Abo
  • Services:

Künstliche Intelligenz: Der Computer als Steuerfahnder

Mit Hilfe von Deep Learning untersuchen die Finanzbehörden unter anderem die Panama Papers. Die Fahnder können mit Hilfe des Computers trotz der immer größeren Datenflut auffällige Steuererklärungen erkennen.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Steuerunterlagen in einem Finanzamt in den USA
Steuerunterlagen in einem Finanzamt in den USA (Bild: Tim Boyle/Getty Images)

Auf der Jagd nach Steuersündern setzt das Land Hessen auf künstliche Intelligenz (KI). "Sämtliche Ermittlungsbehörden, und im besonderen Maße die Steuerfahndungsstellen der Finanzbehörden, werden in ihrer täglichen Arbeit seit Jahren mit einer zunehmenden Flut von elektronischen Datenmengen konfrontiert", erklärte Moritz Josten, Sprecher des hessischen Finanzministeriums. Automatische Programme könnten bei der Auswertung helfen. Eingesetzt wird die KI derzeit vor allem in Nordhessen.

Stellenmarkt
  1. CSL Behring GmbH, Marburg, Hattersheim am Main
  2. Robert Bosch GmbH, Stuttgart

Die Steuerfahndungsstelle im Finanzamt Kassel 2 werte mit dem Bundeskriminalamt (BKA) die Panama Papers aus. Die Finanzdokumente einer panamaischen Anwaltskanzlei enthalten Informationen über Geschäfte mit Briefkastenfirmen. Die Daten waren zuerst Journalisten zugespielt und im Frühjahr 2016 veröffentlicht worden. Sie führten auch zu Durchsuchungen bei der Deutschen Bank, die ihren Hauptsitz in Frankfurt hat.

Es handele sich dabei um mehrere Millionen Dateien. Bei der Auswertung werde der Einsatz der KI erfolgreich praktiziert, erklärte Josten. Die enormen Datenmengen ließen eine klassische Sichtung allein durch Ermittler kaum zu. Das Prinzip: Der Computer lernt anhand der Ergebnisse, die durch menschliche Ermittler zustande gekommen sind. Je mehr Treffer und Fehltreffer eingespeist werden, desto "aussagekräftiger und qualitativ hochwertiger ist das erwartete Ergebnis der elektronischen Vorsichtung". So würden Zahlenkolonnen, die steuer- und steuerstrafrechtlich relevant sind, auf den wesentlichen Kern reduziert.

Die KI kommt in Kassel zum Einsatz, weil das Finanzamt II dort zentral für die Bearbeitung digitaler Massendaten zuständig ist. 45 Steuerfahnder und Computerforensiker stehen dort zur Verfügung. "Wir sind bestrebt, weitere Spezialisten auszubilden und aufzubauen, um den stetig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden", sagte Josten. Zudem soll in Hessen im Bereich KI geforscht werden, beispielsweise für neue Ermittlungsansätze. Wie viel Geld das Land dafür in die Hand nimmt, bleibt unklar. Auch woher die eingesetzten Programme kommen, verrät das Finanzministerium nicht, "um die Ermittlungszwecke nicht zu gefährden."

"Ich denke, es geht darum, Steuerfahnder effizienter zu machen", sagte der Darmstädter Professor Kristian Kersting. Er hat untersucht, wie Journalisten mit KI unterstützt werden können, und dabei auch die Auswertung der Panama Papers verfolgt. "Es gibt sehr gute Fortschritte, durch die Maschinen Texte besser verstehen können." Aber es gebe keine Maschine, die Texte erfasse und dann jegliche Fragen beantworte. "So weit sind wir noch nicht."

Die KI kann große Auffälligkeiten erkennen

Eine KI könne in einer Datenbank schnell große Datenmengen verarbeiten, dabei Namen identifizieren und so Querbezüge zwischen Dokumenten herstellen. "Wenn zwei Personen oft zusammen genannt werden, zeichnet das System Knoten auf." Selbst unterschiedliche Namensschreibweisen oder den Bezug von Personalpronomen könne eine KI lernen. Die Erfassung von Worten ermöglicht laut Kersting noch mehr: "Ein System kann beispielsweise erkennen, wie Ihre Steuererklärung normalerweise aussieht und wenn es große Abweichungen gibt."

