Daten von den Webseiten der Anbieter, was von diesen meist geduldet wird, wie mehrere befragte Unternehmen Golem.de sagten. Da sich die Datenbankformate aber immer mal wieder ändern können, und auch Fehler auftreten, sollte man den Daten der unabhängigen Webseiten nicht blind vertrauen.
Als recht zuverlässig hat sich in unseren Tests Werstreamt.es(öffnet im neuen Fenster) erwiesen, das die Kataloge von Amazon Prime Instant Video, Googleplay, iTunes, Maxdome, Myvideo, Netflix, Netzkino, Snap by Sky, Videoload und Watchever auflistet. Damit lässt sich nicht nur gucken, ob ein Film oder eine Serie angeboten wird, auch ob der Inhalt von den Flatrates abgedeckt wird, ist dort leicht zu finden. Trotz der Webadresse, die auf eine spanische Domain hindeutet, steckt hinter Werstreamt.es eine deutsche GmbH.
Noch recht neu ist Netflixdeutschland.net(öffnet im neuen Fenster), das sich nur um den neuen Dienst kümmert. Nachdem der Katalog anfangs recht unvollständig war, deckt sich nun nach unseren Stichproben auch hier die Liste der Filme und Serien mit dem tatsächlichen Angebot. Noch nicht ganz so weit ist die deutsche Ausgabe des in den USA beliebten Dienstes Whatsnewonnetflix(öffnet im neuen Fenster), auch hier waren in den zwei Wochen seit dem Start aber Verbesserungen festzustellen.
Dynamisch geregelte Bandbreite
Auch auf Nachfragen von Golem.de verraten alle hier getesteten Anbieter nicht genau, mit welchen Datenraten ihre Inhalte gestreamt werden. Die alte Gleichung "mehr MBit/s = bessere Bildqualität" geht jedoch bei professionellen Streaming-Angeboten ohnehin nicht mehr ganz auf, denn die Dienste variieren ihre Bandbreiten unter anderem nach der Belastung. Das lässt sich besonders zwischen 20 und 22 Uhr, also in der klassischen Prime Time des Fernsehens, beobachten: Alle Anbieter brauchten dann länger, um bei einem vorher noch nie genutzten Film von SD auf HD umzuschalten.
Nach diesem Prinzip arbeiten nämlich alle Dienste, es sei denn, sie können auf speziellen Endgeräten wie Smart-TVs und dem Amazon Fire TV schon vorab Daten vorausladen – beispielsweise die nächste Folge einer gerade angesehenen Serie. In der Regel wird in SD-Auflösung angefangen, wenn die Bandbreite reicht, wird schnell auf HD umgeschaltet. Dafür sind offenbar Load Balancer in den Rechenzentren der Firmen zuständig.
Wie sehr die Beschränkungen manchmal greifen, war Mitte Juni 2014 bei Amazon Prime Instant Video zu sehen, als der Dienst die zweite Staffel der Serie "Vikings" kurz nach der ersten Ausstrahlung der ersten Staffel im deutschen Fernsehen anbot. In der gesamten ersten Woche nach Beginn des Angebots konnten wir das Wikinger-Drama nie in HD sehen, auch nicht zur Mittagszeit. Erst nachdem die Fans diese Woche und das darauffolgende Wochenende offenbar genutzt hatten, war der Stream in HD zu bekommen.
Recht aufschlussreich im Hinblick auf die Technik ist auch die Netflix-App für die Playstation 3. Die zeigt nach Drücken der Select-Taste auf dem Controller zumindest die Auflösung in Zeilen an: 240, 288, 384, 480, 720 und 1.080 sind die Werte, entsprechend den in den USA üblichen SD- und den internationalen HD-Auflösungen.
