Künstliche Intelligenz: Eugene Goostman besteht Turing-Test

Mehr als 30 Prozent der Jury-Mitglieder glaubten, sie kommunizierten mit dem 13-jährigen Jungen Eugene Goostman. Stattdessen beantwortete der Supercomputer Eugene ihre über die Tastatur eingegebenen Fragen. Damit habe Eugene als erster den sogenannten Turing-Test bestanden, heißt es in einer Mitteilung der University of Reading(öffnet im neuen Fenster) , die den Wettbewerb veranstaltete.
Wenn sich ein Rechner nicht mehr von einem Menschen unterscheidet, handelt es sich um eine denkende Maschine und damit um eine echte künstliche Intelligenz. Diese These postulierte Alan Turing(öffnet im neuen Fenster) bereits 1950 und entwickelte die gleichnamige Prüfung.
Ein echter Mensch?
Die soll Eugene jetzt bestanden haben. In fünfminütigen Unterhaltungen, die die Mitglieder einer Jury unter anderem mit fünf Großrechnern über die Tastatur absolvierten, überzeugte Eugene mehr als ein Drittel davon, dass er ein 13-jähriger Junge sei.
Es sei das erste Mal, dass der Turing-Test bestanden wurde, teilte Kevin Warwick von der University of Reading in Großbritannien mit. Denn Eugene habe beliebige Fragen beantworten können. In bisherigen Tests seien Themengebiete oder sogar die Fragen vorgegeben gewesen, sagte Warwick. Daher habe Eugene als erster Rechner den wahren Turing-Test bestanden. In einem vergleichbaren Test 2008(öffnet im neuen Fenster) , der ebenfalls von der University of Reading veranstaltet wurde, scheiterten alle sechs Rechner. Die erfolgreichste Software schaffte es damals, 25 Prozent der Jury zu überzeugen.
Fortschritte im Dialogmodul
Eugene stammt aus dem Jahr 2001. Der Russe Vladimir Veselov und sein Team haben ihn seitdem kontinulierlich weiterentwickelt. In den letzten Jahren hätten sie vor allem daran gearbeitet, ihm eine Persönlichkeit zu geben und an dem Konversationsmodul zu feilen, damit das Gespräch mit Eugene möglichst natürlich erscheint. Eine frühere Version von Eugene lässt sich online testen(öffnet im neuen Fenster) . Allerdings ist die Webseite vorübergehend nicht erreichbar.
Wie zuverlässig ist der Turing-Test?
Während Turing davon überzeugt war, dass sein Test(öffnet im neuen Fenster) bereits bis zum Jahr 2000 absolviert sein würde, wettete der Lotus-Gründer Mitchell Kapor gegen den KI-Experten Ray Kurzweil(öffnet im neuen Fenster) , dass der Turing-Test erst 2029 erfolgreich bestanden werde. Kapor kritisierte den Turing-Test. Er sei beispielsweise nicht standardisierbar, weil Menschen sehr unterschiedlich sind und dementsprechend verschiedenartig im Test reagierten. Zur diesjährigen Jury gehörten unter anderem Robert Llewellyn, der in der TV-Serie Red Dwarf den Roboter Kryten spielte, sowie Lord Sharkey, der sich um die posthume Rehabilitation Alan Turings kümmerte . Turing war zu Lebzeiten wegen seiner Homosexualität verfolgt worden.
Der Philosoph John Searle stellte 1980 das Gedankenexperiment(öffnet im neuen Fenster) "Chinesisches Zimmer" auf, in dem er beschrieb, dass auch Menschen mit Hilfe von aufgestellten Regeln den Eindruck erwecken können, eine fremde Sprache zu beherrschen, ohne dass sie sie wirklich verstehen. Mit dem Experiment wollte Searle untermauern, dass Computer nur mit Hilfe eines von Menschen geschriebenen Programms kein eigenes Bewusstsein entwickeln können.



