Laden oder Drossel: Autoindustrie will Plug-in-Fahrer zum Laden zwingen

Die deutsche Autoindustrie will Fahrer von Plug-in-Hybridfahrzeugen künftig zum regelmäßigen Aufladen verpflichten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) schlägt vor, dass die Fahrzeuge nach einer festgelegten Strecke zwingend aufgeladen werden müssen – andernfalls droht eine automatische Drosselung der Motorleistung, wie die FAZ berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Hintergrund ist eine massive Diskrepanz zwischen offiziellen Messwerten und der Realität . Eine Untersuchung von Transport and Environment an 127.000 Plug-in-Hybriden zeigt: Der tatsächliche CO 2 -Ausstoß liegt im Durchschnitt fast fünfmal höher als die nach WLTP-Tests ermittelten Werte. Die Daten stammen von Kraftstoffmessgeräten, die europaweit in Neuwagen verbaut werden.
Boomende Verkaufszahlen trotz schlechter Ökobilanz
Plug-in-Hybride erleben in Deutschland einen Boom: In den ersten neun Monaten stiegen die Neuzulassungen um 64 Prozent auf 218.000 Fahrzeuge – mehr als jede andere Antriebsart. Das Angebot hat sich binnen zwei Jahren auf über 200 Modelle nahezu verdoppelt. Meistverkauftes Modell im September: der chinesische BYD Seal UDMI(öffnet im neuen Fenster) .
VDA-Präsidentin Hildegard Müller räumt ein, dass Fahrer stärker zum elektrischen Fahren bewegt werden müssen. Ihr Vorschlag: Künftige Plug-in-Hybride könnten so konstruiert werden, dass sie nach einer bestimmten Fahrstrecke mindestens einmal aufgeladen werden müssen. Wer Warnhinweise ignoriert, riskiert eine reduzierte Systemleistung. Dabei handelt es sich aber nur um eine Idee, die rechtlichen und technischen Maßnahmen müssten erst durchgesetzt werden.
Milliardenstrafen drohen bei Nichteinhaltung
Der Druck kommt aus Brüssel: Die EU verschärft ab 2026 und 2027 die Berechnungsmethoden für Flottengrenzwerte. Würden Plug-in-Hybride mit realistischeren Emissionswerten erfasst, wird die Einhaltung der vorgeschriebenen CO 2 -Grenzwerte für Hersteller deutlich schwieriger. Bei Verstößen drohen Geldbußen in Milliardenhöhe.
Parallel kämpft die Autolobby gegen das geplante Verbrenner-Aus ab 2035. Hersteller wollen auch danach Plug-in-Hybride und Range-Extender verkaufen dürfen. Bundeskanzler Friedrich Merz versprach, ein "hartes Verbrennerverbot" zu verhindern.
Die europäischen Regierungschefs beauftragten die EU-Kommission diese Woche, die bisherigen Pläne zu überarbeiten(öffnet im neuen Fenster) . Ein striktes Verbrenner-Aus zum geplanten Zeitpunkt erscheint zunehmend unwahrscheinlich.