Laserfusion muss große Sprünge machen
Dass die Entwicklung eines funktionierenden Fusionskraftwerks auf Basis von Laserfusion mehr als nur ambitioniert ist, gibt Roth unverhohlen zu. Die notwendigen technologischen Sprünge wirken für Außenstehende schlicht zu gigantisch. Nicht nur müssten die Targets, die winzigen Kügelchen mit den Fusionsbestandteilen, in weniger als im Sekundentakt perfekt in Position gebracht werden.
Mehr als 1.000 Laser werden benötigt, deren Bau derzeit undenkbar ist, was in der Zukunft den Aufbau eines ganzen Industriezweigs erfordern würde. Immerhin hat die deutsche Industrie mit Zeiss, Schott und Trumpf drei weltweit agierende Unternehmen zu bieten, die schon jetzt Präzisionsoptiken in alle Welt exportieren.
Auch muss die Laserfusion wie alle anderen Technologien zu Nutzung der Kernfusion noch die Probleme der starken Neutronenstrahlung und der Erzeugung des nicht natürlich vorkommenden Tritiums überwinden. Immerhin: Neutronenstrahlung soll für das Fusionskraftwerk von Focused Energy weniger problematisch sein, denn die kostspielige Lasertechnik wird mit deutlichem Sicherheitsabstand zur Fusionsreaktion betrieben. Später mehr dazu.
Der dickste Brocken zuerst
Aktuell stehen die Targets im Mittelpunkt. Beim Experiment an der NIF bestanden sie aus Gold, Gadolinium und Uran, zusätzlich zu einer Hülle aus künstlichem Diamant. Etwa 80.000 US-Dollar kostet eines davon, dessen Herstellung mehrere Wochen dauern kann.
20 Jahre Forschungszeit sind mittlerweile in die Erzeugung von Targets geflossen, die zukünftig in einer Flüssigkeit aus gut verfügbaren Materialien produziert werden sollen. Markus Roth beschreibt es als einen natürlichen Prozess, in dem die Targets nacheinander erzeugt werden, aufsteigen und in die richtige Position gebracht werden. Die angestrebte Frequenz liegt bei 10 Hertz.
Zehn Kügelchen pro Sekunde müssten somit permanent hergestellt werden, zur Hälfte befüllt mit einem radioaktiven Wasserstoffisotop, das gleichzeitig durch die Neutronenstrahlung der bereits stattfindenden Kernfusion erzeugt werden muss. Ambitioniert ist wirklich keine Übertreibung, aber bis Ende 2026 soll zumindest ein Teil der Targetproduktion tatsächlich schon funktionieren.
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