Leaks aus der Spielebranche: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

An Spielen arbeiten mitunter hunderte Menschen. Da ist es erstaunlich, dass so wenig geleakt wird. Aber die Branche hat gute Kontrollmechanismen.

Artikel von Daniel Ziegener veröffentlicht am
... und heraus trat Keanu Reeves. Dass dieser Cyberpunk-Promo-Auftritt nicht vorher rauskam, wunderte selbst den PR-Manager des Spiels.
... und heraus trat Keanu Reeves. Dass dieser Cyberpunk-Promo-Auftritt nicht vorher rauskam, wunderte selbst den PR-Manager des Spiels. (Bild: Mark Ralston/AFP via Getty Images)

"Wach auf, Samurai", murmelt der langhaarige Kerl, bückt sich und nimmt seine Sonnenbrille ab. "Wir müssen eine Stadt abbrennen." Zu harten E-Gitarren öffnet sich eine von Nebelschwaden eingerahmte Tür und hervor tritt Keanu Reeves. Es ist die E3 im Jahr 2019 und gerade wurde der Schauspieler aus The Matrix und John Wick als der Star von Cyberpunk 2077 enthüllt. Der Saal jubelt - die Überraschung ist perfekt.

Inhalt:
  1. Leaks aus der Spielebranche: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
  2. Wer leakt, wird beim nächsten Mal übergangen

"Es hätte uns nicht gewundert, wenn das drei Tage vorher rausgekommen wäre", gibt Fabian Döhla im Nachhinein zu. Der PR-Manager von CD Projekt wusste natürlich schon längst von Reeves' Beteiligung. Ein Kollege von einer anderen Firma habe ihm sogar noch verwundert berichtet, Reeves auf dem Gelände der E3 gesichtet zu haben.

An einem großen Open-World-Spiel wie Cyberpunk 2077, Red Dead Redemption 2 oder Assassin's Creed Valhalla arbeiten Hunderte, teils sogar Tausende von Programmierern, Grafikern und Designern. Doch obwohl so viele Personen involviert sind, gelingt es der Spielebranche erstaunlich gut, ihre Geheimnisse bis zur offiziellen Pressekonferenz für sich zu behalten.

Viele Köche veröffentlichen den Brei

Auch Döhla hatte in den Wochen vor der E3 immer die Sorge, dass die Zusammenarbeit des polnischen Spieleentwicklers mit dem kanadischen Actionhelden doch noch an die Öffentlichkeit kommt. Zu viele Probedurchläufe der Pressekonferenz, zu viele involvierte Mitarbeiter, an zu vielen Stellen hätte die Information durchsickern können. "Es gehört immer ein bisschen Glück dazu", sagt er.

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Mit ein paar Maßnahmen können Studios dem Glück dann aber doch auf die Sprünge helfen. "Zunächst einmal gilt dasselbe wie bei wahrscheinlich jedem Wirtschaftsunternehmen: Mitarbeiter sind zur Geheimhaltung verpflichtet", erklärt Florian Emmerich von THQ Nordic die Seltenheit von Leaks aus der Entwicklungsabteilung. "So wie der Mercedes-Mitarbeiter nicht über den neuen Wagen oder der Adidas-Mitarbeiter nicht über die neuen Turnschuhe reden darf, so dürfen das auch ich und meine Kollegen nicht", sagt der Public-Relations-Leiter des Publishers.

Emmerich zufolge wird auf das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter gesetzt. Außer den "berühmten 15 Minuten Ruhm" habe niemand etwas davon, wenn ein Projekt vor der Veröffentlichung oder gar in einem unfertigen Zustand zugänglich wäre.

Der Mutterkonzern von THQ Nordic, die Embracer Group, listet in ihren Jahresberichten regelmäßig dutzende namenlose Titel auf, die in der Entwicklung sind. 107 sind es im letzten. 107 Spiele, die vielleicht so unerwartet angekündigt werden, wie die spielbare Demo eines neuen Gothic im Dezember 2019. "Als PR-Fuzzi habe ich erst sehr spät davon erfahren", sagt Emmerich über das kontroverse Remake, "da mein Job ja daraus besteht, Geheimnisse hinauszuposaunen."

Unzufriedene Mitarbeiter, ungeduldige Fans, kriminelle Hacker

Trotz allem kommt es mitunter auch bei prestigeträchtigen Titeln zu Leaks, zuletzt im Fall von The Last of Us Part II. Im Frühjahr 2020 gelangte die große Wendung der Story an die Öffentlichkeit. "Es war einer der schlimmsten Tage in meinem Leben", kommentierte Game Director Neil Druckman den Vorfall.

Damals wurde spekuliert, ein unzufriedener Mitarbeiter könnte für den Leak verantwortlich sein. Entwickler Naughty Dog steht immer wieder wegen seiner anhaltend schlechten Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt der Debatte um Crunch in der Spieleindustrie. Letztendlich war laut Publisher Sony aber ein Außenstehender für den Leak verantwortlich.

The Last of Us Part II - Standard Edition [PlayStation 4] (Uncut)

Unzufrieden sind viele Mitarbeiter dennoch. Sie wenden sich jedoch nicht mit Story-Spoilern, sondern mit Berichten über die Arbeitsumgebung an die Öffentlichkeit. Gut vernetzte Journalisten wie Jason Schreier veröffentlichen die Berichte über massenhafte Überstunden und sexuelle Belästigung - und schützen dabei die als Whistleblower agierenden Angestellten.

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Wer leakt, wird beim nächsten Mal übergangen 
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Garius 24. Aug 2021 / Themenstart

Danke! Interessant.

Anonymouse 24. Aug 2021 / Themenstart

Welche Leaks waren das?

Eheran 23. Aug 2021 / Themenstart

Welchen Vertrag habe ich mit denen? Keinen? Wie soll ich dann einen Brechen? ("ich...

Eheran 23. Aug 2021 / Themenstart

Ja, ist eine super Forderung. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Mögen die Jungen von heute die...

ovbspawn 23. Aug 2021 / Themenstart

Nein bei den Grafikern auch Männer ^^

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