League of Legends: Sexismus-Vorwürfe gegen Gründer von Riot Games

Das Entwicklerstudio Riot Games ist bekannt dafür, mit Cheatern und anderen problematischen Mitgliedern der Community von League of Legends ungewöhnlich clever umzugehen - etwa durch von Psychologen entworfene Verfahren, die gewünschtes Verhalten belohnen . Innerhalb der Belegschaft tut sich die kalifornische Firma offenbar schwer mit einem guten Umgang miteinander: Es gibt Berichte von massiven verbalen und sozialen Übergriffen innerhalb der Teams.
Ein ehemaliger Angestellter hat in einem langen Blogeintrag(öffnet im neuen Fenster) auch Vorwürfe gegen die Gründer erhoben. Der leitende Entwickler Barry Hawkins war von 2012 bis 2014 bei Riot Games, jetzt arbeitet er bei Blizzard. Hawkins schreibt unter anderem, dass Riot-Gründer Brandon Beck bei einem Firmenmeeting in Anwesenheit unter anderem des zweiten Gründers Marc Merrill über Verhandlungen mit Bewerbern mit dem Spruch "Nein heißt nicht immer Nein" gescherzt habe, was nach Auffassung von Hawkins als Anspielung auf Ausreden für sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen gemeint gewesen sei.
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Der Spruch sei trotz spürbar angespannter Stimmung am gleichen Tag noch sehr prominent in einer Präsentation aufgetaucht. Hawkins schreibt, dass er wenig später von einigen seiner Mitarbeiterinnen, die bei dem Treffen nicht selbst anwesend waren, aber davon gehört hatten, auf die Äußerungen angesprochen worden sei. Die Frauen seien spürbar verletzt und verstört von den Vorgängen in ihrer Firma gewesen.
Das Ganze habe dann zu weiteren Diskussionen mit dem leitenden Management geführt, das sein Verhalten verteidigt habe. Der Chef der Kommunikationsabteilung etwa habe gesagt, dass "Riot ohne diese Kanten so formlos und langweilig würde wie EA oder Blizzard." Als sich die Leiterin der Rechtsabteilung zu möglichen geschäftlichen Folgen der Äußerungen von Brandon Beck - die es durchaus geben könnte - äußern wollte, habe der Gründer die Diskussion unterbunden.
Hintergrund dieses und einer Reihe ähnlicher, wesentlich weniger detailreicher Berichte von ehemaligen Angestellten ist ein Bericht des US-Magazins Kotaku von Anfang August 2018(öffnet im neuen Fenster) . Auch darin ging es um schwerwiegende Probleme innerhalb vieler Teams bei Riot Games: Es ging um Übergriffe, sich im Laufe der Zeit hochschaukelnden Machismus, um nicht erträgliche Anzüglichkeiten sowie um strukturelle Benachteiligungen von Frauen und Minderheiten.

Riot Games hatte sich seitdem öffentlich nur in kurzen und nichtssagenden Erklärungen geäußert - man wolle die Angelegenheit zuerst intern untersuchen. Jetzt hat sich das Unternehmen auf seiner Webseite zu Wort gemeldet(öffnet im neuen Fenster) . Es entschuldigt sich bei Angestellten, ehemaligen Beschäftigten und freien Mitarbeitern: "Es tut uns leid, dass Riot nicht immer der Arbeitgeber ist - oder war -, den wir euch versprochen haben."
Das Unternehmen will sich von zwei führenden Beratungsfirmen beim Umgestalten der Firmenkultur helfen lassen. Außerdem soll es eine neue Leitung für Personalangelegenheiten geben sowie den Posten des Chief Diversity Officer, der Teil der obersten Firmenführung sein soll. Dazu kommen neben weiteren Untersuchungen auch Schulungen für die Mitarbeiter.
Wer genau die Erklärung verfasst hat, ist übrigens nicht klar. Beck und Merrill hatten sich schon vor einiger Zeit aus dem Topmanagement zurückgezogen, sie wollten sich wieder verstärkt um die eigentliche Spielentwicklung kümmern. Ihre Firmenanteile haben sie in mehreren Schritten bis Ende 2015 vollständig an den chinesischen Onlinekonzern Tencent verkauft.



