Kurswechsel: OpenAI zieht bei Atlas den Stecker
OpenAI stellt seinen KI-Browser Atlas am 9. August 2026 ein. Das teilte das Unternehmen in einem Support-Beitrag(öffnet im neuen Fenster) mit. Damit verschwindet Atlas weniger als ein Jahr nach seinem Start im Oktober 2025 wieder vom Markt.
Die Einstellung bedeutet jedoch nicht, dass OpenAI die Technik hinter Atlas aufgibt. Stattdessen bündelt das Unternehmen Chat, Work und Codex in einer neuen Desktop-App, in die auch zentrale Funktionen des KI-Browsers einfließen. Der in der App enthaltene Browser unterstützt mehrere Tabs, Downloads, eine verbesserte Navigation und Anmeldungen bei Onlinekonten.
Ergänzend überarbeitet OpenAI seine Erweiterung für Google Chrome. Sie soll ChatGPT direkt in der Seitenleiste des Browsers öffnen und so die Nutzung parallel zu einer aufgerufenen Webseite ermöglichen. Für umfangreichere agentische Aufgaben ist dagegen der integrierte Browser der Desktop-App vorgesehen. Beide Angebote bauen laut OpenAI auf den Erfahrungen mit Atlas auf.
Andere KI-Browser bleiben am Markt
Mit dem Rückzug von Atlas endet OpenAIs Versuch, einen eigenen KI-Browser am Markt zu etablieren. Das Feld der eigenständigen Angebote bleibt damit vorerst Perplexity mit Comet und Atlassian mit Dia überlassen.
Comet verbindet die Websuche mit agentischen Aufgaben, während Dia Informationen aus geöffneten Seiten, weiteren Tabs und dem Browserverlauf berücksichtigen kann. Zugleich bauen Google und Microsoft die KI-Funktionen in Chrome und Edge weiter aus.
Wer auf einen der genannten Browser umsteigen möchte, sollte allerdings beachten, dass die in Atlas gespeicherten Daten nicht automatisch übernommen werden. Das betrifft Lesezeichen, offene Tabs und den Verlauf. Die Lesezeichen lassen sich jedoch als HTML-Datei exportieren und anschließend etwa in Chrome importieren. ChatGPT-Unterhaltungen bleiben hingegen erhalten, weil sie getrennt von den lokalen Atlas-Daten gespeichert werden.
Strategiewechsel zeichnete sich bereits ab
Überraschend kommt die Entscheidung nicht. Das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) berichtete bereits im März, dass Fidji Simo – damals CEO of Applications bei OpenAI und inzwischen aus gesundheitlichen Gründen nur noch als Teilzeitberaterin für das Unternehmen tätig – die Belegschaft vor zu vielen Nebenprojekten gewarnt habe. Zugleich habe die Führung geprüft, welche Bereiche künftig weniger Gewicht erhalten sollten.
Dem Bericht zufolge verfolgte OpenAI zu viele Vorhaben gleichzeitig und geriet dadurch zunehmend in die Defensive. Simo forderte deshalb, die Kräfte stärker zu bündeln und sich auf die entscheidenden Bereiche zu konzentrieren.
Dazu zählen vor allem Produktivitätswerkzeuge, Angebote für Firmenkunden und die Softwareentwicklung. Dort will OpenAI wieder Boden gutmachen, nachdem Anthropic bei Entwicklern und Unternehmen deutlich zugelegt hat.
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