Larry Tesler: Pionier grafischer Benutzeroberflächen ist tot

Erst bei Xerox, dann bei Apple, Amazon und Yahoo: Sein ganzes Leben lang hat Larry Tesler versucht, die Welt der Computertechnik mit grafischen Bedienelementen und objektorientierten Programmiersprachen voranzubringen. Im Alter von 74 Jahren ist der Informatiker gestorben.

Ein Nachruf von veröffentlicht am
Larry Tesler war unter anderem bei Yahoo beschäftigt.
Larry Tesler war unter anderem bei Yahoo beschäftigt. (Bild: Wikipedia/CC-BY-SA 2.0)

Der Informatiker Lawrence "Larry" Gordon Tesler ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Er galt als einer der Erfinder des Konzepts von Copy-and-paste, welches heute bei allen großen Betriebssystemen Verwendung findet. Sein Leben hat er der Mensch-Computer-Interaktion verschrieben. In vielen Unternehmen hat er grafische Benutzeroberflächen mitentwickelt - in einer Zeit, in der diese noch als Luxus und Seltenheit galten. Auch das Prinzip der Objektorientierung ist durch ihn bekannter geworden.

Die Idee für Operationen wie Ausschneiden, Kopieren und Einfügen stammt aus dem Bedürfnis heraus, Terminals benutzerfreundlicher zu machen. Statt in verschiedene Modi wie den Kommandomodus und den Textmodus zu wechseln, sollte dies mit einer Maus mit Zeigen und Klicken ermöglicht werden. Das Umschalten von Modi wollte Tesler generell loswerden, als er sich dem Unternehmen Xerox PARC anschloss.

Vom Texteditor zur Objektorientierung

Zuvor arbeitete er an der Stanford University im Bereich der künstlichen Intelligenz. Von dem wandte er sich allerdings ab - in dem Wissen, dass diese Technologie mit der damaligen Technik noch nicht praktikabel war. Im Jahr 1973 stieg er bei Xerox ein und wechselte zwischen verschiedenen Abteilungen im Unternehmen hin und her. Für die Office System Group entwickelte er den Texteditor Gypsy, der als erstes Textverarbeitungsprogramm mit grafischer Benutzeroberfläche und Mausunterstützung gilt. Er arbeitete außerdem an Smalltalk. Dies war eine der ersten dynamischen objektorientierten Programmiersprachen.

Im Jahr 1980 konnte der noch junge Techkonzern Apple Larry Tesler für sich gewinnen. Für ihn war dies im Vergleich zu Xerox klar das zukunftsorientierte Unternehmen. In Steve Jobs' Team arbeitete er unter anderem am Apple Lisa, einem der ersten PC-Systeme mit GUI-Betriebssystem. Für die Programmiersprache Pascal entwickelte er objektorientierte Komponenten, damit andere Software-Developer GUI-Elemente einfacher erstellen und verändern konnten.

Zehn Jahre später wurde Tesler zum Leiter der Newton-Gruppe bei Apple ernannt. Der Tablet-PC gilt als erstes portables Gerät mit Stift-Digitizer und als Vorgänger von PDAs und Tablets, wie wir sie heute kennen. Das Gerät war allerdings wenig erfolgreich und Tesler wandte sich im Unternehmen anderen Projekten zu.

1997 verließ er Apple jedoch. Viele seiner Ideen waren für den Konzern zu riskant gewesen. Für einige hat er in seinem eigenen kleinen Softwareunternehmen die Entwicklungsumgebung Stagecast Creator entwickelt, die auf den Bildungsmarkt ausgerichtet war. Allerdings konnte Tesler dafür nicht genug Kunden gewinnen, so dass er im Jahr 2000 seine Firma verlassen hat. Seine Mitarbeiter musste er entlassen.

Zurück ins Silicon Valley

Ein Jahr später wechselte Tesler zum Online-Buchhändler Amazon in Seattle. Dort verantwortete er die Weiterentwicklung der Webseite und die Entwicklung neuer Komponenten wie der Online-Buchvorschau. 2005 verließ er das Unternehmen aber wieder, um zurück nach Kalifornien und zu seiner Familie zu kommen. Er trat dem Suchmaschinenanbieter Yahoo als Leiter der User Experience bei. Drei Jahre später verließ er auch diesen Konzern, arbeitete ein Jahr lang für das Unternehmen 23andme und machte sich ab 2009 als selbstständiger IT-Berater einen Namen. Noch heute existiert seine Webseite, auf der er sich und seine Kompetenzen vorstellt.

Bis zu seinem Tod am 16. Februar 2020 war Tesler ein Verfechter einfacher Bedienung und ein Feind von Software, die verschiedene Modi verwendet. Das ging so weit, dass er sich zum Spaß ein Nummernschild mit der Aufschrift "No Modes" für sein Fahrzeug anfertigen ließ. Seine Karriere zeigt: Ohne ihn sähen grafische Benutzeroberflächen, objektorientierte Programmiersprachen und simple Copy-and-paste-Befehle heute womöglich ganz anders aus. Vielleicht würden sie nicht einmal existieren.

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