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Lebensmittellieferdienst: Entlassene Gorillas-Arbeiter wollen Wiedereinstellung

Die Plattform Gorillas Workers Collective hofft, dass die Entlassungen wegen Streiks im nächsten Jahr zurückgenommen werden müssen. Mit Verdi gibt es Spannungen.
/ Achim Sawall
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Solidaritätsdemo mit über 500 Beteiligten in Berlin (Bild: GEW Betriebsgruppe 08G35)
Solidaritätsdemo mit über 500 Beteiligten in Berlin Bild: GEW Betriebsgruppe 08G35

Die wegen Streiks entlassenen Gorillas-Arbeiter haben bislang vergeblich versucht, ihre Wiedereinstellung mit einstweiligen Verfügungen durchzusetzen. Das sagte ein Sprecher ihrer Organisation Gorillas Workers Collective Golem.de auf Anfrage. "Die Arbeiter werden wieder eingestellt, leider haben bisher alle Richter die einstweiligen Verfügungen abgelehnt, da sie keine Dringlichkeit sehen. Daher werden sie im nächsten Jahr im Rahmen der ordentlichen Prozesse wieder eingestellt."

Die Geschäftsleitung des Lieferdienstes hatte am 5. November fast alle bekannten Streikenden im Bergmannkiez, in Gesundbrunnen und Kreuzberg entlassen. Begründung für die fristlosen Kündigungen war, dass es sich um sogenannte wilde Streiks gehandelt habe. Die Fahrradkuriere hatten wiederholt wegen verschmutzter Arbeitsbekleidung, überladener Rucksäcke, schlecht gewarteter E-Bikes, verspäteter Lohnzahlungen und willkürlicher Kündigungen gestreikt und dabei auch aktiv Standorte blockiert.

Die zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin Maren Ulbrich sagte Golem.de: "Die Verfahren vor dem Arbeitsgericht laufen noch. Letztendlich müssen die Gerichte über die Wirksamkeit der Kündigungen entscheiden."

Verdi: Ausländische Fahrradkuriere oft rechtlos

Der eigentliche Skandal sei, dass die Unternehmensleitung die Beschäftigten gekündigt habe und ihnen somit die Existenzgrundlagen entzöge, nur weil sie für ihre Rechte eingestanden seien. "Man muss dazu wissen, dass bei Gorillas viele Migrant:innen arbeiten, die nur mit einem kurzen Visum für Deutschland ausgestattet sind. Oft sind sie zu kurz in Deutschland und sprechen weder die deutsche Sprache noch kennen sie die gesetzlich verankerten Rechte" , sagte Ulbrich.

Verdi vermute, dass das Unternehmen dies ausnutze und daher Kündigungen ausspreche, die unter anderen Umständen so nicht denkbar wären. Die Gewerkschaft verurteile dieses Vorgehen der Unternehmensleitung.

Ulbrich erklärte: "Den Beschäftigten haben wir unsere Unterstützung angeboten, auch bei der Gründung eines Betriebsrats. Wir stehen auch mit dem Wahlvorstand in Kontakt und haben gemeinsam mit ihm Warehouses besucht, um die Beschäftigten über die anstehenden Wahlen und Arbeiter:innenrechte in Deutschland zu informieren."

Zugleich gibt es offenbar erhebliche Spannungen(öffnet im neuen Fenster) zwischen dem Gorillas Workers Collective und Verdi. Ulbrich wies den Vorwurf der Plattform, die Gewerkschaft sei untätig, "entschieden zurück" . Das Gorillas Workers Collective berichtet auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) , dass es vor illegalen Streiks gewarnt worden sei.


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