Künstliche Intelligenz: Studie belegt Flut minderwertiger KI-Videos bei Youtube

Das Internet wird zunehmend mit minderwertigen, automatisiert erstellten Videoinhalten geflutet. Diesen Trend zum sogenannten AI Slop beleuchtet die Videobearbeitungsplattform Kapwing in einem kürzlich veröffentlichten Bericht(öffnet im neuen Fenster) . Basierend auf einer Analyse von Millionen anonymisierter Videos, die im Oktober 2025 auf der Plattform erstellt wurden, konstatiert Kapwing, dass die KI-Videogenerierung im Mainstream angekommen sei – oft auf Kosten der Qualität. Die technologischen Hürden für die Videoproduktion seien so weit gesunken, dass mittlerweile keinerlei Fachkenntnisse mehr nötig seien, um visuelle Inhalte zu erstellen.
Masse statt Klasse für den Algorithmus
Demnach nutzen viele Ersteller die neuen KI-Werkzeuge primär, um die Empfehlungsalgorithmen von Plattformen wie Tiktok, Instagram Reels und Youtube Shorts zu bedienen. Das Ziel sei oft, mit minimalem Aufwand maximale Einnahmen zu erzielen, etwa durch Affiliate-Links oder Werbeeinblendungen. Dies führe zu einer enormen Menge an generischen Inhalten. Als Beispiele nennt der Report automatisch vertonte Reddit-Geschichten, motivierende Zitate, die mit generischem Archivmaterial unterlegt sind, oder sogenannte "gesichtslose" Kanäle, die vollständig von KI betrieben werden, ohne dass ein menschlicher Schöpfer erkennbar ist.
Ein Experiment auf Youtube Shorts unterstreicht die Sättigung. Kapwing simulierte die Nutzererfahrung eines neuen Accounts und analysierte die ersten 500 ausgespielten Kurzvideos. Das Ergebnis: 21 Prozent (104 Videos) waren KI-generierter "Slop", während sogar 33 Prozent (165 Videos) als sogenannter "Brainrot" klassifiziert wurden. Diese Inhalte seien darauf ausgelegt, durch eine betäubende Wirkung oder wiederkehrende "Lore"-Elemente die Verweildauer zu erhöhen.
Der Bericht wertet dies als zweischneidiges Schwert für Youtube: Die Inhalte binden zwar Nutzer, könnten aber aufgrund fehlender Professionalität für Werbekunden unattraktiv sein. Ergänzend wird eine Analyse des Guardian zitiert, wonach im Juli fast jeder zehnte der weltweit am schnellsten wachsenden Youtube-Kanäle ausschließlich KI-Content zeigte.
Die schiere Masse dieser Uploads soll die Chancen erhöhen, dass einzelne Beiträge viral gehen. Kapwing beschreibt dies als eine klare Verschiebung hin zu "Quantität über Qualität", bei der die Technologie genutzt wird, um das System zu bespielen, anstatt originäre, kreative Inhalte zu schaffen. Die Tools, die ursprünglich professionellen Cuttern helfen sollten, würden nun auch für die Produktion von digitalem Spam im großen Stil eingesetzt.
Wachsende Unzufriedenheit bei den Nutzern
Die Sättigung der Feeds mit diesen Inhalten bleibt allerdings von den Nutzern nicht unbemerkt. Der Report zitiert Beobachtungen aus Kommentarspalten, in denen Zuschauer die Authentizität der Videos anzweifeln. Kritisiert werden oft visuelle Fehler, repetitive Muster oder die Inhalte werden schlicht als "seelenlos" bezeichnet. Es gebe eine wachsende Frustration bei den Konsumenten darüber, dass hochwertige, menschliche Kreativität durch die Flut an KI-generiertem Material verdrängt werde.
Das Phänomen nähert sich laut der Analyse dem an, was im Netz als "Dead Internet Theory" diskutiert wird – ein Zustand, in dem ein Großteil des Web-Traffics und der Inhalte von Bots generiert wird. Die Herausforderung für die Plattformbetreiber im Jahr 2026 werde darin bestehen, mit dieser Schwemme umzugehen und die Nutzererfahrung zu schützen, ohne legitime KI-gestützte Kreativität zu ersticken.