Als groben Rahmen für den Internetzugang stecken die Anbieter Bandbreiten ab 1 MBit/s (Sky Snap) bis 1,5 MBit/s (Netflix) und 3 MBit/s (alle anderen) für SD-Videos ab, für HD werden ab 6 MBit/s empfohlen. Mehr ist dabei immer gut, Netflix beispielsweise lastete unsere zum Test verwendete VDSL50-Leitung zu Beginn eines Videos zu manchen Zeiten fast komplett aus und zeigte entsprechend schon nach zwei bis drei Sekunden einen HD-Stream an. Für die 4K-Serien "Breaking Bad" und "House of Cards" (nur zweite Staffel) empfiehlt Netflix 25 MBit/s.
Bei volumenbeschränkten Tarifen ist Vorsicht geboten: Einer Untersuchung aus den USA(öffnet im neuen Fenster) zufolge bedeuten 90 Minuten Netflix pro Tag 45 GByte Datenvolumen im Monat. Vor allem, wenn mehrere Nutzer sich einen Account teilen, kommt diese Zeit, die zwei Serienfolgen pro Tag entspricht, leicht zusammen.
HD und Surround-Sound sind Glückssache
Mit dem Abschluss eines Streaming-Abos hat man nicht automatisch Zugriff auf alle Kinofilme in HD-Qualität. Manches Material liegt auch, wenn der Streifen im Kino lief, eben noch nicht als HD-Transfer vor. Vorbildlich ist hier Amazon Prime Instant Video, das in den Vorschaubildern stets anzeigt, ob der Inhalt in HD existiert – was aber, wie auf der vorherigen Seite beschrieben, noch lange keine Garantie für sofortiges High-Definition ist.
Netflix und Maxdome verschweigen in ihren Übersichten stets, in welcher Auflösung ein Inhalt vorliegt. Nach dem Start lässt sich aber in den Bedienungselementen der Webanwendung und den Apps sofort nachsehen, ob die HD-Pufferung schon stattfindet. Watchever bietet auf seinen Webseiten das direkte Suchen nach HD-Filmen an, bei Serien muss man sich auch hier überraschen lassen.
Vernachlässigt wird bei allen getesteten Anbietern der Mehrkanalton. Das ist schade, weil einfache 5.1-Anlagen und auch größere Heimkinosysteme schon seit einigen Jahren recht erschwinglich geworden sind. Die Übersichten über die Webanwendungen und Apps zeigen in der Regel nicht an, in welchem Tonformat der Film oder die Serie vorliegt.
Sehr positiv überrascht waren wir hier von der PS3-App für die Playstation 3 bei Netflix. Sie zeigt bei der Auswahl der Tonspur – sie lässt sich hier, ebenso wie bei Watchever sofort umschalten – direkt an, ob auch eine 5.1-Spur geboten ist. Unser HDMI-Receiver schaltete dabei auf die korrekten Formate Dolby Prologic II für Stereo-Spuren und Dolby Digital für den 5.1-Ton um.
Dabei ist es aber Glückssache, welche Tonspuren in welchem Format vorliegen. So gab es beispielsweise bei der Marvel-Verfilmung "The First Avenger" um den Supersoldaten Captain America den 5.1-Ton erwartungsgemäß nur für die Originalfassung. Der ältere Denzel-Washington-Thriller "Ausnahmezustand" dagegen bot die deutsche Fassung mit sechs Kanälen an, der Originalton lag hier nur in Stereo vor.
Ganz auf Surround muss man aber nicht verzichten, wenn man einen guten AV-Receiver hat, denn: Bei nahezu allen Filmen ist seit den 1980er Jahren in der Stereospur auch ein vierkanaliger Mix im Format Dolby Prologic(öffnet im neuen Fenster) kodiert. Als Überbleibsel aus der analogen Ära des Kinos sind hier die Kanäle Links, Mitte, Rechts und Surround in der Stereospur enthalten, schaltet man den Receiver auf Pro Logic II, so gibt es zumindest etwas Raumklang.
Im direkten Vergleich mit den beiden erwähnten Filmen klangen die 5.1-Spuren natürlich deutlich besser, aber für räumliche Effekte und Dialoge aus der Mitte des Geschehens ist Pro Logic allemal besser als Stereo – entsprechende Hardware vorausgesetzt. Besitzer größerer Heimkinos mit beispielsweise 7.2-Anordnung (zwei Subwoofer und zwei zusätzliche Surround-Back-Lautsprecher) sollten ihren Receiver auf Dolby Prologic IIx schalten, dann werden die zusätzlichen Boxen mit Verteilung der Spuren durch den Receiver selbst besser genutzt.
