Kurswechsel: Merz erklärt Windenergie zur Übergangstechnologie

Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Rolle der Windenergie in der deutschen Stromversorgung deutlich relativiert. Deutschland werde noch "zehn Jahre, 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre" auf Windkraft angewiesen bleiben, sagte der CDU-Politiker und bezeichnete die Anlagen laut Bild(öffnet im neuen Fenster) als "Übergangstechnologie" .
Diese Einschätzung äußerte Merz kurz nachdem er gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und anderen Regierungschefs – unter anderem aus Belgien, Dänemark, den Niederlanden und Norwegen – auf dem dritten Nordsee-Gipfel in Hamburg milliardenschwere Investitionen in neue Windkraftanlagen in der Nordsee angekündigt hatte.
Bundeskanzler sieht Zukunft in der Kernfusion
Für die Zeit nach dieser Übergangsphase richtet Merz den Blick demnach auf die Kernfusion. Bei diesem Verfahren werden Atomkerne unter extremen Temperaturen miteinander verschmolzen, wodurch große Energiemengen freigesetzt werden.
Im Unterschied zur Kernspaltung entstehen dabei nur in begrenztem Umfang radioaktive Rückstände, zudem gilt eine unkontrollierbare Kettenreaktion in einem Fusionskraftwerk als ausgeschlossen. Mit Blick auf die möglichen Folgen der Technologie erklärte Merz, dann werde Strom so günstig, "dass es keine anderen Erzeugungsmethoden mehr brauche" .
Mit Blick auf die internationale Entwicklung erklärte der Kanzler, Deutschland solle bei der Fusionsforschung eine führende Rolle übernehmen. Anfang Oktober 2025 bewilligte die Bundesregierung dafür eine milliardenschwere Förderung , um Entwicklung und Aufbau der Technologie zu beschleunigen. Zudem sollen gesetzliche Vorgaben gelockert und das industrielle Umfeld rund um Anlagenbau und Zuliefertechnik gezielt unterstützt werden.
Kernfusion noch in der Entwicklungsphase
Ob die angestrebten Ziele erreicht werden können, ist derzeit noch offen. Die Kernfusion befindet sich nach wie vor in der Entwicklungsphase, kommerzielle Anlagen existieren bislang nicht. Als zentrales internationales Vorhaben gilt der Iter-Versuchsreaktor im französischen Cadarache, an dem auch Deutschland beteiligt ist. Dort soll untersucht werden, ob sich Fusionsprozesse technisch kontrolliert und dauerhaft betreiben lassen.
In Deutschland arbeiten mehrere junge Unternehmen an unterschiedlichen technischen Ansätzen. Gauss Fusion aus Garching und Proxima Fusion(öffnet im neuen Fenster) aus München setzen auf sogenannte Stellaratoren, bei denen Magnetfelder das heiße Plasma stabilisieren sollen. Marvel Fusion in München und Focused Energy in Darmstadt verfolgen dagegen die Laser-Fusion, bei der starke Lichtimpulse die Reaktion auslösen.
Erste praktische Ergebnisse in Deutschland dürften jedoch vor allem von Proxima Fusion zu erwarten sein. Das Unternehmen will nämlich Anfang der 2030er Jahre einen ersten Demonstrator errichten – eine kleinere Anlage, die die technische Umsetzbarkeit der Kernfusion zeigen soll.



