Kurseinbruch: SAP-Chef Klein verteidigt höhere Investitionen in die Cloud
SAP-Chef Christian Klein verteidigt die neue Strategie, die am Montag zu einem historischen Kurseinbruch beim größten europäischen Softwarehersteller geführt hat. "Wir waren uns bewusst, dass die Reaktion der Aktionäre so ausfallen könnte. Aber die Entscheidung, die Ambition zu korrigieren und uns noch stärker an den Bedürfnissen unserer Kunden auszurichten, war notwendig", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster). "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir die richtige Strategie verfolgen, um SAP langfristig voranzubringen."
Der Dax-Konzern hatte am 25. Oktober 2020 höhere Investitionen ins Cloud-Computing angekündigt, die die operative Marge erheblich belasten. "Viele Unternehmen leiden unter der Krise, weil sie Lieferengpässe haben oder die Produktion stockt. All diese Prozesse werden mit SAP-Software betrieben – die Kunden wünschen nun, schneller in die Cloud zu kommen", sagte Klein. Die zusätzlichen Investitionen seien notwendig, um die Infrastruktur auszubauen. "Ich will nicht das Wachstumspotenzial in der Zukunft für die kurzfristige Margenoptimierung opfern", betonte Klein. Der Kurs der SAP-Aktie stürzte am Montag ab.
Kurseinbruch überzogen
Bei SAP gibt es laut Finanzvorstand Luka Mucic klare Richtwerte, wie weit die tatsächlichen Zahlen von den Analystenschätzungen abweichen müssen, um eine Vorabmeldung auszulösen. Nach dem dritten Quartal seien diese nicht erreicht worden, berichtet die Börsen-Zeitung(öffnet im neuen Fenster).
Unerwartet geringe Cloud-Erlöse, eine gesenkte Jahresprognose und ein Mittelfristausblick, der wesentliche Margenziele aufgibt: Im Ergebnis verschwanden mehr als 30 Milliarden Euro Börsenwert an einem Handelstag.
Nüchtern betrachtet sei der Kurseinbruch überzogen. Die Cashflow-Entwicklung ist ungebrochen positiv, und auch die Cloud-Marge legt trotz des geringeren Wachstums zu – sogar bei der geschrumpften Reisekostenabrechnungssoftware Concur.
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