Offline-Modus nicht bei allen Anbietern
Streaming ist zunächst bei allen Anbietern wörtlich zu nehmen: Der vorgesehene Weg ist das Onlinegucken bei bestehender Internetverbindung. Eine Schwierigkeit stellt es leider noch dar, die Inhalte des Abos auch auf mobilen Geräten ohne Belastung von deren Datenkontingent offline verfügbar zu machen.
Vor allem bei Netflix gibt es hier nach Aussagen des Unternehmens keine Pläne, Kunden zu ermöglichen, Serienfolgen und Filme komplett herunterzuladen, um sie später – beispielsweise im Flugzeug oder Zug – offline ansehen zu können. Gründe dafür nennt das Unternehmen nicht, aber sie sind offensichtlich: Was als Datei auf einem Endgerät liegt, könnte ja irgendwann entschlüsselt und dann sogar digital weiterverbreitet werden. Das mag in Zeiten von Torrents, die sofort nach der Erstausstrahlung von US-Serien zur Verfügung stehen zwar absurd erscheinen. Es ist aber Teil des Geschäftsmodells der Streaming-Anbieter, die auf gute Beziehungen mit den Rechteinhabern angewiesen sind.
Daher legen die Dienste Wert auf Verschlüsselung, die sie wohl nur bei den im Vergleich zu PCs geschlosseneren Plattformen der mobilen Geräte sehen. Amazon erlaubt den Download nur für seine Kindle-Tablets, beim Fire TV als stationärem Gerät gar nicht. Maxdome und Watchever unterstützen offline ebenfalls nur Smartphones und Tablets, und Sky Snap sogar nur Apple-Geräte. Auch stößt der Nutzer manchmal auf den Hinweis, dass der eine oder andere Inhalt eben doch nicht offline genutzt werden kann.
Zudem gibt es Beschränkungen der Nutzungsdauer, die Watchever recht offen angibt. So können maximal 25 Titel im Speicher der Geräte gehalten werden, wovon maximal 5 Filme sein dürfen. Eine gesamte US-Serie mit üblicherweise 24 Episoden kann also im Speicher gehalten werden. Der Haken: Jeder Titel wird nach dem ersten Start nach 48 Stunden gelöscht – es sei denn, der Nutzer speichert ihn erneut im Offlinemodus. Zum erstmaligen Start hat man 30 Tage Zeit. Das klingt sehr restriktiv, ist aber bei realistischer Betrachtung für eine Dienstreise oder einen längeren Urlaub völlig ausreichend.
Im Ausland etwa Serienfolgen nachzuladen, ist laut Watchever nicht möglich – ob das auch mit dem umgekehrten Trick eines deutschen VPN klappt, haben wir aber nicht ausprobiert. Auch manche deutsche Nutzer von Netflix haben sich über eine US-amerikanische IP schon länger Zugriff auf den Dienst verschafft, für den Offline-Modus von Watchever scheint nun der Weg aus der anderen Richtung nötig zu sein.
Endgeräte und langsame Abkehr von Silverlight
Manche Anwender schrecken vor legalen Streaming-Angeboten immer noch zurück, weil diese bisher für Windows-PCs stets das proprietäre Plugin Silverlight von Microsoft voraussetzen. Silverlight bietet eine verschlüsselte Übertragung von Videos an, weshalb es für die Rechteinhaber bisher die erste Wahl ist – was aber nicht mehr lange so bleiben wird. Auch wenn 2021 noch weit entfernt scheint, ist das von Microsoft offiziell verkündete Ende(öffnet im neuen Fenster) von Silverlight in acht Jahren für die langfristig orientierten Onlineunternehmen wie VoD-Dienste Grund, zum Teil schon jetzt auf HTML5 zu setzen.
