Langer Marsch & Ceres: Fehlschlag zweier chinesischer Raketen an einem Tag

Chinas Raumfahrtsektor hat am 17. Januar 2026 einen doppelten Rückschlag erlitten. Binnen weniger Stunden scheiterten zwei Raktenstarts(öffnet im neuen Fenster) , wobei mehrere Satelliten verloren gingen, darunter ein geheimer Übungssatellit der Shijian-Serie.
Es handelt sich um den ersten vollständigen Fehlschlag bei der staatlichen Raketenfamilie Langer-Marsch (Changzheng, CZ) während der letzten 300 Orbitalmissionen. Zuletzt kam es im Mai 2024 zu einer Anomalie bei der Yuanzheng-1S-Oberstufe einer Langer-Marsch-2C-Rakete, doch in diesem Fall konnten die beiden Mondraumfahrzeuge DRO-A und B durch eine Reihe komplexer Orbitalmanöver in ihre vorgesehenen Mondumlaufbahnen gebracht werden.
Trotz ihrer grundsätzlichen Zuverlässigkeit gerieten die chinesischen Startanbieter in den letzten Jahren immer wieder in die Kritik, weil ihre ausrangierten Raketenstufen nach dem Start teilweise über oder in der Nähe von bewohnten Gebieten zurück zur Erde fielen.
Der Fehlschlag bei der Langen-Marsch-Rakete
Der Start der Trägerrakete Langer-Marsch-3B (CZ-3B) verlief zunächst planmäßig. Die Rakete hob um 00:55 Uhr Ortszeit vom Kosmodrom Xichang im Südwesten Chinas ab.
Die ersten beiden Raketenstufen funktionierten normal, doch laut dem chinesischen Unternehmen für Luft- und Raumfahrtwissenschaft und -technologie CASC(öffnet im neuen Fenster) (China Aerospace Science and Technology Corporation) kam es während des Flugabschnitts der dritten Stufe zu einer Anomalie, die zum Scheitern der Mission führte. Die Ursachen werden noch untersucht.
Damit ist es der erste vollständige Fehlschlag einer CZ-3B-Rakete seit dem Verlust des indonesischen Palapa-N1/Nusantara-2-Satelliten im April 2020(öffnet im neuen Fenster) . Auch damals kam es zu einem Problem in der dritten Raketenstufe.
Verzögerungen bei anstehenden Raketenstarts möglich
Die hypergolische(öffnet im neuen Fenster) Rakete CZ-3B wird hauptsächlich für Starts in die geostationäre Transferbahn verwendet, etwa für Kommunikations-, Meteorologie-, Fernerkundungs- und Technologiedemonstrationsmissionen.
Der Fehlschlag könnte anstehende Starts wie die der TJS-Experimentreihe und der Tianlian-Relais-Satelliten verzögern. Diese können zwar auch mit den Kerolox(öffnet im neuen Fenster) -Raketen des Typs Langer-Marsch-7A starten, doch die Hydrolox-Oberstufe der CZ-7A wurde von der CZ-3B übernommen.
Zwölf Stunden später: ein weiterer Fehlschlag
Der kommerzielle chinesische Startanbieter Galactic Energy startete weniger als zwölf Stunden nach dem Fehlschlag der CZ-3B eine eigene Orbitalmission. Dabei sollte die neue und größere Feststoffrakete des Unternehmens, die Ceres-2, ins All abheben.
Es handelt sich um eine Erweiterung der Ceres-1, die bis zu 400 kg Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn (LEO: Low Earth Orbit) befördern kann. Die Ceres-2 soll dagegen 1.600 kg in eine Höhe von 500 km bringen – theoretisch. Doch der Raketenstart am 17. Januar 2026 vom Kosmodrom Jiuquan war ebenfalls ein Fehlschlag(öffnet im neuen Fenster) .
"[Ceres-2] erlitt Fluganomalien, die zum Scheitern des ersten Testflugs führten" , teilte die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua mit. Die anfängliche Flugphase verlief den angaben zufolge gut, dann aber kam die Rakete vom Kurs ab. Dafür könnten verschiedene Bauteile der Rakete oder die Aktivierung der Flugabbruchsysteme verantwortlich sein. "Die genaue Ursache wird derzeit weiter analysiert und untersucht" , so Xinhua weiter.
An Bord sollen sich sechs Satelliten befunden haben, die nach bisherigen Informationen alle verloren gingen. Der Start erfolgte einen Tag, nachdem die kleinere Ceres-1 erfolgreich von der Küste der Provinz Shandong ins All aufbrach. Zuvor erlitt Ceres-1 im November 2025 einen Fehlschlag.
Galactic Energy bereitet sich außerdem auf den Erstflug seiner ersten Trägerrakete mit Flüssigtreibstoff vor, der Pallas-1. Diese soll eine Nutzlast von etwa 8.000 kg in den LEO bringen. Zudem reichte das Unternehmen die ersten Unterlagen für einen Börsengang ein , um mehr Kapital für die bevorstehende Mission zu generieren.