Das System könne Fehler machen. "Der Mensch sollte auf die Ergebnisse regulierend schauen. Ich bin aber auch kein Freund davon, den Menschen in absolute Wahrheitssphären zu setzen", erklärte Kersting. Selbst eine Kontrolle der KI biete keine absolute Sicherheit. Dieses Problem berühre eine zentrale Frage der KI-Forschung: "Wie müssen sich die Interaktionen zwischen lernendem System und Mensch gestalten?" Dass künstliche Intelligenz sinnvoll eingesetzt werden kann, steht für Kersting außer Frage: Beispielsweise ermögliche KI in der Medizin einem Arzt, eine objektive zweite Meinung einzuholen. "Das gilt analog auch für die Steuerfahndung."

Ausgebildet werden könnten die künftigen KI-Fahnder ebenfalls in Kassel. Vom Wintersemester 2019/20 an sei in Kooperation mit der Universität Kassel ein duales Studium geplant. "In diesem Rahmen sollen fünf Studienplätze im IT-Bereich geschaffen werden", erklärte das Finanzministerium. Die Universität bestätigte, dass das Land mit den Plänen auf sie zugekommen sei. "Es wird in den nächsten Wochen Gespräche geben", sagte ein Sprecher.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 26,95€
  2. 13,49€
  3. 14,95€
  4. 25,99€

u21 10. Dez 2018 / Themenstart

Wow, weil ja auch sooo viele Leute auf den Abbruch eines Projektes hinwirken können...

u21 10. Dez 2018 / Themenstart

Im Prinzip geht es nicht wirklich nur im Steuersünder, sondern um die maschinelle...

freebyte 09. Dez 2018 / Themenstart

Dein Selbstbewusstsein möchte ich haben dass Du die Hoffnung hast mit Deinem...

gfa-g 08. Dez 2018 / Themenstart

Guter Witz. Wenn es zu aufwändig ist in Software zu realisieren, dann spricht das klar...

gfa-g 08. Dez 2018 / Themenstart

Meistens ist klar dass ein Vergehen vorliegt, das Problem ist es das zu beweisen, bzw...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Playstation Classic im Vergleichstest - Golem retro_ Spezial

Sonys Mini-Konsole Playstation Classic ist knuffig. In unserem Golem-retro_-Spezial beleuchten wir die Spieleauswahl und Hardware im Detail.

Playstation Classic im Vergleichstest - Golem retro_ Spezial Video aufrufen
Resident Evil 2 angespielt: Neuer Horror mit altbekannten Helden
Resident Evil 2 angespielt
Neuer Horror mit altbekannten Helden

Eigentlich ein Remake - tatsächlich aber fühlt sich Resident Evil 2 an wie ein neues Spiel: Golem.de hat mit Leon und Claire gegen Zombies und andere Schrecken von Raccoon City gekämpft.
Von Peter Steinlechner

  1. Resident Evil Monster und Mafia werden neu aufgelegt

IMHO: Valves Ka-Ching mit der Brechstange
IMHO
Valves "Ka-Ching" mit der Brechstange

Es klingelt seit Jahren in den Kassen des Unternehmens von Gabe Newell. Dabei ist die Firma tief verschuldet - und zwar in den Herzen der Gamer.
Ein IMHO von Michael Wieczorek

  1. Artifact im Test Zusammengewürfelt und potenziell teuer
  2. Artifact Erste Kritik an Kosten von Valves Sammelkartenspiel
  3. Virtual Reality Valve arbeitet an VR-Headset und Half-Life-Titel

Mars Insight: Nasa hofft auf Langeweile auf dem Mars
Mars Insight
Nasa hofft auf Langeweile auf dem Mars

Bei der Frage, wie es im Inneren des Mars aussieht, kann eine Raumsonde keine spektakuläre Landschaft gebrauchen. Eine möglichst langweilige Sandwüste wäre den beteiligten Wissenschaftlern am liebsten. Der Nasa-Livestream zeigte ab 20 Uhr MEZ, dass die Suche nach der perfekten Langeweile tatsächlich gelang.

  1. Astronomie Flüssiges Wasser auf dem Mars war Messfehler
  2. Mars Die Nasa gibt den Rover nicht auf
  3. Raumfahrt Terraforming des Mars ist mit heutiger Technik nicht möglich

    •  /