Netflix bietet das in den Kontoeinstellungen schon an, was aber bei uns mit aktuellem Chrome und Firefox nicht funktioniert hat. Da auf dem Test-PC schon Silverlight installiert war, nutzten die Web-Apps von Netflix auch stets dieses Plugin. Damit können Linux-Nutzer ohne etwas Bastelei nichts anfangen, aber es geht auch einfacher. Das Blog Linux und Ich hat eine schöne Anleitung(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht, die auch unter Windows funktioniert. Über das Plugin User Agent Switcher for Chrome(öffnet im neuen Fenster) kann man den Google-Browser gegenüber Webseiten als Modern-UI-Version des Internet Explorer ausweisen, der für Netflix mit HTML 5 freigegeben ist. Mit diesem kleinen Eingriff spielte auch unser Chrome unter Windows 7 Netflix-Videos ohne Silverlight ab. Linux will Netflix ebenfalls bald direkt unterstützen.
Wenn man sich mit Microsofts DRM – das HTML5 nur in anderer Weise umsetzt – anfreunden kann, wird man aber inzwischen auch mit Silverlight glücklich. Der schlechte Ruf, bedingt durch früher häufige Abstürze und ruckelnde Videos, bestätigte sich mit Silverlight 5 in unseren Tests nicht. Solange ein Video läuft, macht das Plugin, was es soll. Probleme ergaben sich höchstens, insbesondere bei Maxdome und Netflix, wenn wir kurz nach dem Start eine Seite zurückblättern wollten. Dann reagierte Silverlight öfter als bei den anderen Diensten nicht sofort.
Wichtiger als Windows-PCs sind für viele Nutzer zum Filmkonsum inzwischen Tablets und Smartphones sowie TV-Erweiterungen wie Googles Chromecast. Hier unterscheiden sich die Dienste deutlich: Netflix beispielsweise hat Apps für alle relevanten Geräte und bietet auch eine direkte Unterstützung von Apple TV und Chromecast an. Direkt aus der App von Watchever lässt sich ein begonnenes Video auch an Chromecast übertragen.
Bei Amazon scheinen nur die eigenen Geräte wie Fire TV und Fire-Tablets im Vordergrund zu stehen, denn die Android-App für den Dienst – iOS versorgt Amazon schon länger – ist immer noch offiziell nur für Smartphones zu haben. Der bei Start der Prime-Instant-App von Golem.de beschriebene Trick zum Installieren der Smartphone-App auf einem Tablet funktioniert inzwischen nicht mehr. Erfahrene Anwender finden dafür natürlich immer einen Weg, wünschenswert wäre aber, wenn Amazon das mit den vorgesehenen Methoden ermöglichen würde.
Die Zahl der von den Diensten unterstützten Geräte über PCs, Macs, Smartphones und Tablets hinaus ist inzwischen unüberschaubar geworden. Auf den meisten Smart-TVs und Konsolen sind die Streaming-Anbieter ebenso vertreten, wie auf digitalen TV-Receivern oder Blu-ray-Playern. Ob das eigene Gerät dabei ist, lässt sich über die folgenden Links prüfen, die direkt zu den Übersichten bei Amazon Prime Instant Video(öffnet im neuen Fenster), Maxdome(öffnet im neuen Fenster), Netflix(öffnet im neuen Fenster), Sky Snap(öffnet im neuen Fenster) und Watchever(öffnet im neuen Fenster) führen.
Wir haben uns die Dienste auf zwei Windows-PCs, einem Android-Tablet und einer Playstation 3 angesehen. Auf diesen Geräten basieren die Erfahrungen mit dem Angebot und den Apps der Anbieter auf den folgenden Seiten.
Amazon Prime Instant Video
Die größte Bibliothek für den vermeintlich kleinsten Preis von gut 4 Euro im Monat verspricht Amazon – allerdings nur für Nutzer, die sich für ein Jahr an den Dienst binden, denn Prime Instant Video ist eine Erweiterung der bisherigen Prime-Angebote des Unternehmens. Sie umfasst versandkostenfreie Lieferung ab 29 Euro Bestellwert und eine bevorzugte Versendung, in der Regel stellt Amazon verfügbare Artikel, die es selbst vorrätig hat, am nächsten Werktag zu. Das Prime-Paket kostet inklusive der Video-Flatrate jährlich 49 Euro.
