Wer leakt, wird beim nächsten Mal übergangen

Dass aus zahlreichen Pressevorführungen nur selten etwas durchdringt, liegt auch am engen Verhältnis von Spielejournalismus und -industrie. "Man kennt viele der Leute schon recht lange", sagt Fabian Döhla. Er weiß, welchen Kollegen aus der Presse er Informationen auch einmal vorab anvertrauen kann.

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Die Beziehung zwischen Entwicklern und Redaktionen ist in der Spielebranche seit jeher eng. "Ich kann mich in der Zusammenarbeit darauf verlassen, dass Leaks einfach nicht passieren", sagt Döhla. Aus dem Vertrauensverhältnis entsteht gleichzeitig eine Abhängigkeit. Wer vorab Zugang zu Demos bekommen will, muss sich an die Bedingungen im NDA, der branchenüblichen Verschwiegenheitserklärung, halten.

"Wenn ein großes Magazin eine Veröffentlichung komplett verhaut, dann stellt sich natürlich die Frage, wie man bei kommenden Themen zusammenarbeiten kann", erklärt Döhla die möglichen Konsequenzen dafür, wenn sich ein Pressepartner nicht an das Embargo zur Bekanntgabe der Schlagzeile hält. Der Publikation fällt so im Zweifel die nächste exklusive Vorschau auf ein gehyptes Spiel weg - und damit die entsprechenden Klicks.

Anfang Juni ist genau das bei einem Pre-Reveal-Event von Battlefield 2042 passiert. Ein Teilnehmer der digital durchgeführten Vorschau für die Medien hielt sich nicht an NDA und Embargo und so landete der Name schon vor der offiziellen Ankündigung auf Reddit.

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"Unsere internen Sicherheits- und Rechtsteams untersuchen dies derzeit und werden unser NDA in vollem Umfang durchsetzen", informiert ein Sprecher von EA die Teilnehmer. Der Beitrag auf Reddit ist mittlerweile gelöscht. Weitere Leaks konnte das nicht verhindern - inzwischen sind so auch schon die Pläne für den Season Pass an die Öffentlichkeit gelangt.

Erzwungene Transparenz durch kriminelle Energie

Bei einem der größten Leaks in der Geschichte der Spieleindustrie kam nicht etwa ein "aus der Unterhose bei der Gamescom abgefilmter Trailer", wie Döhla es beschreibt, abhanden, sondern gleich das ganze Spiel. Half-Life 2 war wohl eine der meisterwarteten Fortsetzungen des damals noch jungen Jahrtausends. Doch statt das Publikum auf der E3 mit einer Ankündigung zu überraschen, wurde Entwickler Valve selbst überrascht: Ein Hacker veröffentlichte den Quellcode des Spiels noch vor dem Releasetermin.

Der Leak der Half-Life 2 Beta ist ein drastisches Beispiel, aber kein Einzelfall. Gerade erst wurde EA zum Ziel eines Angriffs. Und auch CD Projekt kennt die Situation. Anfang des Jahres war das Unternehmen ebenfalls von einem Hack betroffen. Dahinter stecken keine übermäßig neugierigen Fans, sondern kriminelle Energie. Die Firmenserver wurden mit Ransomware verschlüsselt, Daten gestohlen und das Unternehmen erpresst.

Battlefield 2042

CD Projekt weigerte sich, auf die Forderungen einzugehen und die Erpresser veröffentlichten interne Dokumente im Netz. Spätestens dadurch wurde das Unternehmen gezwungen, seine Kommunikation umzustellen. Statt Geheimhaltung war Transparenz angesagt, wenn auch unfreiwillig. In einer Stellungnahme kündigte CD Projekt das bevorstehende Datenleck an. "Wenn die Sachen erst einmal draußen sind, fährst du nicht gut, keinen Kommentar abzugeben", erklärt Döhla.

Dass danach nicht mehr viel von den Leaks zu hören war, liegt an der Quelle. "Es heißt ja immer, wenn etwas erst einmal im Internet ist, bleibt es da für immer", sagt Döhla. "Aber du kannst die Verbreitung so schwierig machen, dass es nicht bei der breiten Masse ankommt." Große Plattformen wie Youtube würden bei Rechtsverstößen schnell reagieren. Und hätten sich Journalistinnen und Journalisten auf diese mit illegalen Mitteln erworbenen Informationen bezogen, wäre der Fall schnell von der PR- zur Rechtsabteilung von CD Projekt gewandert.

Alles halb so schlimm

Trotz der schlechten Erfahrungen sieht Fabian Döhla das Thema pragmatisch. "Du musst dich immer wieder daran erinnern, dass du eigentlich in einer guten Position bist", sagt er. "Du kannst so viel leaken wie du willst, wenn du ein Produkt hast, für das sich keine Sau interessiert."

Mangelndes Interesse war kein Problem für Cyberpunk 2077. Trotz holprigem Launch, zeitweisem Rausschmiss aus dem PSN-Store und Hackerangriff verkaufte sich das Rollenspiel gut. Auch die zahlreichen technischen Probleme wurden nicht vorab bekannt. Die Presse dürfte also - bei allem Vertrauen - auf die exklusiven Previews von CD Projekts nächstem Spiel deutlich skeptischer reagieren.

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 Leaks aus der Spielebranche: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
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Garius 24. Aug 2021 / Themenstart

Danke! Interessant.

Anonymouse 24. Aug 2021 / Themenstart

Welche Leaks waren das?

Eheran 23. Aug 2021 / Themenstart

Welchen Vertrag habe ich mit denen? Keinen? Wie soll ich dann einen Brechen? ("ich...

Eheran 23. Aug 2021 / Themenstart

Ja, ist eine super Forderung. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Mögen die Jungen von heute die...

ovbspawn 23. Aug 2021 / Themenstart

Nein bei den Grafikern auch Männer ^^

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