Lantiq: G.fast, DOCSIS 3.1 und das Ende der Drosselung
Der Chipentwickler Lantiq(öffnet im neuen Fenster), der seit kurzem zu Intel gehört, erwartet in einigen Jahren ein Ende der Drosselung durch Netzbetreiber, weil die Datenübertragungsraten durch neue Technologien massiv ansteigen. Rainer Spielberg, Leiter Business Line und Residential Gateway Solutions bei Lantiq, sagte Golem.de: "Es ist die Frage, ob Drosselung dann noch machbar ist." Auch Hans-Peter Trost, Marketing Manager G.fast, meinte zu dem Thema: "Mit den neuen Technologien ist das gegessen."
G.fast gilt als Nachfolgestandard von VDSL2 und verspricht Datenraten von 1 GBit/s und mehr und arbeitet im Frequenzbereich von 2,2 bis 106/212 MHz. In der zweiten Generation von G.fast wird der Bereich noch einmal auf 212 MHz erweitert, um Datenraten von bis zu 2 GBit/s zu erreichen.
Spielberg sagte: "G.fast wurde wegen des Drucks durch Glasfaser und TV-Kabel auf Wunsch der Festnetzbetreiber entwickelt." Lantiq sieht sich selbst als führend bei der Standardisierung an und will rund 80 Prozent zu dem Übertragungsverfahren beigetragen haben. Hauptkonkurrent von Lantiq ist Broadcom.
Kupfer-Festnetz trifft auf TV-Kabel
Lantiq ging 2009 aus dem Verkauf der Sparte Wireline Communications Infineons hervor. Durch die Übernahme durch Intel kommen die Festnetzexperten von Lantiq mit den Intel-Experten für Kabelmodemchips zusammen. Lantiq hatte keine Fabriken, Intels Kabelmodems kommen aus eigener Fertigung. Laut Trost ist auch DOCSIS 3.1 "nicht mehr weit entfernt". In einem auf Koax und Glasfaser basierenden Kabelnetz soll sich mit DOCSIS 3.1 eine Datenübertragungsrate von über 1 GBit/s erreichen lassen. Technicolor führte kürzlich einen Interoperabilitätstest mit seinem ersten Modem für den neuen Kabelnetzstandard durch. Das Modem MediaAccess TC4400 soll 2 GBit/s im Download erreicht haben.
G.fast werde im Telekommunikationsnetz ab dem Jahr 2016 zum Einsatz kommen, sagte Trost. Ab dem Jahr 2020 sei mit der zweiten Generation von G.fast zu rechnen. G.fast kann seine hohen Datenraten nicht für beliebige Reichweiten bieten, die Begrenzung für 1 GBit/s liegt bei 50 bis 100 Metern. Dafür konnten bei ersten Tests über 300 bis 500 Meter mit dem Übertragungsstandard 300 bis 500 MBit/s erreicht werden.
Netztopologie und G.fast
Um seine volle Wirkung zu entfalten, benötigt G.fast Distribution Points (FTTdp – Fibre To The Distribution Point), die letzten Netzwerkknoten vor dem Wohneigentum. Sie müssten für G.fast eigens errichtet werden. In der Schweiz sind Distribution Points gut ausgebaut, im Festnetz der Telekom sind stattdessen meist nur Muffen zu finden. Doch die Telekom könnte Distribution Points relativ einfach nachrüsten, meint Lantiq. Zudem ist der Einsatz von G.fast auch aus dem Street Cabinet heraus sinnvoll, da es mit VDSL und Vectoring koexistieren kann.
Laut Spielberg wachsen die verschiedenen Netze zusammen, wie bei Vodafone und Kabel Deutschland, weshalb für Kabel, Kupfer, Glasfaser und Mobilfunk ein universelles Gateway entwickelt werde. Lantiq hat auch die Chips für den Hybrid-Router der Telekom entwickelt, der Mobilfunk und Festnetz bündelt.
Eine sehr hohe Datenrate sei für viele Bereiche relevant, erklärten Spielberg und Trost. Besonders für Software Defined Networks (SDN), die als die nächste Generation von Netzwerken gelten, müssten große Datenmengen bewegt werden. Bei SDN liegt die Steuerung des Netzwerks in einem zentralen Controller, der Instruktionen an Router, Switches, virtuelle Switches und Access Points verteilt. Diese Netzwerkvirtualisierung soll große Vorteile bieten, denn Netzwerke sollen sich damit ähnlich betreiben lassen wie virtuelle Server, so dass Applikationen mobiler im Netzwerk wandern können und die Auslastung der Netzwerke erhöht wird.
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