Bei den Inhalten bietet Amazon einen bunten Mix quer durch alle Genres, vor allem beliebte US-Serien, die auch lange im Programm bleiben. Dabei ist jedoch nur selten der Originalton vorhanden, und wenn, dann nur als eigenes Video. Ein direktes Umschalten wie bei einer DVD ist nicht vorgesehen. Ebenso lästig ist die ständige Eingabe der Jugendschutz-PIN. Das ist selbst dann nötig, wenn man von einer schon laufenden Serie nur die nächste Folge sehen will.
Bei den Filmen gibt es viel aktuelles Material und moderne Klassiker aus den 1980er und 90er Jahren, aber nur selten Streaming-Premieren und generell wenige noch ältere Filme. Überraschend sind einige Perlen wie die Dramen "Schindlers Liste" und "Der Pianist", die im Abo enthalten sind. Auch einige andere Streifen für Cineasten gibt es – aber nur zum Kaufen oder Leihen. Amazon versteht es recht gut, immer wieder Kaufanreize zu setzen.
Einen Offlinemodus bietet Amazon bisher nur für seine Kindle- und Fire-Tablets und sonst nur vollwertige Apps für iOS-Geräte an. Für Android steht offiziell nur eine Smartphone-App zur Verfügung, die Tablet-Version soll aber bald folgen.
Maxdome
Hinter Maxdome steht die Sendergruppe ProSiebenSat1, und das merkt man: Vor allem die Serien, die auch im Fernsehen laufen, sind gut verfügbar. Bei "Navy CIS" (im Original nur NCIS genannt) gibt es nach der deutschen Erstausstrahlung am Sonntagabend die nächste Folge als Stream. Anders sieht es bei "The Big Bang Theory" aus, hier läuft auf Prosieben zwar gerade schon die siebte Staffel, Maxdome bietet als Abo-Stream aber nur die Staffeln eins bis sechs an. Dafür gibt es, ähnlich wie bei NCIS, unter anderem auch Folgen von "Sons of Anarchy" und "Castle" vor der TV-Ausstrahlung.
Was auch als Wiederholung im Tagesprogramm noch gut läuft, wird aber rationiert. So sind von "Two and a half men" nur die Staffeln acht bis zehn verfügbar, ältere nicht. Eigenproduktionen von "Galileo" über "Akte" bis "TV Total" sind ebenfalls abrufbar. Im Falle der Raab-Show reicht das Archiv bis ins Jahr 2007 zurück.
Mainstream ist auch im Filmangebot von Maxdome angesagt: Viel Action gibt es, aber beispielsweise mit "Tränen der Sonne" nur einen Film mit Bruce Willis – und der ist ein berührendes Kriegsdrama, nicht leicht verdauliche Ballerei. In einem Genre tut sich Maxdome hervor: Das Angebot an Western ist mit derzeit 83 Filmen umfangreich. Hier sind sowohl Klassiker mit John Wayne als auch die deutschen Karl-May-Verfilmungen und die Spencer/Hill-Prügeleien vertreten. Bei genauem Hinsehen fehlen aber die ganz großen Streifen wie "Rio Bravo" und "Rio Lobo", die John Wayne unter der Regie von Howard Hawks drehte.
Lobenswert ist bei Maxdome das breite Angebot an für Kinder geeigneten Inhalten, das sich nicht auf Zeichentrick beschränkt. Wir würden uns hier aber auch einen eigenen Kids-Modus wie bei Netflix wünschen, denn auch die Erwachseneninhalte sind sonst nur durch die PIN geschützt zugänglich.
