Der Weg zur Realverfilmung

Ein gutes Jahrzehnt später kündigt nun Netflix an, eine Realverfilmung zu produzieren. Über das Budget ließ man sich nicht aus, die Serie sieht aber teuer aus - und das nicht nur wegen der Weltraumszenen und der Raumschiffe, sondern auch wegen der sehr unterschiedlichen Settings. Sie sind zum Teil vom Anime, zum Teil von großen Kinofilmen inspiriert, aber immer sehr eigen und sehr detailverliebt.

Das Alter von Spike Spiegel und Jet Black wurde für die Realverfilmung nach oben gesetzt. Im Anime sind sie Ende 20, in der Realverfilmung Ende 40. Showrunner André Nemec begründete das bei Syfy Channels so: "Wenn man einen Cowboy mit einem gebrochenen Herzen spielt, ist das typischerweise nicht die Geschichte eines Mannes in seinen 20ern. Man ist nicht alt genug, um all den Schmerz in seinem Leben angesammelt zu haben. Mir wurde schnell klar, dass diese Figuren echte Tiefe und Lebenserfahrung benötigten."

Zudem musste man auf das Originalkostüm von Faye Valentine verzichten. Man testete es zwar, es erwies sich aber als unpraktisch. Man konnte darin kaum Rückenplatten, Stunt- und Gel-Pads verstecken, die bei Stunts vonnöten sind, in denen man kämpft und stürzt.

Die Schauspieler sind durch die Bank gut. John Cho transportiert die Essenz von Spike Spiegel, Mustafa Shakir hat die bärbeißig-coole Art drauf und Daniella Pineda überzeugt als knallharte Frau, die nach ihrer Vergangenheit sucht.

Die Anime-Folgen haben eine Laufzeit von 24 Minuten, die Episoden der Realverfilmung zwischen 40 und 50 Minuten. Man hat sich dennoch auch von der Vorlage inspirieren lassen. Die erste Geschichte adaptiert die erste Folge der Zeichentrickserie, baut sie aber zugleich aus, indem hier schon Faye Valentine auftaucht. Auch im weiteren Verlauf der neuen Serie werden Anime-Kenner Elemente der Vorlage erkennen - nicht zuletzt den süßen Corgi, der mehr ist, als er zu sein scheint.

Der Hund ist aber längst nicht der einzige Punkt, an dem die neue Serie mit der alten korreliert. Eine Figur, die Fans des Animes vermissen, ist nicht vergessen. Auch mit der VHS-Kassette, die Hinweise zu Fayes Vergangenheit enthält, wird in der Realverfilmung gearbeitet. Besonders cool ist auch der Vorspann. Denn der orientiert sich an der Anime-Serie und ist genauso gestaltet, nur eben mit den realen Figuren. Zudem benutzt man die eingängige Titelmusik des Animes.

Formal und tonal einzigartig

Für den originalen Anime ließen sich die Macher von allerhand Filmen inspirieren. Das haben die Macher der Realverfilmung noch gesteigert, denn Cowboy Bebop ist nicht nur Hard-Sci-Fi mit Raumschiffen und Weltraumtoren, sondern ein Mix unterschiedlichster Einflüsse.

Die Martial-Arts-Einlagen erinnern an Bruce Lee (und Abdul Hakim aus der zweiten Folge an seinen Gegner in seinem Film Mein letzter Kampf), während andere Episoden mit Elementen des Westerns spielen, vor allem des Italo-Westerns. Ebenso gibt es Folgen, die vom Film Noir inspiriert sind. Andere nehmen starke Anleihen beim japanischen Samurai-Film. Die Szenerie ist dabei oftmals in Neonfarben getaucht.

Dazu kommt eine musikalische Bandbreite, die enorm ist. Jazzklänge unterstreichen das Geschehen, einige Passagen erinnern aber auch an das Werk von Ennio Morricone. Russische Volksmusik ist die Inspiration für eine knallharte Passage in der zehnten und letzten Folge der Staffel. Die Einflüsse erscheinen nicht immer homogen, im Rahmen von Cowboy Bebop funktionieren sie jedoch. Sie werden hier zu einem stilistisch variablen Potpourri, das erstaunlicherweise perfekt miteinander harmoniert.

Cowboy Bebop zeigt, wie man einen Anime gelungen als Realversion adaptiert. Damit lässt sich auch ein Publikum erreichen, das grundsätzlich keine Zeichentrickserien anschaut. Bleibt nur die Frage, ob diesem Publikum Cowboy Bebop nicht immer noch viel zu schräg ist. Mainstream ist die Serie in jedem Fall nicht.

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 Kult-Anime startet bei Netflix: Realversion von Cowboy Bebop ist ein wilder Genre-Mix
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Fakula 29. Dez 2021

Es gibt Settings bei denen die Hautfarbe (aka "herkunft") wichtig ist. Z.b...

john4344 29. Dez 2021

Und das ist auch gut so. Hier is die Brutalität nicht überzogen oder im Gegensatz zum...

Schmihaba 28. Dez 2021

Für all die "ohhhh Jet ist schwarz bibubu"-Kommentatoren: Ich hoffe sooooo sehr dass...

leed 30. Nov 2021

Ich finde auch optisch passen die charaktere nicht so gut zum original. Jet: Diesen...



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