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Lange vor Marvel und DC: Star Trek ist das erste Shared Universe

Marvel und DC sind heutzutage ganz weit vorn in Sachen Shared Universe. Aber sie waren mitnichten die Ersten mit dieser Idee.
/ Peter Osteried
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In Star Trek: The Next Generation verschlägt es Scotty von der alten Enterprise in die Zukunft. (Bild: Paramount+)
In Star Trek: The Next Generation verschlägt es Scotty von der alten Enterprise in die Zukunft. Bild: Paramount+

Seit Marvel Studios 2008 mit dem Film Iron Man ein ganzes Universum aufgebaut hat, sind Shared Universes aus der modernen Popkultur nicht wegzudenken. DC versuchte, es Marvel gleichzutun, mit King Kong und Godzilla gibt es ein Monsterverse und zahlreiche andere Filme waren bestrebt, eigene Universen zu begründen (was häufig nicht geklappt hat). Aber wo liegen eigentlich die Ursprünge dieses Ansatzes eines Shared Universe?

Eine andere Zeit

Früher war es nicht unbedingt Usus, aus einem erfolgreichen Format ein ganzes Franchise zu machen. Bei Fernsehserien gab es ab und an ein Spin-off, aber der Erfolg war häufig nicht gegeben – und das Prinzip des Shared Universe, also dass die Figuren eines Films oder einer Serie auch in anderen Produktionen dabei waren, war überhaupt nicht verbreitet.

Geht man ganz weit zurück, könnte man die Monsterfilme der Universal Studios(öffnet im neuen Fenster) aus den 1930er und 1940er Jahren als erstes Shared Universe ansehen. Zuerst kamen die Einzelfilme Dracula (1931), Frankenstein (1931), Der Unsichtbare (1933) und Der Wolfsmensch (1941).

Danach begann Universal nicht nur, Sequels zu einzelnen Filmen zu machen, sondern auch damit, mehrere Monster aufeinandertreffen zu lassen. Damit kam man dem, was heutzutage als Shared Universe gilt, schon recht nahe.

In einem Punkt allerdings nicht: Es gab keine Kontinuität. Jeder Film stand für sich. Es traten zwar gleiche Figuren auf, aber die Ereignisse der vorherigen Filme wurden völlig ignoriert.

Das hatte auch seinen Sinn: Schließlich konnte man damals nicht davon ausgehen, dass Kinogänger jeden Film sahen; entsprechend konnte man auch jeden Film so angehen, als habe es vorher keinen mit der jeweiligen Figur gegeben.

Vor Star Trek

Ein anderes Franchise war Der Planet der Affen mit fünf Filmen von 1968 bis 1973 und einer Fernsehserie im Jahr 1974 – auch ein Shared Universe, aber Filme und Serie konnten auch völlig für sich stehen.

Nun aber zu Star Trek: Das war anfangs freilich auch kein Universum. Im Grunde war es noch nicht mal eine besonders erfolgreiche Serie, da sie nach nur drei Staffeln eingestellt wurde. 1973 folgte eine Zeichentrickserie, dann kam die Filmreihe, die 1979 begann. Zum richtigen Shared Universe wurde Star Trek erst mit dem Debüt von Star Trek: The Next Generation im Jahr 1987.

Schon im Pilotfilm trat DeForest Kelley als uralter McCoy auf – quasi zur Staffelstabübergabe. Aber es kam noch mehr: In der Serie gab es Auftritte von Spock, Spocks Vater Sarek und von Scotty.

Im siebten Kinofilm agierten dann Kirk und Picard Seite an Seite und bei den weiteren Serien Star Trek: Deep Space Nine, Star Trek: Voyager und Star Trek: Enterprise gab es ebenfalls Auftritte von Figuren anderer Serien. Mehrere Serien wurden so zu einem großen Ganzen verbunden – und das auf eine Weise, die bis dahin praktisch einzigartig war. Denn auch die Kontinuität blieb gewahrt.

Mehr noch: Sie wird zelebriert – man denke nur an die Folge Immer die Last mit den Tribbles(öffnet im neuen Fenster) aus Star Trek: Deep Space Nine, in der Sisko und seine Leute in die Zeit der originalen Serie zurückreisen und inmitten einer Tribbles-Plage auf Kirk und Co. treffen.

Auch technisch ist gut gelöst, wie die neuen Schauspieler in die Folge eingefügt wurden.

Was gab es sonst noch?

Übrigens gab es auch in anderen Serien immer wieder Crossover. So konnte es vorkommen, dass die Figuren von Mord ist ihr Hobby bei Magnum(öffnet im neuen Fenster) auftauchten. Möglich war das im Grunde immer dann, wenn dieselben Produzenten am Werk waren und die Serien auf demselben Sender liefen.

Solche Gastauftritte erweiterten zwar das Umfeld einer Serie, aber es gab über diese eine oder zwei Folgen hinaus keine Querverweise. Es handelt sich hier also nicht um ein Shared Universe, sondern vielmehr um ein Gimmick, mit dem die Einschaltquoten gepusht werden sollten.

Seitdem hat sich die Serienlandschaft stark verändert: Spin-offs von erfolgreichen Serien wurden die Regel. Zu Buffy – Im Bann der Dämonen kam Angel, die zahlreichen NCIS- und CSI-Serien haben reichlich Querverweise auf die jeweils anderen Sendungen und Doctor Who hatte mit Torchwood und The Sarah Jane Adventures gleich zwei Serien, in denen Figuren der Mutterserie vorkamen.

Die Schaffung einer derartigen Entertainmentwelt ist heute eher Regel als Ausnahme, aber es kann damit auch schnell vorbei sein. Man denke nur an Stargate SG-1, zu dem Stargate: Atlantis und Stargate: Universe kamen – und dann war ( mehr oder weniger ) plötzlich Schluss.

Auch das unterscheidet Star Trek von anderen Shared Universes. Der Grundstein wurde 1966 gelegt, so dass diese Welt seit nun fast 60 Jahren immer mehr erweitert wird. Heutige Ableger beziehen sich noch immer auf die Ur-Serie.

Zudem ist Star Trek nicht nur das langlebigste, sondern auch eines der umtriebigsten Shared Universes, gibt es im Moment doch 13 verschiedene Film- und Fernsehserien, die alle das Universum ausbauen – und weitere sind in Sicht.

Letztlich hängt es natürlich von den Maßstäben ab, die man anlegt, aber geht man nach einer deutlichen Verzahnung und einer durchgehenden Kontinuität, die ehrt, was zuvor kam, dann ist Star Trek tatsächlich das erste echte Shared Universe.


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