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Landesweite Proteste: Iran plant permanente Abschaltung des Internets

Seit Tagen ist der Zugang iranischer Nutzer zum Internet gesperrt. Möglicherweise ist das der Auftakt zu einer dauerhaften Isolation.
/ Friedhelm Greis , dpa
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Der Internetzugang aus dem Iran wurde am 8. Januar 2026 abgeschaltet. (Bild: amuel Boivin/NurPhoto/Reuters)
Der Internetzugang aus dem Iran wurde am 8. Januar 2026 abgeschaltet. Bild: amuel Boivin/NurPhoto/Reuters

Nach den gewalttätig unterdrückten Protesten im Iran ist der dortige Zugang zum globalen Internet weiterhin gesperrt. Iranischen Netzaktivisten zufolge könnte die am 8. Januar 2026 verhängte Blockade sogar der Auftakt zu einer permanenten Zugangsbeschränkung sein.

"Wir sind in eine neue Ära eingetreten, in der Konnektivität kein Recht mehr ist, sondern ein von der Regierung gewährtes Privileg" , schreibt die Organisation Filterwatch(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf geheimes staatliches Projekt.

Dem Bericht zufolge wird in einem abgeschotteten Intranet der Zugang zur Außenwelt nur Personen gewährt, die über eine Sicherheitsfreigabe verfügen und auf einer strengen Whitelist stehen. Staatliche Medien und Regierungssprecher hätten bereits signalisiert, dass es sich um eine dauerhafte Änderung handele.

Dem Bericht zufolge versucht das Regime zudem mit technischen Mitteln, die Nutzung von Satellitenterminals wie Starlink zu verhindern. Demnach wurden die Sicherheitsfirmen Yaftar und Doran damit beauftragt, eine sogenannte Deep Packet Inspection (DPI) des Traffics vorzunehmen. Damit soll VPN-Datenverkehr, der über Starlink-Terminals geleitet wird, erkannt werden. Zuvor gab es bereits Berichte , wonach die Kommunikation über das Starlink-Netzwerk von Elon Musk über GPS-Spoofing oder militärische Störsender unterdrückt werden soll.

SMS wieder möglich

Seit dem 17. Januar 2026 können Iraner in dem Land mit rund 90 Millionen Einwohnern aber erstmals wieder SMS-Textnachrichten per Mobilfunk versenden, wie Bewohner aus der Hauptstadt Teheran berichteten. Aus dem Ausland versendete SMS kommen im Iran nicht an.

Bislang waren alle Messengerdienste gesperrt. Als Folge der neuen Regelung können Menschen auch wieder Onlinebanking nutzen. Dafür ist immer eine Zwei-Faktor-Autorisierung per SMS notwendig.

Seit dem vergangenen Wochenende können Nutzer auch auf das nationale Intranet zugreifen. Dieses erlaubt ausschließlich die Nutzung staatlich kontrollierte Webseiten. Dienste aus dem Ausland bleiben blockiert.

Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks meldet, dass im Iran der Zugang zum Internet seit dem 8. Januar fast vollständig unterbrochen sei. Die Messwerte zeigten einen sehr leichten Anstieg auf zwei Prozent des normalen Niveaus. Es gebe keine Anzeichen für eine signifikante Erholung.

Iranische Sicherheitsbehörden verhängten die Blockade am Abend des 8. Januar 2025. Auslöser waren Massenproteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Sicherheitskräfte gingen dabei gewaltsam vor. Iranische Menschenrechtsgruppen meldeten mehr als 3.400 Tote. Genaue Zahlen lassen sich wegen der Informationssperre kaum überprüfen.


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