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Künstliche Intelligenz: Yann LeCun sammelt eine Milliarde Dollar für AMI ein

Mit AMI will Yann LeCun Weltmodelle entwickeln, die Physik verstehen. Investoren wie Jeff Bezos und Nvidia bewerten die Firma mit Milliarden.
/ Nils Matthiesen
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LeCun gründet das KI-Start-up AMI. (Bild: STEPHANE DE SAKUTIN/AFP via Getty Images)
LeCun gründet das KI-Start-up AMI. Bild: STEPHANE DE SAKUTIN/AFP via Getty Images

Der KI-Wissenschaftler Yann LeCun hat laut einem Bericht der F.A.Z.(öffnet im neuen Fenster) für sein neues Start-up AMI(öffnet im neuen Fenster) (Advanced Machine Intelligence) eine Finanzierung in Höhe von 1,03 Milliarden US-Dollar erhalten. Die Unternehmensbewertung steigt damit auf 3,5 Milliarden Dollar, womit AMI aus dem Stegreif zu einem der wertvollsten KI-Entwickler Europas aufsteigt.

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Paris und unterhält weitere Büros in New York, Montreal und Singapur. LeCun zählt zusammen mit Geoffrey Hinton und Yoshua Bengio zu den Wegbereitern der modernen KI; 2018 erhielten sie gemeinsam den Turing Award.

LeCun, der die KI-Forschung bei Meta prägte, verfolgt mit AMI einen technologischen Ansatz, der sich von aktuellen Large Language Models (LLM) abhebt. Er kritisiert die derzeitige "Monokultur im Silicon Valley" , die fast ausschließlich auf sprachbasierte statistische Vorhersagen setze. Laut LeCun sind LLMs eine "totale Sackgasse" auf dem Weg zu einer Intelligenz auf menschlichem Niveau, da ihnen gesunder Menschenverstand und ein Verständnis für physikalische Kausalitäten fehlten.

Fokus auf Weltmodellen statt Sprachstatistik

Das Kernkonzept von AMI sind sogenannte Weltmodelle. Diese sollen in der Lage sein, die Konsequenzen von Handlungen in der realen oder digitalen Welt abzuschätzen. Während Sprachmodelle lediglich statistische Wahrscheinlichkeiten von Wortfolgen berechnen, sollen Weltmodelle eine abstrakte Darstellung der Realität erzeugen. Dies ist laut LeCun insbesondere für die Robotik und industrielle Anwendungen essenziell.

Ein zentrales Defizit aktueller KIs sei das fehlende physikalische Verständnis. LeCun illustrierte dies am Beispiel starrer und biegsamer Objekte: Während Menschen wüssten, dass ein Stift an Ort und Stelle bleibe, wenn man ein Ende loslasse, fehle Sprachmodellen dieses Wissen über die physische Welt. AMI plant, komplexe Systeme wie Kraftwerke oder menschliche Zellen zu simulieren, um industrielle Prozesse planbar zu machen.

Prominente Investoren und globale Ausrichtung

Angeführt wird die Finanzierungsrunde von Cathay Innovation, Greycroft, dem Berliner Investor HV Capital sowie dem auf Videospiele fokussierten Investor Hiro Capital, bei dem der ehemalige britische Vizepremierminister Nick Clegg Partner ist. Zu den weiteren Geldgebern gehören die Investmentgesellschaft von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der Chipkonzern Nvidia, der Investmentarm des japanischen Autoherstellers Toyota, der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt sowie der Investor Mark Cuban.

Trotz der Trennung von Meta resultiert die Neugründung laut LeCun auch aus strategischen Differenzen. Während Meta den Fokus auf Endkundenanwendungen und LLMs legt, sieht LeCun das Potenzial der Weltmodelle vorrangig in der Industrie. Mit dem neuen Kapital konkurriert AMI nun mit Projekten wie Googles Deepmind oder Fei-Fei Lis World Labs, die an ähnlichen Architekturen arbeiten.


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