Künstliche Intelligenz: KI-System Nook gewinnt beim Bridge

Bridge galt wegen seiner Komplexität lange als zu hoch für KI. Das französische Unternehmen Nukkai hat gezeigt, dass das nicht stimmt.

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Bridge-Hand: KI nutzt menschliche Fehler aus.
Bridge-Hand: KI nutzt menschliche Fehler aus. (Bild: Frédéric Pétry/Hans Lucas via Reuters Connect)

Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt beim Kartenspiel: Das französische Unternehmen Nukkai hat ein KI-System für das Kartenspiel Bridge entwickelt. In einem Turnier hat es seine menschlichen Gegner geschlagen.

Nukkai entwickelt seit einiger Zeit an der KI für Bridge. Das Kartenspiel für vier Spieler ist für KI als komplexer als etwa Schach oder Go.

Bei Schach oder Go spielen nur zwei Spieler und beiden haben die gleichen Informationen zum Spielgeschehen. Bei Bridge hingegen trete die KI gegen mehrere Spieler an und verfüge nur über unvollständige Informationen, sagte Jean-Baptiste Fantun, Chef und einer der Gründer von Nukkai. Sie müsse also Schlüsse über die Aktionen oder Nichtaktionen der Gegner ziehen können. Eine kollaborative Komponente kommt hinzu: Man spielt gegen zwei Gegner, aber mit einem Partner.

Ein Teil des Spiels entfiel

Um das System mit dem Namen Nook zu testen, ließ Nukkai es gegen acht Bridge-Weltmeister antreten. Gespielt wurden 800 sogenannte Deals, die in 80 Sätze à 10 Deals aufgeteilt waren, allerdings mit einer Einschränkung: Die Gebotsphase am Anfang des Spiels entfiel. Normalerweise ermitteln die beiden Teams in einer Art Versteigerung die Trumpffarbe und die Anzahl der Stiche. Stattdessen gab es feste Vorgaben.

Beide Seiten erhielten jeweils die gleichen Karten, es ging darum, wer die meisten Stiche machet. Nook gewann 67 Sätze, das entspricht 83 Prozent. Nukkai wertet das Erfolg: Bisher wurde davon ausgegangen, dass KI nicht so gut Bridge spielen kann wie ein erfahrener menschlicher Spieler, unter anderem wegen des Zusammenspiels im Team, das essenziell für den Erfolg ist.

Ein großer Unterschied gegenüber anderen KI-Systemen ist laut Nukkai, dass Nook eine White Box ist. Das bedeutet, ihre Aktionen sind von außen nachvollziehbar. Viele andere KI-Systeme, darunter auch Deepminds System Alpha Go, sind Black Boxes, deren Entscheidungen nicht nachvollzogen werden können. Weiterer Vorteil von Nook gegenüber Alpha Go ist laut Nukkai, dass es weniger Strom benötigt als das Deepmind-System.

Nook lernt ähnlich wie ein Mensch

Nook nutzt sowohl Deep Learning als auch regelbasiertes Lernen. Das bedeutet, das System hat nicht wie beim reinen Deep Learning durch das Spielen von Millionen von Spielrunden gelernt. Stattdessen lernte es zuerst die Spielregeln und verbesserte anschließend seine Fähigkeiten durch Übung. Diese Art zu lernen sei der menschlichen sehr viel näher, sagte der britische KI-Forscher Stephen Muggleton der britischen Tageszeitung The Guardian.

Bei der Entwicklung der Algorithmen erhielt Nukkai Unterstützung von der nationalen französischen Forschungsorganisation, dem Centre national de la recherche scientifique (CNRS): Das Unternehmen konnte Jean Zay, den Superrechner des CNRS, nutzen. "Wir hätten Nook nicht ohne das CNRS entwickeln können", sagte Nukkai-Mitgründerin Véronique Ventos.

Die mehrfache Bridge-Weltmeisterin Nevena Senior zog nach dem Wettbewerb eine positive Bilanz: Nukkai habe sehr gute Arbeit geleistet, sagte sie dem Guardian. Dass mit vorgegebenen statt mit verhandelten Kontrakten gespielt worden sei, habe sie nicht gestört. Nook habe seine Gegner besser gelesen als Menschen und sei besser darin gewesen, deren Fehler auszunutzen. "Das ist etwas, was Menschen mit genügend Erfahrung machen, und ich war positiv überrascht, dass ein Roboter typisch menschliche Fähigkeiten nachahmt."

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