Landtagswahlen in Bayern und Hessen: Tracker im Wahl-O-Mat der bpb-Medienpartner

Der Wahl-O-Mat zu den Landtagswahlen in Bayern und Hessen wird auch von mehreren Medienpartnern angeboten. Diese verwenden allerdings zahlreiche Tracker. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sieht sich nicht in der Verantwortung.

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Wahl-O-Mat: Du hast die Wahl, andere deine Daten.
Wahl-O-Mat: Du hast die Wahl, andere deine Daten. (Bild: bpb)

38 Fragen stellt der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zur Landtagswahl in Bayern und Hessen. Die Antworten vergleicht er mit den Positionen von bis zu acht Parteien. Die Fragen, Antworten und Ergebnisse werden bei mehreren Medienpartnern allerdings unverschlüsselt übertragen oder von Trackingdiensten beobachtet. Aufgefallen ist dies einem Mitarbeiter der Universität Bonn. Auf dessen Hinweis reagierte die Bundeszentrale allerdings abwiegelnd und erklärte, dass die Medienpartner für die Ausgestaltung zuständig seien.

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Unter Wahl-O-Mat.de können Interessierte und Unentschlossene durch die Beantwortung von mehreren Fragen ihre Übereinstimmung mit ausgewählten Parteien berechnen lassen. Das Projekt stammt von der Bundeszentrale für politische Bildung und wird auf deren Servern betrieben. Die Verbindung wird verschlüsselt, Tracker kommen nicht zum Einsatz. Allerdings betreibt nicht nur die Bundeszentrale Instanzen des Wahl-O-Mat, sondern lizenziert diese auch an unterschiedliche Medienpartner, die ihre Version des Wahl-O-Mat auf ihren Servern betreiben und in ihre Webseiten einbinden können. Insgesamt 21 Medienpartner nennt die Webseite des Wahl-O-Mat für die Landtagswahlen in Hessen und Bayern.

Einer der Medienpartner ist T-Online. Auf seiner Portalseite t-online.de bietet das Unternehmen den redaktionell integrierten Wahl-O-Mat an. 12 Tracker sind hier im Einsatz. Der Tracking-Dienst Heatmap analysiert beispielsweise das Klickverhalten. Jeder Klick im Wahl-O-Mat auf stimme zu, neutral oder stimme nicht zu wird gemeinsam mit dem Land, in dem man sich befindet, sowie den besuchten Webseiten erfasst.

T-Online analysiert seine Webseite zudem mit Google Analytics. Der Dienst erfasst detailliert, wie Nutzer mit Webseiten interagieren, welche Bereiche sie sich genauer ansehen und worauf sie klicken. Die Daten bekommt Ströer in unterschiedlichen Diagrammen und Statistiken aufbereitet, die Rohdaten erhält jedoch Google. In der Datenschutzerklärung heißt es dazu: "Aus den verarbeiteten Daten können pseudonyme Nutzungsprofile erstellt werden." Dazu kommen etliche Werbedienste, die Daten zur "Auslieferung von nutzungsbasierter Onlinewerbung" auf der Portalseite von T-Online und auf vielen anderen Webseiten sammeln.

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Auch die Zeitungen und Magazine Zeit Online, Focus, Wirtschaftswoche, Welt und Süddeutsche Zeitung integrieren den Wahl-O-Mat in ihren Webauftritt. Hier finden sich ebenfalls etliche Trackingdienste, die den Nutzer bei der Entscheidungsfindung beobachten, welche Partei er bei der Landtagswahl wählen möchte.

Das Nachrichtenmagazin Spiegel bietet den Wahl-O-Mat auf einer eigenen Webseite unter eigener Subdomain an. Hier werden deutlich weniger Daten erfasst, als bei einem normalen Besuch der Webseite. Die Reichweite wird mit dem Dienst ioam.de der Firma INFOnline gemessen. Das wäre im Vergleich fast schon vorbildlich, würden die Daten nicht komplett unverschlüsselt übermittelt. Jede Frage, jede Antwort und natürlich das Ergebnis werden im Klartext über das Internet übertragen. Datenschutz sieht anders aus.

Bundeszentrale weist Verantwortung von sich

Die Bundeszentrale für politische Bildung sieht sich nicht in der Verantwortung und verweist in ihrer Antwort an einen Mitarbeiter der Universität Bonn auf die Bedingungen auf den Webseiten der Partner und deren Datenschutzerklärungen. Auf Nachfrage von Golem.de erklärte die Bundeszentrale, den Medienpartnern werde eine verschlüsselte Verbindung empfohlen; dass manche dieser Empfehlung nicht nachkämen, sei bedauerlich. Letztlich seien die Medienpartner für ihre Installationen des Wahl-O-Mat jedoch selbst verantwortlich. Die Bundeszentrale verpflichtet ihre Medienpartner zwar vertraglich, "Daten über das Nutzungsverhalten der Wahl-O-Mat-Nutzer auf ihren Seiten (z.B. Logfiles) weder auszuwerten, noch zu veröffentlichen oder solche Daten an Dritte für die genannten Zwecke weiterzureichen", kontrolliert dies jedoch offensichtlich nicht.

Laut Bundeszentrale müssten die Nutzer letztlich selbst entscheiden: "Nutzen sie den Wahl-O-Mat im Rahmen der Infrastruktur der bpb, dann bewegen sie sich innerhalb des hohen Datenschutzstandards der bpb und des Wahl-O-Mat. Nutzen sie den Wahl-O-Mat jedoch auf den Internetseiten der Medienpartner, dann befinden sie sich auch bei der Nutzung des Wahl-O-Mat in etwa auf dem Datenschutzstandard, der auch darüber hinaus für die Seiten der Medienpartner gilt." Ob den Nutzern allerdings bewusst ist, mit wem sie ihre Daten auf den entsprechenden Webseiten teilen, ist zu bezweifeln.

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_spyro_88_ 15. Okt 2018

Nur weil du einen technischen Zusammenhang nicht verstehst, muss meine Aussage nicht...

plutoniumsulfat 15. Okt 2018

Da steht das ja gar nicht. Im anderen Link wird es allerdings erwähnt. Laut sagen ist...

andy01q 15. Okt 2018

Ich seh das folgendermaßen: Wenn ich eine Übereinstimmung von 80%+ mit irgendeiner...

mtr (golem.de) 15. Okt 2018

Danke für den Hinweis. Haben wir geändert. LG Moritz



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