Last Contact: Wie Waterworld, nur ohne Action
In den 1970er Jahren hat es sie häufig gegeben: Filme mit Sendungsbewusstsein, mit einer starken Botschaft. So beginnt Last Contact (Kinostart: 27. Juli 2023) auch – mit einer faszinierenden Prämisse und ein paar spannenden Momenten. Das Interesse der Zuschauer ist geweckt. Aber dann entgleist das Ganze.
Dabei ist die Ausgangslage wie gesagt interessant: In der Einleitung zu Beginn des im Jahr 2063 spielenden Films wird berichtet, dass die Menschen die Welt zugrunde gerichtet haben und der Meeresspiegel stieg, bis nur noch zwei kleine Kontinente übrig blieben, die sich nun einen bitterlichen Krieg um die letzten Ressourcen liefern.
Die Handlung spielt auf einer Station, die einer Ölbohrplattform nicht unähnlich ist. Nur, dass hier vier Soldaten alles am Laufen halten und darauf achten, dass der Feind nicht näher rückt. Tut er es doch, gibt es immer noch eine Nuklearwaffe, mit der man jeden Ansturm final abwehren (und sich gleich selbst mit umbringen) könnte.
Seit zwei Jahren und drei Monaten sind die Soldaten schon auf der Station. Eigentlich hätten sie nach zwei Jahren abgelöst werden sollen, doch es kam niemand. Es gibt auch keinen Kontakt zur Außenwelt mehr. Das führt zu Spannungen auf der Station, die verstärkt werden, als ein unbemanntes Schiff herantreibt, das man nutzen könnte, um von der Station wegzukommen.
Das klingt nicht besonders actionreich – und ist es auch nicht. Mit einer Laufzeit von knapp zwei Stunden ist der Film nicht nur zu lang, er ist auch langatmig. Über weite Strecken passiert nichts, außer dass gequatscht, diskutiert, gestritten wird.
Natürlich geht es in einem Science-Fiction-Film auch mal ohne Action. Dann wäre es aber von Vorteil, wenn die Handlung dramatischer wäre. Aber: Der Film plätschert einfach so dahin, um es freundlich auszudrücken – und verliert die Zuschauer nach gut einem Drittel.
Im letzten Viertel wird es dann noch schlimmer, denn das Ende riecht man meilenweit gegen den Wind, und was der Film bis dato an dramatischem Potenzial zumindest ansatzweise aufgebaut hatte, wird vollends über Bord geworfen – als hätte den Schluss jemand anderes geschrieben als den Rest des Films.
Die Optik überzeugt
Last Contact ist ultimativ enttäuschend, aber er hat seine Momente. Die Besetzung ist gut, mit Thomas Kretschmann(öffnet im neuen Fenster) und Kate Bosworth sind fähige Schauspieler am Werk.
Vor allem punktet der Film, der mit kleinem Budget im estnischen Tallinn gedreht wurde und in dem auch deutsche Fördergelder stecken, mit seiner Optik. Die Szenen auf dem Meer sind schön, die im Inneren der Station sorgen für ein klaustrophobisches Gefühl. Die Kameraarbeit ist solide und die Musik untermalt das Geschehen ordentlich.
Das Traurige ist: Irgendwie steckt in Last Contact ein guter Film. Wenn man die Geschichte deutlich gestrafft und ein paar Akzente anders gesetzt hätte, hätte dieser Sci-Fi-Streifen durchaus reizvoll sein können. So jedoch ist er ein Beispiel für Kino, das weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt und sich im Endeffekt darauf reduziert, oft gehörte Botschaften mit dem Holzhammer zu vermitteln.
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