Abo
  • Services:
Anzeige
Die US-Journalistin und Dokumentarfilmerin Laura Poitras
Die US-Journalistin und Dokumentarfilmerin Laura Poitras (Bild: Andrew Burton/AFP/Getty Images)

Laura Poitras: "Wir leben in dunklen Zeiten"

Die US-Journalistin und Dokumentarfilmerin Laura Poitras
Die US-Journalistin und Dokumentarfilmerin Laura Poitras (Bild: Andrew Burton/AFP/Getty Images)

Mit Citizenfour verneigt sich Laura Poitras vor dem Mut von Edward Snowden. Aber nicht Whistleblower sollten den Bürgern sagen müssen, was ihre Regierung tut.
Von Patrick Beuth

Zeit Online: Frau Poitras, Ihr Film Citizenfour über Edward Snowden und die NSA-Enthüllungen kommt am 6. November in die deutschen Kinos. Er endet mit dem Bild von Edward Snowden und seiner Lebensgefährtin Lindsey Mills, wie sie in ihrer Moskauer Wohnung das Abendessen zubereiten, gefilmt von außen durchs Fenster. Es ist die einzige Szene, in der Sie mit Ihrer Kamera weiter als drei Meter von Snowden weg sind. Ein Zeichen, dass sich Ihre Wege nun trennen werden?

Anzeige

Laura Poitras: Nein, ich habe das so gemacht, um den beiden Raum zu geben. Ich wollte nur zeigen, dass sie zusammen sind, ohne dabei aufdringlich zu werden.

Zeit Online: Ich frage, weil zuletzt mehrere Artikel erschienen sind, die wie eine Art Abschlussberichterstattung wirken. Wired hat einige der ersten E-Mails veröffentlicht, die Snowden Ihnen geschrieben hat. Micah Lee, heute technischer Berater bei The Intercept, hat ausführlich beschrieben, wie er Ihnen am Anfang half, sicher miteinander zu kommunizieren, und was dabei schief ging. Solche und ähnliche Artikel klingen nach "jetzt, wo es vorbei ist, können wir's ja sagen".

Poitras: Oh. Ich hoffe, der Film transportiert etwas anderes, nämlich, dass es nicht vorbei ist. Dass die Geschichte über den Film hinaus geht. Dass nach den Enthüllungen nun wir, die Bürger, an der Reihe sind, Entscheidungen zu treffen. Ich hoffe, der Film ruft eher ein Gefühl der Unruhe hervor als eines von "Es ist vorbei".

Zeit Online: John Young von der Leakingplattform cryptome.org findet, Snowdens charakterliche Entwicklung werde in Citizenfour sichtbar: Er sei zu Beginn voller Hoffnungen und Wünsche und sagt selbst, er habe keine Ahnung davon, wie Medien funktionieren. Am Ende jedoch sei er gereift, aber auch skeptisch und misstrauisch und habe sehr genau verstanden, wie Medien funktionieren - und sei keineswegs glücklich damit. Stimmt das so?

Poitras: Ja, dem stimme ich zu. Man sieht diese Entwicklung von einem Mann, der anfangs sehr offen ist und dann einen Preis dafür bezahlt, zur öffentlichen Figur zu werden. Ich finde, man sieht seinem Gesicht und seinem Körper an, was er durchmacht.

Zeit Online: Was haben Sie selbst in dieser Zeit gelernt?

Poitras: Ich habe mich definitiv verändert, aber nicht erst im vergangenen Jahr. Ich war noch naiv, als ich 2005 in den Irak gegangen bin, um dort den Film My Country, My Country zu drehen. Wir sind auf einem falschen Weg, dachte ich, aber es wird irgendeine Art von Korrektiv geben. Stattdessen wurden die falschen Methoden institutionalisiert. Ich meine, wenn nicht einmal Obama dafür sorgen kann, dass Guantanamo geschlossen wird, werden wir es dann immer haben? Bis die Menschen, die noch dort sind, sterben? Für mich ist immer noch unverständlich, dass wir ein Gefängnis haben, in dem Menschen seit 2002 sitzen, ohne jemals angeklagt worden zu sein. Wir halten uns doch für eine Demokratie. Jedenfalls habe ich meine Naivität verloren, als ich verstand, dass die USA ihren Kurs nicht ändern, sondern weiter auf dem Pfad der zunehmenden Überwachung und der außergerichtlichen Tötung von Menschen gehen. Ich weiß nicht, wann sich daran etwas ändern wird. Ich hoffe, dass es sich ändern wird.

Zeit Online: Sie und der Fotograf Trevor Paglen gehören zu den ganz wenigen, die etwas Visuelles zu den Snowden-Enthüllungen und diesem furchtbar abstrakten Thema Überwachung beitragen.

Poitras: Ja, Trevor ist fantastisch, er setzt den Maßstab, an dem wir anderen uns orientieren. Zuletzt ist er mit einem Hubschrauber über die Zentrale des britischen Geheimdienstes GCHQ geflogen und hat Aufnahmen gemacht, um ein Video daraus zu machen. Seine Bilder sind unglaublich. Er hat auch einiges zu Citizenfour beigetragen, weil ich nicht nach Großbritannien reisen wollte. Meine Anwälte haben mir davon abgeraten.

Zeit Online: Sie verfolgen ohnehin einen anderen Ansatz als er.

