Landkreis Lüneburg: Anwohner mit Ponys protestieren gegen Telekom-Sendemast
Ein 40 Meter hoher Funkmast bringt Bewohner im Großraum Lüneburg auf. Nicht nur die Nähe zum Ponyhof ist ein Problem.
In Deutsch Evern im Großraum Lüneburg haben sich in der vergangenen Woche rund 100 Menschen zum Protest gegen einen Mobilfunkmast der Deutschen Telekom versammelt. Das berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Über 420 Personen haben eine Onlinepetition gegen den Bau des 40 Meter hohen Funkmasts unterschrieben, die am 25. Mai gestartet wurde.
Die Empörung entzündete sich daran, dass der geplante Bau des Masts den Anwohnern nicht zuvor mitgeteilt wurde. Tatsächlich kündigte die Telekom schon am 3. März 2023 den Ausbau im Landkreis Lüneburg öffentlich an. "Der Funkmast steht zu nah an Wohngebieten und außerdem befindet sich ein Ponyhof auf der gegenüberliegenden Straßenseite", sagte Stefan Mues (UWI), stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde, dem NDR. An dem Protest nahmen auch Ponyhof-Vertreter mit ihren Tieren teil.
Die Mobilfunk-Versorgung im Landkreis Lüneburg wurde in den vergangenen zwei Monaten um zwei Standorte mit LTE und einen mit 5G erweitert. "Die Standorte stehen in den Kommunen Deutsch Evern, Lüneburg und Radbruch. Die drei Standorte dienen zudem der Versorgung entlang der Bahnstrecke Celle – Hamburg." Die Telekom betreibt im Landkreis Lüneburg jetzt 70 Standorte. Bis zum Jahr 2024 sollen weitere 29 Standorte hinzukommen. Zusätzlich sind an 20 Standorten Erweiterungen mit LTE geplant.
"Nicht absehbare finanzielle und gesundheitliche Kosten"
Den Protest und die Petition startete ein in Deutsch Evern Ansässiger, zusammen mit anderen. In der Petition wurde behauptet, die "gesundheitlichen Risiken des neuen 5G" seien "bislang vollkommen unbekannt". Es drohten "heute nicht absehbare finanzielle und gesundheitliche Kosten für Jahrzehnte, wenn der Bau nicht gestoppt wird".
In Deutschland setzen die Mobilfunkbetreiber bei unter anderem 5G auf 700 MHz, Re-Farming von 2,1 GHz und 2,6 GHz und das C-Band bei 3,4 bis 3,7 Gigahertz. Dies sind alles Frequenzen, die seit Langem eingesetzt werden und deren gesundheitliche Auswirkungen weitgehend erforscht sind.
Das 700-MHz-Band wurde für die Übertragung des terrestrischen digitalen Fernsehens (DVB-T) sowie von drahtloser Veranstaltungstechnik genutzt. Im 2-GHz- und 3,6-GHz-Band sowie in benachbarten Frequenzbereichen operieren bereits WLAN – bei 2,6 GHz und 5 GHz – und LTE bei 1,8 GHz und 2,6 GHz; UMTS früher zwischen 1,9 und 2,1 GHz und GSM (2G) bei 1,8 GHz. In den bestehenden Frequenzen gibt es Grenzwerte, die jedoch niemand ausnutzt.
Laut anerkannten Messungen betragen die Werte für Funkstrahlung von Anlagen weniger als ein Zehntel bis ein Hundertstel Prozent der erlaubten Höchstwerte. Dies sind 0,01 Prozent bis 0,1 Prozent. Beim heutigen Mobilfunk ist man bei den Grenzwerten bei 2 bis 5 Watt pro Quadratmeter oder oberhalb von 2 GHz bei 10 Watt pro Quadratmeter.
Nachtrag vom 9. Juni 2023, 16:41 Uhr
Der Text der Petition wurde mittlerweile angepasst. Zu möglichen Gefahren durch 5G heißt es weiterhin: "Die gesundheitlichen Risiken von 5G-Funkmasten sind bislang unbekannt." Klargestellt wird: "Geht es in der Petition gegen 5G? Nein, auf gar keinen Fall! Wir alle nutzen digitale Medien täglich in unserem Privatleben und unserem Berufsalltag." Den Namen des Petitionserstellers haben wir auf seinen Wunsch aus dem Artikel entfernt. Er möchte nicht mit 5G-Gegnern in Verbindung gebracht werden.