Landwirtschaftssimulator 2017: Wenn die Modding-Community neue Features entwickelt

Und wieder einmal blicken viele Hardcore-Spieler ungläubig auf die Besteller-Liste auf Steam: der Landwirtschaftssimulator ist auf dem ersten Platz. Pflügen, Grubern, Düngen und Ernten – das begeistert einfach immer wieder viele PC-Bauern, auch in diesem Jahr. Dabei bietet das Spiel gar nicht mal so viel Neues, zumindest wenn der Vorgänger mit den vielen von der Community erstellten Modifikationen gespielt wurde.
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Das Grundprinzip bleibt wie bei den Vorgängern: Der Spieler startet auf einer der zwei Karten mit einem kleinen Fuhrpark an Maschinen und ein paar kleinen Feldern und arbeitet sich langsam hoch. So können nach einiger Zeit etwa Schweine, Schafe oder Kühe gekauft werden, die mit genügend Nahrung versorgt für ein stetiges Einkommen sorgen. Oder es wird mit der Kettensäge in der Hand der nahe gelegene Wald gerodet – die mit dem Vorgänger eingeführte Forstwirtschaft ist weiterhin im Spiel.
Viel verändert hat sich am grundlegenden Prinzip also nichts. Es gibt jetzt mit Soja und Sonnenblumen noch zwei weitere Fruchtarten, und auch die ein oder andere neue Maschine hat es in das Spiel geschafft. Doch bei den großen neuen Funktionen wird klar: Die Schweizer Entwickler von Giants haben sich einiges bei den beliebten Modifikationen aus der Community abgeschaut.
Von den Mods haben sich die Entwickler etwa bei den neuen Missionen inspirieren lassen. An vielen Feldern, die einem nicht gehören, vergeben andere Bauern Aufträge, die man für ein wenig Geld erledigt. Beim Vorgänger hatte die Community eine solche Funktion in das Spiel implementiert.
Der Einstieg wird leichter
Und dass die Entwickler das Feature übernommen haben, ist gut. Besonders für Landwirtschaftsneulinge ist das eine gelungene Möglichkeit, das Spiel und die zahlreichen Maschinen und Vorgänge näher kennenzulernen. Denn abseits der eher wenig spannend gelösten Tutorials bietet das Spiel weiterhin wenig Hilfen für Einsteiger.
Und noch an anderen Stellen hat sich Giants inspirieren lassen: Wer Nutzvieh kaufen will, muss dieses mit einem Viehtransporter bei einem Händler abholen und zum Stall bringen. Getreide, Rüben, Stroh oder Mist können überall auf der Karte abgeladen werden – beide Funktionen wurden bereits als Mods von der Community umgesetzt.
Auch Entwickler spielen mit Mods
Die Entwickler geben offen zu, dass sie sich immer wieder von den zahlreichen Modifikationen inspirieren lassen: "Der Landwirtschafts Simulator lebt einfach von der Mod-Community" , sagte ein Entwickler Golem.de auf der diesjährigen Gamescom. "Auch wir Spielen intern gerne mit vielen Modifikationen und wissen manchmal selbst gar nicht genau, ob das Feature, das wir nicht mehr missen wollen, eigentlich von uns ins Spiel implementiert wurde oder von der Community."
Generell herrscht bei dem Entwicklerstudio die Philosphie: "Wir bauen eine Art großen Sandkasten für PC-Landwirte, und die Community macht mit ihren Mods ein fantastisches Spiel daraus." Deswegen konzentriere man sich eher darauf, eine solide technische Basis zu schaffen, als große neue Features zu entwickeln oder eine Vielzahl weiterer Maschinen zu modellieren.
