Kylin: Canonical entwickelt Ubuntu für China

Zusammen mit der chinesischen National University of Defense Technology (NUDT) und der staatlichen Behörde für die Verbreitung von Soft- und Hardware, dem China Software and Integrated Chip Promotions Center (CSIP), will Canonical eine speziell für China angepasste Version von Ubuntu entwickeln(öffnet im neuen Fenster) . Sie soll den Namen Ubuntu Kylin tragen.
Ubuntu Kylin soll bereits im April 2013 veröffentlicht werden, fast zugleich mit der nächsten Version von Ubuntu mit der Versionsnummer 13.04 alias Raring Ringtail. Zunächst soll vor allem die Sprachunterstützung erweitert werden, etwa mit erweiterten Eingabemethoden oder speziellen Kalenderfunktionen. Zusätzlich sollen eine Anwendung zur Wetteranzeige und Webapps zu populären chinesischen Musikdiensten im Dash-Menü integriert werden, ähnlich der Amazon-App, die bereits in Ubuntu 12.10 viel Wirbel verursachte.
Chinesische Software
Später sollen eine eigens entwickelte Software für die Bildbearbeitung und eine speziell angepasste Systemverwaltung hinzukommen. Außerdem will Canonical die in China weit verbreiteten Office-Suite WPS von Kingsoft integrieren, von der es bereits eine Version für Linux gibt. WPS wird ebenfalls von der chinesischen Regierung finanziert und in vielen Behörden verwendet. Außerdem soll das Kartenmaterial des chinesischen Suchanbieters Baidu in Ubuntu Kylin angeboten werden. Webapps soll es auch für das chinesische Ebay-Pendant Taobao geben. Zusätzlich sollen Zahlungsmöglichkeiten für chinesische Banken integriert und Zug- sowie Fluginformationen angezeigt werden.
Kylin gibt es als Betriebssystem bereits seit mehreren Jahren. Mitte 2009 berichtete die Washington Post(öffnet im neuen Fenster) , dass China ein speziell abgesichertes Betriebssystem auf Rechnern der Regierung und des Militärs installiert hatte. Kylin OS oder auch Kirin OS soll damals auf FreeBSD basiert haben. Auf der offiziellen Webseite von Kylin wird Neokylin(öffnet im neuen Fenster) angeboten, ein speziell gehärtetes Linux basierend auf dem Linux Kernel 2.6.
Milliardenmarkt
Angesichts der offiziell geplanten Funktionen dürfte es sich bei Ubuntu Kylin hingegen um ein anwenderorientiertes Betriebssystem handeln, ähnlich dem weltweit angebotenen Ubuntu. Laut der offiziellen Mitteilung von Canonical soll die "Zusammenarbeit eine Plattform für den chinesischen Markt und auf chinesischer Hardware für den internationalen Markt" schaffen. Canonical dürfte sich damit einen prominenten Platz im Milliardenmarkt in China verschafft haben.
China setzt in einem Fünfjahresplan verstärkt auf die Förderung von Open Source. Dazu hat sie die Behörde CCN Joint Lab gegründet, an der sowohl der CSIP als auch die NUDT beteiligt sind und die die Entwicklung von Ubuntu Kylin zusammen mit Canonical übernimmt. Die NUDT(öffnet im neuen Fenster) unterliegt dem chinesischen Verteidigungs- und Bildungsministerium. Dort werden auch Chinas Supercomputer betreut, etwa der Tianhe-IA, der zu den schnellsten weltweit gehört.