Einen Offlinemodus gibt es für die Apps unter Android und iOS, die Inhalte lassen sich ohne Internetverbindung aber nur sieben Tage lang nutzen. Sobald ein Gerät wieder am Netz ist, lässt sich diese Frist wieder um eine Woche verlängern, maximal bleiben sie 30 Tage gespeichert. Originalton gibt es nur bei manchen Titeln, ein Umschalten während der Wiedergabe ist nicht möglich. Dafür lässt sich in der Webanwendung schnell nach Originalfassungen suchen, Suchergebnisse können auch direkt nach Sprachen gefiltert werden.
Netflix
Mit großen Erwartungen gestartet, zeigt der weltweite Streaming-Marktführer vor allem in technischer Hinsicht seine Erfahrung. Videos starten auf PC und Android-Tablet fast sofort, die HD-Pufferung lief in unseren Tests schneller als bei den anderen Anbietern ab. Das wundert nicht, Netflix hat mit mehreren hundert Gigabit pro Sekunde kräftig Bandbreite nach Deutschland gebucht – offenbar rüstet man sich schon für die Zukunft.
Zudem füllt das Video ein Browserfenster fast komplett, ein Doppelklick bringt es ins Vollbild. Das eindrucksvollste aber ist das direkte Umschalten zwischen Originalton und deutscher Fassung. Das klappt am PC ganz ohne Unterbrechung, am Tablet gibt es eine kleine Pause. Dort ist auch eine Funktion vorhanden, die wir uns bei allen VoD-Diensten wünschen: Während einer Serienfolge kann man direkt nicht nur in eine andere Sprache, sondern auch in eine andere Staffel springen. Ebenso ist unter Android der Lautstärkeregler des Geräts für Netflix zuständig, so gibt es kein Overlay für die Systemlautstärke – ein nettes Detail.
Generell scheint sich Netflix an dem zu orientieren, was die Nutzer auch von ihren Geräten gewohnt sind. Auf der Playstation 3 kann beispielsweise in 10-Sekunden-Schritten mit Vorschaubildern durch einen Film geblättert werden. Das sieht ganz so aus, wie es der PS3-Anwender von lokalen Videos auf der Konsole kennt. Zudem ist die PS3-App die einzige im Test, welche die Tonformate für einen HDMI-Receiver korrekt umschaltet. Lästig finden wir, dass die Webanwendung von Netflix immer wieder drängelt, die Bewertungen auf Facebook zu teilen. Den zahlenden Kunden so zum Werbeträger zu machen, ist mindestens unfein.
Bei den Inhalten ist Netflix in der deutschen Version bisher am ehesten mit Amazon vergleichbar. Dabei stechen jedoch die Eigenproduktionen von Serien wie "House of Cards" und "Orange is the new Black" heraus. Es ist davon auszugehen, dass Netflix auch weitere, bisher nur im US-Angebot verfügbare Inhalte nach und nach auch für den deutschsprachigen Markt lizenziert.
Der Einstiegspreis ist von 7,99 Euro monatlich für Netflix täuscht im Vergleich mit anderen Anbietern, denn dafür ist nur ein Stream in SD-Qualität geboten. Für 8,99 Euro gibt es zwei HD-Streams, und für 11,99 Euro gibt es vier Streams, die bis 4K reichen. Dafür gibt es aber noch kaum Inhalte, nur die Serie "Breaking Bad" und die zweite Staffel von "House of Cards" liegen in Ultra HD vor. Ab dem 12. Dezember 2014 soll die Eigenproduktion "Marco Polo" in 4K veröffentlicht werden. Einen Offline-Modus bietet Netflix bisher auf keinem Gerät an.
Sky Snap
Zum Kampfpreis von 3,99 Euro bietet Sky Snap den günstigsten Einstieg in die Welt des Abo-Streamings. Dazu muss man nicht bereits Kunde des Pay-TV-Senders sein. Für den kleinen Preis gibt es bereits einen HD-Stream, aber noch keinen Offlinemodus. Der ist – bisher nur für iOS-Geräte – über die Option "Snap Extra" zubuchbar, dann kostet das Paket mit 6,99 Euro immer noch weniger als bei den anderen Diensten, zudem sind dann zwei HD-Streams möglich.
