Künstliche Intelligenz: Ökonomen warnen vor drastischen Folgen durch künstliche Intelligenz
Fast 200 Wirtschaftswissenschaftler und Forscher warnen in einer gemeinsamen Erklärung(öffnet im neuen Fenster) vor einer unvorbereiteten Transformation der Wirtschaft durch künstliche Intelligenz. Die Technologie könnte sich schneller verbreiten als jede bisherige Neuerung, weshalb die Politik ebenso schnell reagieren müsse. In dem am Montag veröffentlichten Papier mit dem Titel We Must Act Now(öffnet im neuen Fenster) betonen die Unterzeichner, dass KI in den kommenden zehn Jahren radikal leistungsfähiger werden dürfte. Dies berge erhebliche Risiken wie eine massenhafte Verdrängung von Arbeitsplätzen, biete aber gleichzeitig die Chance auf eine deutliche Steigerung des Lebensstandards.
Zu den fast 200 Unterzeichnern gehören 16 Nobelpreisträger sowie die Chefökonomen der beiden KI-Entwickler OpenAI und Anthropic. Auch bekannte Branchenvertreter wie Anthropic-Mitbegründer Jack Clark, der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt und der Risikokapitalgeber Vinod Khosla haben das Dokument unterschrieben. Während Technologieentscheider schon länger vor einem raschen Wegfall menschlicher Arbeitskraft warnen, reagierten Ökonomen darauf bisher meist skeptisch. Historisch gesehen liefen technologische Umbrüche meist langsamer ab als von Branchenvertretern prognostiziert.
Größer als die Industrielle Revolution
Inzwischen wächst jedoch auch in der Wirtschaftswissenschaft die Sorge, dass sich die Technologie deutlich schneller und breiter durchsetzt als frühere Innovationen. Das aktuelle Statement warnt davor, dass die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz weitreichender sein könnten als jene der Industriellen Revolution, sich jedoch in einem weitaus kürzeren Zeitraum vollziehen werden. Unter den Unterzeichnern finden sich auch frühere Skeptiker wie die MIT-Professoren Daron Acemoglu und Simon Johnson, die 2024 den Wirtschaftsnobelpreis erhielten.
Viele Ökonomen gehen zwar davon aus, dass KI langfristig durch eine gesteigerte Produktivität und höhere Lebensstandards vorteilhaft sein wird. Sie verweisen auf historische Beispiele wie die Dampfmaschine oder den PC, die zwar Berufsfelder vernichteten, letztlich aber weitaus mehr neue Arbeitsplätze schufen. Kurzfristig drohen jedoch immense Verwerfungen, insbesondere die Verdrängung von Millionen Angestellten im Büro- und Dienstleistungsbereich. Experten warnen, dass soziale Sicherungsnetze wie die Arbeitslosenversicherung auf eine solche Welle nicht vorbereitet sind.
Forderung nach politischer Steuerung
Acemoglu betont, dass eine derart schnelle Entwicklung den Lebensunterhalt vieler Menschen gefährden könnte, wenn sich Entwicklungen aus dem Industrieroboter-Sektor in kürzerer Zeit wiederholen. Er plädiert dafür, dass KI-Labore Werkzeuge entwickeln sollten, die die menschliche Arbeitskraft ergänzen, anstatt sie komplett zu ersetzen. Die Erklärung fordert Ökonomen, Politiker und Wirtschaftsführer auf, unverzüglich zu handeln, um die ökonomischen Aspekte transformativer KI besser zu verstehen. Ziel müsse eine politische Steuerung sein, die die Technologie in eine gesellschaftlich vorteilhafte Richtung lenkt. Konkrete politische Handlungsempfehlungen enthält das Schreiben jedoch nicht.
Laut dem Mitorganisator Erik Brynjolfsson(öffnet im neuen Fenster) von der Stanford University besteht eine der dringendsten Aufgaben darin, bessere Messmethoden für die Verbreitung und die Auswirkungen von KI zu entwickeln. Der Mangel an verlässlichen Daten habe die Forschung bisher stark behindert, da unterschiedliche Messungen widersprüchliche Ergebnisse bezüglich des realen Arbeitsplatzverlusts lieferten.
- Anzeige Hier geht es zu Künstliche Intelligenz: Wissensverarbeitung bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.