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Lebensmittel und Discounter: So viel Einsparungen sollen mit Treue-Apps möglich sein

Die Treue-Apps der Lebenmittelketten werden von vielen Kunden genutzt. Eine Untersuchung will zeigen, wie viel Einsparungen möglich sind.
/ Ingo Pakalski , dpa
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Mit Treue-Apps werden Kunden Ersparnisse beim Lebenmitteleinkauf versprochen. (Bild: Jim Watson/AFP via Getty Images)
Mit Treue-Apps werden Kunden Ersparnisse beim Lebenmitteleinkauf versprochen. Bild: Jim Watson/AFP via Getty Images

Die Preisvergleichs-App Smhaggle hat die Bonusprogramme verschiedener Supermärkte für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) verglichen und kommt auf vergleichsweise geringes Einsparpotenzial. Nicht nur die Methodik der Untersuchung wirft dabei Fragen auf.

Zwischen Januar und März 2025 wurden mehr als 1,26 Millionen Kassenbons ausgewertet. Kaufland lag im Vergleich der untersuchten Anbieter vorn. Mit der Kaufland Card konnten Kunden demnach im ersten Quartal im Schnitt 2,29 Prozent ihrer Gesamtausgaben im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogerien sparen. Bei einem Einkauf für 100 Euro entspricht das 2,29 Euro.

Bei anderen Ketten fällt der Vorteil der Apps laut Smhaggle geringer aus. Die Drogerie DM kommt auf 1,68 Prozent, Lidl Plus auf 1,6 Prozent, Edeka auf 1,59 Prozent und Rossmann auf 1,32 Prozent. Noch weniger sind es bei Rewe Bonus mit 0,82 Prozent und Penny mit 0,75 Prozent.

Supermärkte wollen Daten der Kunden

Bei dem Multipartner-Programm Payback liege die Ersparnis für Verbraucher bei 1,38 Prozent. Payback nutzen unter anderem Edeka, Netto und dm.

"Durch den gezielten Einkauf von Aktionsangeboten und den regelmäßigen Wechsel des Händlers kann man bequemer und deutlich mehr sparen als mit einem einzelnen oder mehreren Bonusprogrammen" , sagte Smhaggle-Geschäftsführer Sven Reuter. Wer Produkte im Sonderangebot kaufe, könne im Schnitt 30 Prozent sparen. Bei den Bonusprogrammen seien es meist lediglich ein bis zwei Prozent.

Viele große Lebensmittelhändler haben eine App, die Kunden auf ihren Smartphones verwenden können. Sie bewerben darin ihre Produkte und Sonderangebote. In den Apps gehen Kunden und Händler ein Tauschgeschäft ein: Angemeldeten Kunden werden exklusive Vorteile versprochen.

Die Unternehmen erhalten dafür – im besten Fall – treuere Kunden und deren Daten. Die helfen ihnen zu verstehen, was die Käufer wollen. Die App Smhaggle wirbt damit, die jeweils günstigsten Preise für bestimmte Produkte zu nennen und dabei die Treue-Apps der Lebensmittelhändler zu berücksichtigen.

Smhaggle geht dabei auch noch einen Schritt weiter, weil das Kaufverhalten über mehrere Supermärkte hinweg überwacht wird.

Kundschaft kritisiert Smhaggle scharf

Smhaggle lockt Kunden mit Cashback-Prämien, wofür aber alle Kassenbons der Kunden verlangt werden. Sprich: Smhaggle kann das Kaufverhalten der Kunden noch besser überwachen als die Supermarkt-Apps, weil im Idealfall alle Einkäufe aller Supermärkte der Kunden als Daten beim Betreiber landen.

Laut Play-Store-Bewertungen(öffnet im neuen Fenster) von Kunden werden dabei aber vor allem die Eigenmarken der jeweiligen Märkte nicht berücksichtigt und daher stellt sich die Frage, wie viel Aussagekraft die Daten des Anbieters haben. Außerdem berücksichtigt dieser nur die Daten der Kundschaft, die Smhaggle nutzen und bei lediglich 1,26 Millionen Kassenbons innerhalb von drei Monaten sind das vergleichsweise wenige.

Offen ist zudem, ob auch die persönlichen Coupons berücksichtigt wurden, die es in den Apps der Supermärkte gibt und die mit dem Einkaufsverhalten der Kunden zusammenhängen. In einem Erfahrungsbericht von Golem.de mit Lidl Plus (g+) kamen wir auf Ersparnisse von 8 bis 13 Prozent. Dafür mussten wir allerdings auch penibel darauf achten, bloß keinen persönlichen Coupon zu verpassen.

Kundschaft kritisiert Smhaggle scharf

In Play-Store-Bewertungen wird Smhaggle seit Monaten dafür kritisiert, dass Auszahlungen im Rahmen der Cashback-Versprechen seit Monaten nicht ausgezahlt würden. Zudem wird kritisiert, dass Preisangaben mitunter nicht korrekt sind und nicht korrigiert werden.

Seit Wochen überwiegen deutlich die Ein-Sterne-Bewertungen im Play Store, womit verärgerte Kunden ihren Frust über die Smhaggle-App äußern. Nur vereinzelt finden sich höhere Bewertungen durch Kunden. Auch auf Trustpilot(öffnet im neuen Fenster) überwiegen Bewertungen, die das Unternehmen kritisieren, weil zugesicherte Prämien demnach zum Teil seit mehr als einem Jahr nicht ausgezahlt worden seien.

Übermittlung persönlicher Daten kritisch gesehen

Menschen verwenden Treue-Apps von Lebensmittelhändlern, um sich Rabatte zu sichern, wie eine Yougov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Mehr als 2.000 Personen wurden dafür im Februar 2025 repräsentativ befragt. Fast jeder Vierte nutzt die Apps demnach nicht und will dies auch künftig nicht.

Am häufigsten kritisiert wird, dass persönliche Daten übermittelt werden. Das geben 39 Prozent der Befragten an. Fast ebenso viele stört, dass das Kaufverhalten analysiert wird, das waren 38 Prozent. Uneinigkeit besteht darüber, dass nur registrierte Kunden Rabatte erhalten. 41 Prozent finden das gut, 40 Prozent befürworten das nicht.


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