Das kann sich Sky offenbar nur erlauben, weil die Streaming-Lizenzen für den Dienst Sky Go für Abonnenten des Senders schon vorliegen. Rund 5.000 Filme und Serienfolgen bietet Sky eigenen Angaben zufolge bereits an, ständig sollen es mehr werden. Als besondere Verlockung fügt Sky derzeit jeden Tag einen Film hinzu.
Entsprechend dem Pay-TV-Hintergrund ist auch der bisherige Katalog, vor allem aktuellere Hollywood-Produktionen sind zu finden, daneben aber auch wie bei sonst keinem getesteten Anbieter Klassiker. Fritz Langs stummes Meisterwerk "Metropolis" und Charlie Chaplins "Moderne Zeiten" stechen hier hervor.
Bei den Serien profitiert Sky von einer Kooperation mit HBO, zeigt aber auch hier nicht alle aktuellen Staffeln. Von "Game of Thrones" ist nur der erste Abschnitt verfügbar, bei "Boardwalk Empire" immerhin die ersten beiden Staffeln. Ältere Serien wie "Die Sopranos" und "Sex and the City" liegen komplett vor.
Dürftig ist bisher die Unterstützung von Geräten abseits von PC und iPhone oder iPad. Apps für Spielekonsolen gibt es gar nicht, und bei Android-Tablets werden bisher nur Geräte von Samsung unterstützt. Gleiches gilt für Smart-TVs, auch hier ist nur Samsung vertreten. Immerhin sollen sich alle Fernseher des Herstellers ab dem Modelljahr 2012 für Sky Snap nutzen lassen.
Watchever
Der französische Medienkonzern Vivendi steht hinter Watchever, das erst im Januar 2013 den deutschen Markt betrat und seitdem vor allem mit viel Fernsehwerbung auf sich aufmerksam machte. Durch die lange Erfahrung im Mediengeschäft ist das Angebot entsprechend vielfältig, neben US-Produktionen gibt es auch viele europäische Inhalte, vor allem Dokumentationen wie "Deutschland – ein Sommermärchen" oder "More than Honey" sind hier zu finden.
Ebenso gibt es sonst rare Bereiche wie Arthouse-Kino und eine Abteilung für den deutschen Film. Darin sind nicht nur die unvermeidlichen Til-Schweiger-Produktionen zu finden, sondern auch Rares wie die bitterböse Satire "Man spricht Deutsh" (mit absichtlichem Schreibfehler im Titel) von Gerhard Polt oder Klaus Kinskis Interpretation von "Woyzeck".
Das US-Angebot an Filmen und Serien bewegt sich auf einem hohen Niveau, so ist beispielsweise "Breaking Bad" bis zur finalen fünften Staffel auch im Originalton verfügbar. Dabei kann sowohl am PC als auch am Android-Tablet, ganz wie bei Netflix, zwischen beiden Tonspuren gewechselt werden. Ebenso gut ist die Unterstützung von Geräten über PCs und Tablets hinaus, einen Offlinemodus gibt es sowohl für Android als auch für iOS.
Windows-Anwender könnten sich bei Watchever über einen verbreiteten Bug wundern, der auch in unserem Test mit Firefox auftrat. Nach dem Start eines Videos sind die Kontrollfelder zum Springen und für den Wechsel der Tonspur zunächst nicht sichtbar, ebenso scheint der Inhalt verschoben. Das liegt an einer falschen Skalierung im Browserfenster, wenn man es mit der Zoomfunktion des Browserfensters (am einfachsten mit Strg und der Minustaste) verkleinert, werden die fehlenden Elemente sichtbar. Dann lässt sich auch ohne Qualitätsverlust in den Vollbildmodus schalten. Die genauen Gründe für diesen Fehler sind bisher nicht bekannt.
Netzkino
Außer Konkurrenz haben wir auch einen Blick auf das Gratisangebot Netzkino(öffnet im neuen Fenster) geworfen. Es unterscheidet sich von den Abo-Anbietern dadurch, dass es nicht werbefrei ist – anders wären legale Kinofilme im Angebot aber auch nicht zu finanzieren.
