Lebensmittelforschung: Erster Kaffee im Labor gezüchtet

Schmecken und riechen soll das erste Kaffeepulver aus dem Labor fast normal, die Zubereitung soll es allerdings noch in sich haben.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Die Labormitarbeiterin Elviira Kärkkäinen brüht den ersten im Labor gezüchteten Kaffee auf.
Die Labormitarbeiterin Elviira Kärkkäinen brüht den ersten im Labor gezüchteten Kaffee auf. (Bild: VTT)

Finnland ist für seine Wälder und die kalten Winter bekannt, für Kaffee eher nicht. Dennoch wurde dort nun der erste Kaffee getrunken, dessen Pulver im Labor gezüchtet wurde. Hergestellt wurde er von einem Forschungsteam der gemeinnützigen Organisation des Technischen Forschungszentrums Finnland, VTT.

Laut dem Leiter des Forschungsteams, Heiko Rischer, ähnelt "das Profil des Gebräus in Bezug auf Geruch und Geschmack dem eines normalen Kaffees". Das sollen analytische Untersuchungen und eine geschulte Gruppe von Testpersonen bestätigt haben.

Anders sehe es dagegen mit der Kaffeezubereitung aus, die sei "eine Kunst und erfordert eine wiederholende Optimierung unter der Aufsicht von Spezialisten mit speziellen Geräten." Für Laien zu Hause sei der Laborkaffee also nicht geeignet. Wobei sich die neuartige Kaffeezucht noch in der Phase der Grundlagenforschung befindet.

Die Methoden, mit denen der Kaffee gezüchtet wurde, sind nicht neu. Mit derselben Technik soll auch Fleisch im Labor hergestellt werden. Zunächst sollen die Zellen der Kaffeepflanze im Labor gezüchtet und anschließend in Bioreaktoren gesetzt werden, damit die benötigte Biomasse produziert werden kann. Laut Rischer sei dies leichter als bei der Fleischzüchtung: "Die Nährmedien für Pflanzenzellkulturen sind viel weniger komplex, daher billiger als die für tierische Zellen."

Heraus kam eine cremefarbene Biomasse. Diese wurde getrocknet und dann zu einer dunkelbraunen Farbe geröstet. Auf den Bildern sieht sie tatsächlich wie Kaffeesatz aus. Der Laborkaffee soll sogar Koffein enthalten. Den Grad von Koffein und Aromen sollen die Forschenden beim Kultivierungsprozess verändern können. Außerdem könne man "Zellkulturen verschiedener Kaffeesorten anlegen und den Röstprozess verändern, um Kaffee mit ganz unterschiedlichem Charakter zu erzeugen", sagt Rischer.

Herausforderungen bei der Zulassung

Bis der Kaffee tatsächlich im Handel erscheint, wird es aber bestimmt noch vier Jahre dauern, schätzt Rischer und führt fort: "Die Züchtung von Pflanzenzellen erfordert besondere Fachkenntnisse, wenn es darum geht, den Prozess zu skalieren und zu optimieren." Eine weitere Herausforderung stelle die behördliche Genehmigung dar. Um in Europa vermarktet zu werden, müsste der im Labor gezüchtete Kaffee als Novel Food zugelassen werden.

  • Die im Labor angelegten Zellkulturen einer Kaffeepflanze (Bild: VTT)
  • Links befindet sich der bereits geröstete Kaffee, wogegen sich rechts die Kaffee-Zellkulturen befinden, die mit der VTT-Methode der zellulären Landwirtschaft hergestellt wurden. (Bild: VTT)
Links befindet sich der bereits geröstete Kaffee, wogegen sich rechts die Kaffee-Zellkulturen befinden, die mit der VTT-Methode der zellulären Landwirtschaft hergestellt wurden. (Bild: VTT)

Neuartige Lebensmittel (Novel Food) müssen laut der aktuellen Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates unter anderem gesundheitlich unbedenklich sein und dürfen die Funktion des Binnenmarkts nicht behindern. Damit der Kaffee in den USA zugelassen werden kann, müsste die Genehmigung der US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) eingeholt werden - was ebenfalls nicht leicht werden dürfte.

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smonkey 21. Sep 2021

Kannst Du das belegen? Wenn ich so schaue, scheint der Konsum in den letzten Jahren eher...

einglaskakao 20. Sep 2021

In den letzten 4 Jahren mussten mein Kollege und ich etliche Male den jüngeren Beratern...

jg (Golem.de) 20. Sep 2021

Das war missverständlich formuliert, danke für den Hinweis!



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