LaTex: Schreibst du noch oder setzt du schon?

LaTex lohnt sich nicht für jeden, für manche dafür umso mehr. Warum die Text-Programmiersprache nach 40 Jahren noch so treue Fans hat.

Eine Anleitung von Uwe Ziegenhagen veröffentlicht am
Tex/LaTex ist kein Schreibprogramm wie Microsoft Word oder Libreoffice
Tex/LaTex ist kein Schreibprogramm wie Microsoft Word oder Libreoffice (Bild: Pixabay)

Wenn man als Standbetreuer am Stand von Dante, der Deutschsprachigen Anwendervereinigung Tex e.V., auf einer der deutschen Open-Source-Messen die Standbesucherinnen und -besucher klassifizieren müsste, so würde man vermutlich auf die folgenden Klassen kommen:

Inhalt:
  1. LaTex: Schreibst du noch oder setzt du schon?
  2. Wann sollte man sich mit LaTex beschäftigen?

  • Typ 1: nutzt LaTex regelmäßig und intensiv
  • Typ 2: hat noch nie etwas von Tex und LaTex gehört
  • Typ 3: hat irgendwann vor Urzeiten mal im Studium was damit gemacht und wundert sich, dass es LaTex noch immer gibt.

Der folgende Artikel richtet sich vor allem an Golem-Leserinnen und -leser der zweiten und dritten Kategorie, für die wir einen kleinen Einblick geben möchten, was LaTex heutzutage ist und kann. Denn LaTex ist nicht für jeden sinnvoll, für einige dafür umso mehr.

Was sind Tex und LaTex?

Die Begriffe Tex und LaTex werden gern synonym genutzt, ein wenig historische Unterscheidung ist aber sinnvoll. Tex ist ein freies Textsatzsystem, das vom Stanford-Professor und Turing-Award-Preisträger Donald Ervin Knuth seit Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelt wurde.

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Basierend auf Tex schuf dann der Mathematiker und Informatiker Leslie Lamport - der übrigens seit mehr als 20 Jahren für Microsoft arbeitet und ebenfalls Preisträger des Turing-Awards ist - eine Sammlung von Makros, die er LaTex nannte. LaTex erleichterte die Arbeit mit dem in der Handhabung und Programmierung recht sperrigen Tex deutlich. Die darauffolgenden Weiterentwicklungen von LaTex bilden heute das Standard-LaTex LaTex2e; LaTex3 befindet sich in der Entwicklung.

Tex/LaTex ist kein Schreibprogramm wie Microsoft Word oder Libreoffice, sondern eher eine Programmiersprache für Text. Wer schon einmal den Quelltext einer HTML-Seite gesehen hat, wird die Ähnlichkeit zu LaTex vielleicht erkennen: Während man in HTML den Text zwischen HTML-Tags packt, um die Bedeutung des Textes festzulegen, so übergibt man den Text in LaTex an Befehle oder Umgebungen, die dann dem LaTex-Compiler mitteilen, wie der Text zu verarbeiten ist.

Während bei HTML dann üblicherweise ein Browser die Darstellung übernimmt, nutzt man in LaTex einen der mitgelieferten Compiler, die aus dem LaTex-Quellcode ein PDF erzeugen. So wie ein C/C++ Compiler ausführbaren Code erzeugt, so erzeugt ein LaTex-Compiler ein menschenlesbares PDF.

Standard unter diesen Compilern ist pdflatex, mit lualatex gibt es aber auch einen Compiler, der nicht nur die jeweiligen Opentype-Schriftarten des Systems nutzen kann, sondern auch die Lua-Programmiersprache eingebaut hat, was insbesondere bei der Entwicklung neuer LaTex-Pakete hilfreich sein kann.

LaTeX für Dummies

Was macht LaTex nun so besonders?

Es gibt einige Gründe dafür, dass Tex/LaTex selbst in der heutigen Zeit, über 40 Jahre nach Beginn der Entwicklung, noch eine treue Schar von Anhängern hat.

Einer der Gründe ist sicherlich die überragende Satzqualität. LaTex verteilt den Text wesentlich gleichmäßiger auf der Seite als jedes Textverarbeitungsprogramm, mikrotypografische Erweiterungen verstärken diese Gleichmäßigkeit sogar noch. Es ist schwer, wirklich hässliche Dokumente mit LaTex zu erzeugen, in einer herkömmlichen Textverarbeitung ist dies leider viel zu einfach.

Ein anderer Grund ist die Verfügbarkeit von Funktionen, die das Schreiben großer und komplexer Dokumente wie Abschlussarbeiten aller Art und Bücher unterstützen - egal, ob automatische Verzeichnisse für Inhalt, Abbildungen oder Tabellen, hochentwickelte Funktionen für den Satz von mathematischen Formeln oder korrektes Zitieren - LaTex kann es. Nur ein Teil der Funktionen steckt dabei im LaTex-Kern selbst, die Masse an Funktionalität wird über Pakete bereitgestellt, die von Entwicklern in aller Welt meist kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Der letzte Grund, den wir hier anführen möchten, ist sicherlich die nahezu unbegrenzte Länge der Dokumente. Es ist mit LaTex problemlos möglich, Dokumente mit mehr als 10.000 Seiten, die hunderte oder tausende Formeln und Literaturverweise enthalten, zu bearbeiten.

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Wann sollte man sich mit LaTex beschäftigen? 
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Cerdo 06. Feb 2022

Ich falle genau in die Kategorie, muss aber widersprechen. Ich schreibe beispielsweise...

Artim 30. Jan 2022

Nur dass LaTeX nicht auf Teufel komm raus darauf besessen ist, gehen dich zu arbeiten...

Artim 30. Jan 2022

Bringt einem nur nichts, wenn dummes Word der Meinung ist, sich nach einem Zeilenumbruch...

Artim 30. Jan 2022

"[...] der Kenner sieht sofort, was da verwendet wurde, weil es immer irgendwie genau...



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