Poitras: Ja, ich kümmere mich eher um Menschen und die Konsequenzen ihres Handelns. Citizenfour beschäftigt sich mit der Frage, warum ein so junger Mann wie Edward Snowden, der so viel zu verlieren hat, so viel riskiert. Und damit, dass man ihm wenigstens zuhören sollte, wenn er schon so viel riskiert. Zeitungsartikel können Fakten vermitteln, aber visuelles Storytelling, visueller Journalismus erreicht die Menschen besser auf dieser emotionalen Ebene.

Zeit Online: Citizenfour führt dem Zuschauer sehr genau vor Augen, wie intensiv, nervenaufreibend und anstrengend es war, mit Snowden und den Geheimdienst-Dokumenten zu arbeiten, und gegen einen sehr mächtigen Gegner. Gemessen an dieser Anstrengung: Sind Sie zufrieden damit, wie Politik und Gesellschaft auf die Enthüllungen reagiert haben?

Poitras: Im Film versuchen wir, eine dunkle, ominöse Regierungspräsenz herüberzubringen. Die gibt es ja auch wirklich, wir haben sie nicht erfunden. Aber es ist sehr ermutigend, wie das Publikum darauf reagiert. Viele haben tatsächlich das Gefühl, ihre Smartphones ausschalten und die Batterie herausnehmen zu müssen, um nicht überwacht werden zu können.

'Der Überwachungsstaat ist außer Kontrolle' 

eye home zur Startseite
plutoniumsulfat 10. Nov 2014

hier läuft das andersherum, oder? :D

TheAerouge 04. Nov 2014

Exclusivität schafft Nachfrage ;-) Und davon abgesehen... sicher das die Aufführung des...

riddick70 03. Nov 2014

Die Zeiten sind, waren und werden immer dunkel sein, aus vielerlei Gründen, die von...

plutoniumsulfat 03. Nov 2014

nimmste halt kein iPhone demnächst :D

AllAgainstAds 02. Nov 2014

Ich sehr das mal so was die da enthüllt haben, ist offensichtlich nur die Spitze...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Ratbacher GmbH, Hamburg
  2. ROTEXMEDICA GMBH, Trittau
  3. Nash Direct GmbH, Harvey Nash Group, Stuttgart
  4. ekom21 - KGRZ Hessen, Gießen


Anzeige
Top-Angebote
  1. 43,49€ (Bestpreis!)
  2. (u. a. Dark Souls 3 für 19,99€ oder Deluxe Edition für 35,99€)

Folgen Sie uns
       


  1. Rockstar Games

    "Normalerweise" keine Klagen gegen GTA-Modder

  2. Stromnetz

    Tennet warnt vor Trassen-Maut für bayerische Bauern

  3. Call of Duty

    Modern Warfare Remastered erscheint alleine lauffähig

  4. Gmail

    Google scannt Mails künftig nicht mehr für Werbung

  5. Die Woche im Video

    Ein Chef geht, die Quanten kommen und Nummer Fünf lebt

  6. Hasskommentare

    Koalition einigt sich auf Änderungen am Facebook-Gesetz

  7. Netzneutralität

    CCC lehnt StreamOn der Telekom ab

  8. Star Trek

    Sprachsteuerung IBM Watson in Bridge Crew verfügbar

  9. SteamVR

    Valve zeigt Knuckles-Controller

  10. Netflix und Amazon

    Legale Streaming-Nutzung in Deutschland nimmt zu



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sony Xperia XZ Premium im Test: Taschenspiegel mit übertrieben gutem Display
Sony Xperia XZ Premium im Test
Taschenspiegel mit übertrieben gutem Display
  1. Keine Entschädigung Gericht sieht mobiles Internet nicht als lebenswichtig an
  2. LTE Deutsche Telekom führt HD Voice Plus ein
  3. Datenrate Vodafone bietet im LTE-Netz 500 MBit/s

1Sheeld für Arduino angetestet: Sensor-Platine hat keine Sensoren und liefert doch Daten
1Sheeld für Arduino angetestet
Sensor-Platine hat keine Sensoren und liefert doch Daten
  1. Calliope Mini im Test Neuland lernt programmieren
  2. Arduino Cinque RISC-V-Prozessor und ESP32 auf einem Board vereint
  3. MKRFOX1200 Neues Arduino-Board erscheint mit kostenlosem Datentarif

Mesh- und Bridge-Systeme in der Praxis: Mehr Access Points, mehr Spaß
Mesh- und Bridge-Systeme in der Praxis
Mehr Access Points, mehr Spaß
  1. Eero 2.0 Neues Mesh-WLAN-System kann sich auch per Kabel vernetzen
  2. BVG Fast alle Berliner U-Bahnhöfe haben offenes WLAN
  3. Broadcom-Sicherheitslücke Vom WLAN-Chip das Smartphone übernehmen

  1. Re: Erik Range hat meiner Ansicht nach Recht

    Umaru | 20:39

  2. Re: Ich wünsche mir mehr Coopspiele die man...

    JörgLudwig | 20:29

  3. Re: Hauptsache die wichtigen Umrechnungen gehen noch!

    KlugKacka | 20:24

  4. Hat das überhaupt LAN und dedizierte Server?

    Umaru | 20:12

  5. Re: Absolute Zustimmung

    divStar | 20:04


  1. 13:30

  2. 12:14

  3. 11:43

  4. 10:51

  5. 09:01

  6. 17:40

  7. 16:22

  8. 15:30


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel