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Kupferabschaltung: Monopolkommission warnt vor Machtzuwachs der Telekom

Die Bundesnetzagentur solle aktiv regulieren, fordert die Monopolkommission. Zugleich tritt sie für Glasfaser -Doppelausbau ein.
/ Achim Sawall
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Die Monopolkommission mit ihren Gutachten (Bild: Monopolkommission)
Die Monopolkommission mit ihren Gutachten Bild: Monopolkommission

Die Monopolkommission warnt in der Übergangsphase der Kupferabschaltung vor einem neuen Machtzuwachs der Deutschen Telekom. "Wir sind gerade in einer kritischen Übergangsphase von Kupfer zur Glasfasertechnologie, besonders in Deutschland. Es besteht die Gefahr, dass die ehemaligen Staatsmonopolisten wieder dominant werden" , sagte Tomaso Duso(öffnet im neuen Fenster) , Vorsitzender des Beratergremiums, am 10. Dezember 2025.

Ein Hindernis für den Glasfaserausbau sieht die Monopolkommission bei der Migration von Kupfer- auf Glasfasernetze. Ohne klare Vorgaben der Bundesnetzagentur zur Abschaltung alter Kupfernetze könnte die Telekom starke Anreize haben, Glasfaser zuerst dort auszubauen, wo alternative Anbieter bereits tätig seien. Dadurch würde sie Wettbewerber verdrängen. "Die künftige Marktstruktur im Festnetz wird maßgeblich durch die Kupfer-Glasfaser-Migration geprägt" , sagte Duso. Daher sollte die Bundesnetzagentur von ihrer moderierenden in eine handelnde Rolle übergehen.

Bei den Wohnungsanschlüssen empfiehlt die Monopolkommission einen Mindeststandard: "Jede Wohnung sollte mit mindestens vier Fasern eines Glasfaserkabels ausgestattet werden. So können verschiedene Anbieter den Anschluss nutzen und Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Anbieter leichter wechseln" , erklärte Duso. Wo es wirtschaftlich sinnvoll sei, sollten zwei oder mehr Anbieter eigene Glasfasernetze ausbauen.

Die Telekom kommentierte die Aussagen bisher nicht.

Doppelausbau ungeeignet und kontraproduktiv

Sven Knapp, Hauptstadtbüroleiter beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), teilte mit(öffnet im neuen Fenster) : "Der Breko teilt die Sorge der Monopolkommission vor einer Remonopolisierung des Telekommunikationsmarktes durch die Telekom, hält jedoch Teile der Lösungsvorschläge für ungeeignet und sogar kontraproduktiv."

Der Vorschlag der Monopolkommission, durch parallele Glasfasernetze mehr Wettbewerb auszulösen, geht laut Knapp an der Realität vorbei: "Da Deutschland die europaweit höchsten Ausbaukosten hat, sind parallele Netze fast nirgendwo wirtschaftlich betreibbar. Verstärkter Doppelausbau würde also Geschäftsmodelle gefährden und den Ausbau insgesamt verzögern." Fairer Wettbewerb sei durch "Open Access und diskriminierungsfreien Wettbewerb auf einem Netz" möglich.

'Regulierung light' ist gescheitert

VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer erklärte(öffnet im neuen Fenster) für den Branchenverband, die Analyse der Wettbewerbshüter müsse "wachrütteln. Der vor Jahren eingeschlagene Weg einer 'Regulierung light' ist gescheitert und muss korrigiert werden." Die Bundesnetzagentur müsse eine "klar gestaltende Rolle" übernehmen. Auch Ufer lehnte einen Doppelausbau ab.

In Paragraf 34 des Telekommunikationsgesetzes ist geregelt, dass ausschließlich die Telekom das Antragsrecht hat, das Kupfernetz abzuschalten. Die Telekom wandte sich zuvor im Gespräch mit Golem dagegen , dass künftig auch andere Netzbetreiber die Kupferabschaltung beschließen könnten.

Anders als das Bundeskartellamt hat die Monopolkommission keinerlei Machtbefugnisse. Sie ist ein unabhängiges Expertengremium aus Professoren und Aufsichtsräten und ihre Gutachten – etwa aktuell zu Seekabeln - sind für die Regierung nicht bindend.


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