Mehrere Angriffsszenarien möglich
Laut Twickel kann das die Verfügbarkeit betreffen, so dass die Ladesäulen nicht mehr genutzt werden könnten. Als weiteren Aspekt nannte er das Thema Datensicherheit. "Bei all den Transportvorgängen – ob Personenverkehr, Gütertransport oder Militärtransporte – gibt es Akteure, die an Informationen über diese Daten interessiert sind", sagte Twickel.
Zu guter Letzt könnten Angreifer die Ladesäulen so manipulieren, dass Fahrzeuge oder die elektrische Infrastruktur beschädigt würden. "Das Problem ist also, dass wir es mit einem wirklich komplexen Ökosystem zu tun haben, das aus vielen verschiedenen Komponenten besteht. All diese Komponenten – das gesamte Ökosystem – müssen im Grunde abgesichert werden", sagte Twickel.
Allerdings könne man zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersagen, ob der Angreifer zuschlagen werde. "Im Grunde müssen wir jedoch von vornherein auf Sicherheit setzen – also 'Security by Default' gewährleisten", sagte Twickel und fügte hinzu: "Zugleich benötigen wir ein widerstandsfähiges System für den Fall, dass Angriffe stattfinden. Denn zu solchen Angriffen wird es irgendwann kommen; wir müssen also in der Lage sein, uns davon zu erholen."
Branche will Protokolle umsetzen
Was passiert, wenn das Sicherheitsniveau im IT-Bereich sehr hochgeschraubt wird, zeigt das Beispiel der vernetzten Stromzähler. Die Anforderungen des BSI waren so hoch, dass die Hersteller die erforderlichen Smart Meter Gateways nicht liefern konnten. Im Gegensatz dazu sind die Ladekarten so schlecht abgesichert, dass sogar Golem das System auf einfache Weise hacken konnte.
Mathias Wiecher vom dänischen Serviceprovider Spirii verteidigte in der Diskussionsrunde die laxen Sicherheitsvorkehrungen bei den Ladekarten. Derzeit sei eine Balance zwischen Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit kaum zu leisten. "Denn wir wollen die Menschen dazu bewegen, verstärkt auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. Wir dürfen es nicht noch komplizierter machen, als es heute schon ist", sagte Wiecher.
Die Branche müsse jedoch weiter an den Protokollen arbeiten, die diese verschiedenen Schnittstellen koordinierten. "Wir brauchen also OCPP(öffnet im neuen Fenster), wir brauchen die ISO 15118(öffnet im neuen Fenster) – all das sind Dinge, an denen wir meiner Meinung nach gerade arbeiten", sagte der Spirii-Chef.
Eine Abkehr von den leicht zu hackenden Ladekarten fordert das BSI in dem erwähnten Eckpunktepapier zur Cybersicherheit. "Autorisierungen dürfen nicht mehr allein auf simplen Identifikatoren (RFID-UID, FahrzeugMAC/AutoCharge) basieren. Eine Verpflichtung der Akteure der öffentlichen Ladeinfrastruktur sollte erfolgen, vorzugsweise auf europäischer Ebene in der AFIR-Revision 2026", heißt es darin. Das sei mit einem mittleren Aufwand schnell umzusetzen.
Auf der ICNC kündigte Twickel zudem eine technische Richtlinie für die sichere Errichtung von Ladepunkten an.
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