Ladeinfrastruktur für E-Auto: Das BSI befürchtet den ganz großen Hack
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Was passiert, wenn künftig ein großer Teil der Pkw-Flotte künftig elektrisch fährt und ein Hackerangriff die Ladeinfrastruktur lahmlegt? Zwar mag ein solches Szenario noch unrealistisch wirken, doch für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist es "wahrscheinlich, dass sich Angreifer bereits darauf vorbereiten, die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, autonome Fahrzeuge und Ähnliches anzugreifen". Das sagte der zuständige Referatsleiter Arndt von Twickel auf der Intercharge Network Conference (ICNC) am 2. September 2026 in Berlin.
"Im schlimmsten Fall haben Angreifer bereits etwas in der Hinterhand, vorbereitete Szenarien, geschriebenen Code, mit denen sie erfolgreiche Angriffe durchführen können", erläuterte Twickel und fügte hinzu: "Aber das wissen wir noch nicht, denn bisher ist die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge noch nicht wichtig genug."
Schon jetzt sind nach Angaben der Bundesnetzagentur(öffnet im neuen Fenster) deutschlandweit 156.399 Normalladepunkte und 55.665 Schnellladepunkte installiert. Die installierte Leistung beträgt 9,2 Gigawatt, was 15 Prozent der derzeit üblichen Spitzenlast des Stromnetzes entspricht. Dominic Ponattu vom Bundeskanzleramt sagte daher in der Diskussionsrunde: "Die Ladeinfrastruktur ist ein systemrelevantes Element."
Viele Angriffe auf kritische Infrastruktur
Die vergangenen Tage und Wochen haben gezeigt, dass die kritische Infrastruktur in Deutschland in den Fokus von Angreifern geraten ist. Das betrifft nicht nur den gescheiterten Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle, sondern auch Anschläge auf Zuleitungen von Kohlekraftwerken in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.
Die eher kleinteilige Ladeinfrastruktur dürfte sich nicht für solche physischen Angriffe anbieten. Allerdings stellten die gehäuften Fälle von Kabeldiebstahl im Sommer 2025 durchaus eine Belastung für die Hersteller und Ladenetzbetreiber dar. Die eigentliche Gefahr für die Ladeinfrastruktur stellen jedoch Cyberangriffe dar.
Denn anders als bei einer Tanksäule steckt hinter einer Ladesäule ein komplexes System verschiedener Akteure, die an einem Ladevorgang beteiligt sind. Dazu zählen die Autohersteller, Ladesäulenhersteller, die Ladepunktbetreiber (CPOs), die E-Mobility Service Provider, die Zahlungsdienstleister sowie Kommunikations- und Stromnetzbetreiber. Das sieht auch das BSI so. "Das System ist so komplex, dass es zahlreiche Angriffsvektoren gibt, bei denen versierte Angreifer Erfolg haben könnten", sagte Twickel. Für Ponattu ist eine Ladesäule nicht nur eine einfache Steckdose, sondern ein "Netzwerkcomputer, der die elektrische Last verwaltet".
In einem Eckpunktepapier zur Cybersicherheit der öffentlichen Ladeinfrastruktur(öffnet im neuen Fenster) (PDF), das Ende Juli 2026 veröffentlicht wurde, listet das BSI 13 Kommunikationsbeziehungen zwischen den Akteuren auf. Dabei wurde das Schadenspotenzial in acht Fällen als "hoch" eingestuft, das Gefährdungspotenzial in sechs Fällen. Nur die "Datenbereitstellung von öffentlich zugänglichen Datenpunkten" gilt als unkritisch.
Im Mai 2026 legte die Behörde bereits einen 72-seitigen Bericht zur IT-Sicherheit der öffentlichen Ladeinfrastruktur(öffnet im neuen Fenster) (PDF) vor, der die Gefahren in der Ladeinfrastruktur analysierte. Die Herausforderung für einen Angreifer besteht im Grunde nur darin, in dem komplexen System eine Schwachstelle zu finden, über die er maximalen Schaden anrichten kann.
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