Ladestationen: Regierung lehnt Zwangsverkabelung von Tiefgaragen ab

Die EU-Kommission will neue Gebäude zwangsweise mit Leitungen für Ladestationen ausstatten lassen. Die Bundesregierung und andere Mitgliedstaaten sind offenbar gegen diese Art der Förderung der Elektroautos.

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Ladestation in einer Tiefgarage
Ladestation in einer Tiefgarage (Bild: Keba)

Die Bundesregierung lehnt angeblich die von der EU-Kommission vorgeschlagene Zwangsverkabelung neuer Wohngebäude für Ladestationen von Elektroautos ab. Beim Energieministerrat am 26. Juni in Luxemburg habe sich der deutsche Vertreter, Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake, gegen die Pläne ausgesprochen, berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Stattdessen sollten Leerrohre verlegt werden.

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In dem Entwurf der EU-Kommission für eine Richtlinie zur Gebäudeeffizienz heißt es derzeit: "Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass in neuen Wohngebäuden und in Wohngebäuden, die umfangreichen Renovierungen unterzogen werden, die jeweils über mehr als zehn Parkplätze verfügen, Vorverkabelungen vorgenommen werden, die die Errichtung von Ladepunkten für Elektrofahrzeuge für jeden Parkplatz ermöglichen." Zudem sollte bei neuen oder umfangreich renovierten kommerziellen Gebäuden von 2025 an jeder zehnte Parkplatz "für die Nutzung im Rahmen der Elektromobilität ausgerüstet sein".

Regierung warnt vor hohen Kosten

Dies wurde "von Deutschland wie von einer großen Mehrheit der Mitgliedstaaten als zu weitgehend abgelehnt", heißt es laut Spiegel in einem Sachstandsbericht für den Rat. Stattdessen solle es beispielsweise bei Nicht-Wohngebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen nur eine Ladesäule geben. Bei Wohngebäuden sei überhaupt keine Vorverkabelung mehr vorgesehen, stattdessen sollten Leerrohre verlegt werden.

Deutschland habe argumentiert, dass die von der EU verpflichtend vorgeschlagene "Elektrotankstelle" zu "einer Kostenexplosion für dringend benötigten neuen Wohnraum geführt" hätte. Zudem hätten Experten im Wirtschafts- und Umweltministerium angeführt, dass Leerrohre sinnvoller seien als eine Vorverkabelung, weil "so das zu verlegende Kupfer bedarfsgerecht und ressourcenschonend verbaut werden kann".

Wie sinnvoll ist Vorverkabelung?

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Wer nachträglich eine Tiefgarage mit einer Ladeinfrastruktur ausstattet, muss derzeit viele Hürden überwinden. Es ist daher naheliegend, dies schon beim Neubau eines Gebäudes vorzusehen. Allerdings stellt sich in der Tat die Frage, wie sinnvoll eine Zwangsverkabelung aller Parkplätze in einer Tiefgarage oder auf einem Außengelände ist. Schließlich lässt sich beim Bau eines neuen Wohnhauses nicht abschätzen, ob später tatsächlich alle Eigentümer oder Mieter ein Elektrofahrzeug besitzen werden.

Zudem ist offen, ob die Nutzer beispielsweise über einen leistungsfähigen Drehstromanschluss oder lediglich einphasig ihr Fahrzeug laden möchten. Es wäre in der Tat eine Verschwendung von Ressourcen, alle Parkplätze von Anfang an mit einer Leitung für einen 22-Kilowatt-Drehstromlader zu versorgen. Eine "Kostenexplosion" bei neuem Wohnraum wäre jedoch kaum zu befürchten. Die Zusatzkosten würden pro Stellplatz vermutlich zwischen 1.000 und 2.000 Euro oder noch darunter liegen. Teurer dürfte vermutlich die eigentliche Wallbox sein, die noch hinzukommt.

Leerrohre sinnlos

Ebenso sinnlos ist es jedoch, die Tiefgarage zwangsweise mit Leerrohren auszustatten. Schließlich werden die Leitungen ohnehin auf Putz in Rohre verlegt, was in der Regel auch nachträglich kein Problem sein sollte. Für größere Versorgungsleitungen, wie zu einer Unterverteilung, wird hingegen eine Kabeltrasse angebracht. Sinnvoller könnte es sein, Wanddurchbrüche vorzuschreiben, um die Stromleitungen nachträglich einfacher vom Hausanschluss zu den Ladestationen zu verlegen. Hier spielt vor allem der Brandschutz eine Rolle.

Für Parkplätze im Außenbereich ist hingegen eine Vorinstallation der Infrastruktur angeraten, da die Leitungen nachträglich nur mit einem hohen Aufwand verlegt werden können. Auch in diesem Fall ist es schwer, die für jedes Gebäude passende Lösung gesetzlich vorzuschreiben. Wer beim Neubau zumindest ein leistungsfähiges Kabel für eine Unterverteilung verlegt und einen Verteilerkasten anbringt, dürfte als Bauherr sicher nichts falsch machen.

Entscheidend ist jedoch, dass das Gebäude über ausreichend Leistungsreserven verfügt, um die Fahrzeuge auf allen Parkplätzen gleichzeitig mit genügend Strom versorgen zu können. Hier warnen die Stromnetzbetreiber schon davor, dass ihnen das alles zu teuer werden könnte. Auf die neue Bundesregierung kommt daher nach der Wahl viel Arbeit zu, wenn sie die Elektromobilität in Deutschland wirklich voranbringen will.

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logged_in 21. Aug 2017

Vielen Dank.

logged_in 21. Aug 2017

Bin der Meinung, dass die Akkus standarisiert werden sollen. Akkus werden in der...

logged_in 21. Aug 2017

Manche glauben das reicht wenn es unten im Keller direkt angeschlossen wird.

matzems 21. Aug 2017

Richtig. Und Tesla hat in Deutschland bereits ein super Netz mit Super-Chargern an allen...



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