Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Laden von E-Autos: Spitzentreffen zu möglichen Engpässen im Stromnetz

Ein Gesetz sollte den Netzanbietern erlauben, Ladestationen für E-Autos abzuschalten. Nach Kritik folgte eine Treffen mit Fachleuten.
/ Moritz Tremmel , dpa
32 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Ein Ladeplatz für Elektroautos. (Bild: A. Krebs/Pixabay)
Ein Ladeplatz für Elektroautos. Bild: A. Krebs/Pixabay

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat am Freitag mit Wirtschaftsvertretern über mögliche Engpässe im Stromnetz beim Hochlauf der Elektromobilität beraten. Ein von Altmaier zurückgezogener Gesetzentwurf seines Hauses sah unter dem Begriff Spitzenglättung vorübergehende Leistungsverringerungen für den Fall vor, dass ansonsten eine Überlastung des Stromnetzes droht. Die Autoindustrie hatte dies vehement kritisiert.

Altmaier sprach laut einer Mitteilung seines Ministeriums von einem sachlichen und umfassenden Austausch. Dieser müsse weiter vertieft und fortgesetzt werden. In den kommenden Jahren werde die Zahl der Elektroautos und Wärmepumpen weiter steigen. Millionen von neuen Erzeugern und Verbrauchern müssten in das Energiesystem integriert werden. Dabei müsse die Stabilität der Netze gewährleistet sein.

Die Chefin des Energieverbandes BDEW, Kerstin Andreae, erklärte, aus Sicht der Netzbetreiber müssten folgende Dinge sichergestellt werden: Private Ladestationen müssten schnell an das Netz angeschlossen werden können und E-Auto-Fahrer müssten weiterhin sicher sein können, dass ihre Batterie immer genügend Strom laden könne. Die Netzbetreiber wollten die Netze bedarfsgerecht ausbauen. Dafür bräuchten sie das Instrument der Spitzenglättung. Das sei auch im Sinne der Stromkunden.

Verbrauchernaher Kompromiss gefordert

Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, Hildegard Müller, erklärte, bei dem Treffen sei es gelungen, das Fenster für einen vernünftigen und verbrauchernahen Kompromiss zu öffnen. Er könne besser als der bisherige Entwurf sicherstellen, dass die Elektromobilität eine Erfolgsgeschichte werde. Der Netzausbau sei die Grundvoraussetzung, um die Mobilität der Zukunft zu ermöglichen. "Deshalb muss der Netzausbau jetzt energisch vorangebracht werden. Abschaltungen darf es nur im absoluten Notfall geben" , sagte Müller.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen, Ingbert Liebing, verwies darauf, dass es ohne die Option, Lastspitzen bei einer zeitweiligen Überbeanspruchung des Netzes zu glätten, in ein paar Jahren in einigen Netzgebieten zu erheblichen Verzögerungen beim Anschluss neuer Ladestationen kommen könnte. Er betonte: "Wir brauchen jetzt die richtigen Instrumente für die Integration neuer, flexibler Verbrauchergruppen und für einen planbaren, verlässlichen und sicheren Netzbetrieb."

Massive Probleme im europäischen Stromnetz gab es erst im Januar

Stromnetze sind durchaus eine fragile Angelegenheit. So gab es erst im Januar dieses Jahres massive Probleme im europäischen Hochspannungsstromnetz: Dort kam es zu einer Frequenzabweichung, in deren Folge die Region Südosteuropa vom europäischen Verbundnetz getrennt wurde .

"Frequenzabweichungen kommen immer vor, weil nie genau so viel Strom erzeugt wird, wie aktuell verbraucht wird" , sagte der Energieversorgungsexperte Felix Stöckmann zu Golem.de. Diese könnten meist schnell ausgeglichen werden. Gelinge dies jedoch nicht oder werde die Abweichung in angeschlossenen Netzen zu groß, müssten diese abgetrennt werden. "Eine Abschaltung von Ladeboxen ist dann quasi eine Netztrennung im Kleinen, um einer größeren vorzubeugen," erklärte Stöckmann. Das passiere aber nur im Notfall, um beispielsweise einen Stromausfall zu verhindern. Dann müsse das Stromnetz eine höhere Priorität haben als das Laden eines Elektroautos.


Relevante Themen