Neues Lichtsystem und modifizierte Multiplayer-Synchronisation
Mit dem neuen Lichtsystem hat Giants endlich eine große Baustelle der Vorgänger gelöst. Denn bisher haben die Lichtkegel viel Leistung benötigt, weswegen nur wenig Lichter gleichzeitig aktiv sein konnten. Im neuen Spiel wurde die Beleuchtung deswegen komplett überarbeitet. Sie ist jetzt gedämpfter, sieht aber auch besser aus. Vor allem wird deutlich weniger Leistung benötigt, sodass endlich auch Häuser und Straßen neben den zahlreichen Maschinen gleichzeitig beleuchtet sein können.
Ansonsten hat sich grafisch eher weniger getan. Die Texturen an den Maschinen sind noch einmal detaillierter, die Texturen auf der Karte sind weiterhin sehr matschig. Auch das Flackern der Kanten an Ernte und Bäumen bekommt Giants nicht in den Griff.
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Statt auf die Grafik habe man sich eher auf den Multiplayer konzentriert. Dieser ist besonders unter den Hardcore-Spielern sehr beliebt. Bisher gab es immer wieder Probleme mit der Synchronisation zwischen den Clients, denn das Spiel synchronisierte immer die komplette Karte.
Da neben der Position der Maschinen, auch die Wachstumsstände der Felder, die gestapelten Strohballen, die Füllstände der Silos, der Position der gefällten Bäume und viele andere Dinge synchronisiert werden müssen, kam es immer wieder zu langen Ladezeiten und Problemen – besonders auf von der Community erstellten Karten, die deutlich größer sind als die Standard-Map. Deswegen entwickelte Giants eine partielle Synchronisation der Daten. Je nach Map-Standort werden beim neuen Teil nur bestimmte Dinge in der Umgebung synchronisiert.
3D-Boden bleibt erstmal ein Traum
Generell sei es durch den Multiplayer schwierig, große neue Funktionen einzuführen. So wären die zu synchronisierenden Datenmengen bei einem von der Community seit Jahren gewünschten 3D-Boden viel zu groß für den Multiplayer. Das 20-köpfige Team könne das einfach nicht leisten, zumal es noch viele andere Dinge gibt, die zu optimieren sind.
Etwa an der Grafik soll in den kommenden Jahren viel gearbeitet werden. In 5 Jahren wolle man die Grafik aus dem CGI-Trailer auch im Spiel haben, ließ Giants-Chef Christian Ammann auf der Farm-Con in diesem Jahr verlauten. Doch ist das noch Zukunftsmusik, in diesem Jahr galt es, die Mod-Implementation zu verbessern, mit dem Modhub(öffnet im neuen Fenster) .
Zentrale Stelle für Modifikationen
Giants hat eine zentrale Mod-Plattform geschaffen, die auch im Spiel integriert ist. Hier können Modder prominent ihre neuen Machinen oder Karten zum Download anbieten. Besonders daran ist: Der Modhub ist auch auf den Konsolen verfügbar. Damit können Konsolenspieler erstmals auf die zahlreichen, liebevoll gestalteten Modifikationen zurückgreifen.
Einen Haken hat das Ganze aber: Die Mods dürfen keine selbst entwickelten Scripte nutzen, sondern müssen auf die von Giants in das Spiel implementierten zurückgreifen. Deswegen stellt Giants erstmals eine Dokumentation(öffnet im neuen Fenster) für die im Spiel verfügbaren Scripte zur Verfügung. Doch die Hardcore-Modder werden ungerne auf die Möglichkeit, neue Funktionen selbst hinzufügen und scripten zu können, verzichten wollen. Plattformen wie Modhoster werden deswegen weiterhin eine wichtige Anlaufstelle für Spieler des Landwirtschaftssimulators werden.
Letztendlich wird das Spiel – wie auch die Entwickler selbst sagen – durch die Mods richtig gut. Und auch wenn das Spiel jetzt schon Spaß macht, freuen sich viele Spieler schon auf die kommenden Monate, wenn Karten, die von realen Gebieten inspiriert sind, erscheinen, oder die engagierten Modder sich zahlreiche neue Features und Erweiterungen einfallen lassen.



