Kurzfilm Guardian: Gefühle schützen vor einem Atomkrieg

Sollten wir die Entscheidung über Krieg und Frieden künftig einer KI anvertrauen? Diese Frage wirft der Sci-Fi-Kurzfilm Guardian auf.

Artikel von Ulrich Hottelet veröffentlicht am
Die Raumstation Guardian in dem gleichnamigen Kurzfilm ist mit Nuklearwaffen ausgestattet und wird von einer KI gesteuert.
Die Raumstation Guardian in dem gleichnamigen Kurzfilm ist mit Nuklearwaffen ausgestattet und wird von einer KI gesteuert. (Bild: East End Film)

Sollten wir einer Künstlichen Intelligenz und ihrer vermeintlichen puren Logik und Rationalität vertrauen, wenn es um Krieg oder Frieden, ja sogar um das Überleben der Menschheit geht? Oder sollten wir uns besser von menschlichen Gefühlen und Empathie leiten lassen? Um diese elementaren Fragen dreht sich der 30-minütige Science-Fiction-Thriller Guardian, der unter www.guardian.film gestreamt werden kann.

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Zur Handlung: In einer Kooperation zwischen den USA und Europa kreist die mit Nuklearwaffen ausgestattete Raumstation Guardian um die Erde. Sie dient zur Abschreckung gegen die Östliche Allianz, die aus China und Russland besteht. Kontrolliert wird das Waffensystem von ELI (Electronic Logarithmic Intelligence), der weltweit besten KI.

ELIs Schöpferin, die Wissenschaftlerin Dr. Diane Colton, will gerade die Raumstation Richtung Erde verlassen, als ein Sonnensturm losbricht. Vermeintlich aufgrund der daraus resultierenden Systemstörungen erhält die KI den Befehl, einen unprovozierten Erstschlag gegen den Feind zu führen. Die Sprengkraft der Omega-Bombe von Guardian kann den halben Planeten auslöschen.

Colton und der Wartungstechniker Sean Bell versuchen als einzige Menschen an Bord, den Beginn eines Atomkriegs zu verhindern und müssen ELI austricksen. Dabei wartet der Film mit einigen großen Überraschungen auf. So stellt sich zum Beispiel heraus, dass tief in den Algorithmen von ELI die Fähigkeit zu Gefühlen steckt.

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Dem in Erfurt gedrehten Kurzfilm gelingt es, philosophische Fragen über den Einsatz von KI emotional im Sci-Fi-Genre aufzuwerfen und zum Nachdenken anzuregen. Damit bereichert er die aktuelle KI-Ethikdebatte. Guardian knüpft auch an die Diskussion darüber an, wann KI ein Bewusstsein erreichen wird. Welche Form wird dieses Bewusstsein annehmen? Wird es kalt und maschinenähnlich? Oder wohnt komplexen kognitiven Strukturen gar etwas inne, das zu menschenähnlichen Emotionen führt?

Natürlich können in den 30 Minuten nur Denkanstöße gegeben werden. Dennoch ist der Film packend erzählt, die Dialoge kommen auf den Punkt und die kalte Raumschiffatmosphäre passt zum kalten Procedere-Automatismus vor dem Start der Omega-Bombe. Gegen Ende sind einige Szenen zwar sehr melodramatisch und wirken ein wenig kitschig, allerdings ist das freilich Geschmackssache.

Dass es inhaltlich nicht nur um fiktiven Stoff geht, zeigt die erschreckende historische Parallele eines Beinahe-Atomkriegs im Jahre 1983. Damals meldete das sowjetische Frühwarnsystem den Anflug von fünf amerikanischen Nuklearraketen. Der sowjetische Kommandochef Oberst Stanislaw Petrow misstraute aber dem System, bei dessen Aufbau er 1972 mitgewirkt und dessen Computer-Programme er geschrieben hatte.

Nicht weit hergeholt

Tatsächlich war es ein Fehlalarm, den er richtig einschätzte und so an seinen Vorgesetzten weitermeldete. Vermutlich hatte ein von einer seltenen Wolkenformation reflektierter Sonnenstrahl das Warnsystem in die Irre geleitet. Dank Petrow blieb der Welt ein Atomkrieg erspart.

Jahrzehnte später kommt heutzutage KI in Waffen zum Einsatz, autonome Drohnen und Killerroboter sind stark umstritten. Das Zukunftsszenario von Guardian ist also nicht weit hergeholt.

Künstliche Intelligenz: Wissensverarbeitung - Neuronale Netze

Bemerkenswert ist auch die gerade für ein KI-Thema sehr lange Zeitdauer zwischen der ersten Idee zum Film und dessen Fertigstellung. "Bereits 2009 hatte ich für meine Abschlussarbeit an der Hochschule der Medien in Stuttgart die Idee zu Guardian. Über die Jahre wuchs es von einem Zwei-Personen-Stück in eine weit aufwändigere Produktion", sagte Regisseur und Co-Produzent Amir Reichart bei der Premiere im Berliner Kino Babylon am 20. August 2022.

Guardian soll fortgesetzt werden

Nicht zuletzt die Suche nach einer Finanzierung durch staatliche Filmfördertöpfe zog die Arbeit in die Länge. Bereits 2017 wurde der Dreh beendet, bei dem hauptsächlich mit Green Screen gearbeitet wurde. Es folgte die sehr lange Post-Produktion mit über 350 Aufnahmen von visuellen Effekten. Das entspricht im Verhältnis einem Studio-Spielfilm oder einer High-End-Serie.

Die Kombination aus Sci-Fi und Kurzfilm ist ungewöhnlich, denn normalerweise werden Kurzfilme eher mit kleinem Budget produziert. "Ich habe sehr oft überlegt, ob ich das Projekt nicht einstelle. Es gab verschiedene Schwierigkeiten. Ich setze Kurzfilm daher in Anführungszeichen", sagte Reichart.

Guardian soll nach dem Willen der Macher eine Fortsetzung finden. "Der Kurzfilm ist nur eine Etappe. Wir planen eine Serie mit dem Namen Shadow Protocol aus den offenen Erzählsträngen am Ende. Sie wird nicht auf einer Raumstation spielen und Mystery-Elemente haben", sagte Drehbuchautor Peer Gopfrich.

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dragon princess 29. Aug 2022 / Themenstart

Ja, Love, Death & Robots ist definitiv eine gute Ergänzung und ein schönes...

Kein Kostverächter 25. Aug 2022 / Themenstart

Ja, die Trajektorie eines solchen Teiles ist schwer zu berechnen. Das fällt aus dem Obit...

Kein Kostverächter 25. Aug 2022 / Themenstart

Außerdem ist der Bombendialog einfach nur genial. Der Mensch versucht der Bombe zu...

Flexy 23. Aug 2022 / Themenstart

Doch, den gab es. Wir sind nur um ein Haar an einem weltweiten Atomkrieg vorbei...

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