Dabei macht das Angebot aus Berlin vieles anders als das Fernsehen: So gibt es vor einem Film maximal drei Spots, er wird danach nicht durch Werbung unterbrochen. Dazu kommen Anzeigen auf der Webseite, die aber beim Vollbildmodus eines Films nicht auffallen. Aus dem Geschäft mit den derzeit populären US-Serien hält sich Netzkino heraus.
Dafür gibt es das, was der Name verspricht: Filme. Die stammen oft aus der zweiten Reihe, typische Hollywood-Kost wie "The 6th Day" mit Arnold Schwarzenegger oder "Hostage" mit Bruce Willis sind aber gelegentlich auch zu finden.
Ein Schwerpunkt des Dienstes liegt bei dem, was es höchstens in kleinen Programmkinos zu sehen gibt, also bei Arthouse-Filmen und dem Autorenkino. Dabei sind etliche Perlen wie "Ihr werdet euch noch wundern" von Alain Resnais oder einige Klassiker von Claude Chabrol zu finden. Aber auch Trashiges wie die mittlerweile schon wieder kultigen Bruce-Lee-Filme ist vorhanden.
Die größte Einschränkung ist, dass nur wenige Filme in HD vorliegen, in allen Auflösungen hat es der Dienst aber schon auf 2.000 Titel gebracht. Apps für Android und iOS gibt es ebenso wie auch für einige Smart-TVs. Wer nicht eine schwere Werbeallergie hat, sollte Netzkino eine Chance geben.
Fazit: Ein Dienst allein reicht nicht
Auch Netflix kann nicht zaubern. Wie alle Streaming-Anbieter unterliegt der Dienst den Lizenzbedingungen, was die Auswahl und zeitliche Verfügbarkeit von Inhalten einschränkt. Zudem bietet das Unternehmen keinen Offlinemodus, was die größte Einschränkung gegenüber den Konkurrenten ist. Was bei Netflix aber heraussticht, ist die Möglichkeit, direkt auf Originalton umzuschalten, die mit fast allen Videos angeboten wird. Zudem überzeugen die Apps mit einfacher und einheitlicher Bedienung. Während einer Serienfolge schnell in eine ganz andere Staffel springen? Kein Problem. Das konnte aber auch schon die App von Watchever.
Trotzdem würden wir Netflix für die Nutzung zu Hause durchaus empfehlen, für echte Film- und Serienfans reicht das Angebot aber noch nicht aus. Watchever stellt hier eine sinnvolle Ergänzung dar, auch dank des gut umgesetzten Offlinemodus unter Android. Amazon Prime Instant Video ist vor allem für Serienfans interessant, die deutsche Fassungen kurz nach der US-Ausstrahlung sehen wollen – das müssen sie dann aber bei Amazon auch extra bezahlen. Maxdome bietet manche auf Prosieben oder Sat.1 laufende Serien auch im Paket mit je einer Folge als Vorschau an. Und Sky Snap ist bisher die beste Fundgrube für Hollywood-Fans, die sich auch für ältere Filme begeistern können.
Bei der Entscheidung für einen Anbieter sollten Nutzer in jedem Fall den kostenlosen Probemonat nutzen. Und selbst wenn Nutzer zwei Dienste verwenden, liegen die monatlichen Kosten noch unter denen für eine einzige halbwegs aktuelle Blu-ray oder eine DVD-Box mit einer Staffel einer Serie.
Da Netflix ein international operierendes Unternehmen ist, sind diesem Dienst langfristig die höchsten Überlebenschancen zuzutrauen. Während der Recherchen zu diesem Artikel berichtete der Spiegel(öffnet im neuen Fenster), dass mit Watchever schon der erste deutsche Streamer in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein soll. An der direkten Konkurrenz von Netflix kann das zwar noch nicht liegen, es zeigt aber, dass der US-Konzern Bewegung in den Markt bringt. Bei Inhalt und Technik werden die Streaming-Anbieter sich künftig an Netflix messen lassen müssen.
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