Ladesäulenbetreiber Allego: Einmal vollladen für 50 Euro

Nach und nach stellen die Ladesäulenbetreiber auf verbrauchsgenaue Abrechnungen bei Elektroautos um. Doch eichrechtskonform sind die Lösungen teilweise immer noch nicht. Dafür aber bei Anbietern wie Allego recht teuer.

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Das EBG-Anzeigemodul in einer Säule von Allego.
Das EBG-Anzeigemodul in einer Säule von Allego. (Bild: Heiko Raschke/Golem.de)

Der niederländische Ladesäulenbetreiber Allego stellt die Abrechnung seiner Ladestationen wieder auf verbrauchsgenaue Abrechnung um. Vom 1. Juli 2019 berechnet der Anbieter demnach für das Laden an Wechselstromsäulen einen Preis von 41 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Für das Laden an Gleichstromsäulen zwischen 50 und 350 Kilowatt kostet eine Kilowattstunde 59 Cent (jeweils brutto). Damit kann das vollständige Laden eines größeren Akkus mit 80 kWh wie beim Audi E-Tron bis zu 50 Euro kosten. Bei der Abrechnung über sogenannte Roaming-Anbieter können weitere Kosten hinzukommen.

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Mit einem Preis von 59 Cent pro Kilowattstunde rechnet Allego fast doppelt so teuer ab wie die deutschen Stromanbieter, bei denen die Kilowattstunde für Haushaltsstrom durchschnittlich 30,22 Cent kostet (PDF). Bei einem Stromverbrauch von 28,3 kWh pro 100 Kilometer, die der Anbieter Nextmove kürzlich bei einem Audi Etron auf der Autobahn bei 130 km/h gemessen hat, entsprächen die Kosten von 16,67 Euro pro 100 Kilometer dem aktuellen Preis für 13,6 Liter Diesel. Selbst bei einem Model 3 mit einem Verbrauch von 18,5 kWh wären noch knapp 11 Euro fällig. Allerdings verlangt Tesla an seinen Superchargern weniger Geld für das Laden. Die Preise sollen bei bis zu 44 Cent pro kWh liegen.

Die Autoindustrie sieht inzwischen in den hohen Strompreisen eine weitere Hürde für den Umstieg auf die Elektromobilität. "Der Hausstrom in München kostet 27 Cent für die Kilowattstunde. Wenn Sie an einer Ladesäule laden, kostet das den Kunden 55 Cent pro Kilowattstunde. Das sind Differenzen, die der Verbraucher so nicht akzeptiert", sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie, Bernhard Mattes, am Dienstag im Deutschlandfunk. Der Volkswagen-Konzern hatte im März 2019 kostenlosen Ladestrom für Geringverdiener gefordert.

Zwischenzeitlich hatte Allego wie andere Betreiber auf pauschale Abrechnungsmodelle umgestellt. Hintergrund waren die hohen Anforderungen des deutschen Eichrechts. Demzufolge müssen Elektroautofahrer im Falle einer Reklamation den tatsächlich geladenen Verbrauch nach Erhalt der Rechnung überprüfen können. Sie müssen daher nachträglich zur Ladesäule fahren und sich anhand des abgerechneten Ladevorgangs die gemessenen Verbrauchswerte anzeigen lassen können.

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Hier setzt Allego auf das Anzeige- und Speichermodul (SAM) der Firma EBG, das im vergangenen Jahr von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) die Baumusterprüfbescheinigung erhalten hatte. Die bereits aufgestellten Wechselstromsäulen von Allego, die bereits über einen eichrechtskonformen Zähler verfügen, sollen bis Ende 2019 mit einem solchen Anzeigemodul nachgerüstet werden.

Anders hingegen sieht es bei Gleichstromsäulen aus. Hier gibt es laut Allego derzeit weder ein entsprechendes Anzeigemodul noch einen Zähler, der direkt den abgegebenen Gleichstromverbrauch misst. Daher wird weiterhin der Wechselstromverbrauch vor dem Gleichrichter gemessen und mit einem entsprechenden Abschlag abgerechnet. Erste Pilotprojekte mit Gleichstromzählern sollen im dritten Quartal dieses Jahres starten, hieß es auf Anfrage von Golem.de. Mitte 2020 solle die Lösung dann zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus ist Allego Gründungsmitglied der Software Alliance for E-mobility (Safe). Diese will mit Hilfe einer Software verschlüsselte Daten von der Ladesäule bis zum Rechnungserhalt dem Endkunden transparent machen. Ein entsprechender Verein wurde im Mai 2019 gegründet. Die sogenannte Transparenzsoftware könnte die Umrüstung mit Anzeigemodulen überflüssig machen. Der Stromkonzern Innogy verfügt bereits seit 2014 über ein IT-basierte Abrechnung von Wechselstromsäulen, die eichrechtskonform ist.

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