Künstliche Intelligenz: Alpha Go ist nicht unbesiegbar

Im vierten Spiel des Matches zwischen Lee Sedol und Alpha Go ist das Computerprogramm zum ersten Mal unterlegen. Nach einem überlegenen Eröffnungsspiel machte Alpha Go einen schweren Fehler beim 79. Zug, von dem sich das Programm nicht mehr erholte.

Artikel veröffentlicht am ,
Lee Sedol auf der Pressekonferenz nach dem Spiel
Lee Sedol auf der Pressekonferenz nach dem Spiel (Bild: Screenshot der Pressekonferenz)

Im vierten von fünf Spielen hat Lee Sedol erstmals gegen Alpha Go gewonnen. Zwar spielte sie auch zuvor nicht fehlerlos, doch war dies der erste spielentscheidende Fehler des Programms.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte ein sichtlich gelöster Lee Sedol: "Hätte ich drei Spiele gewonnen und eins verloren, wäre ich jetzt sehr enttäuscht. Aber jetzt, nachdem ich drei Spiele in Folge verloren habe, würde ich diesen Sieg gegen nichts in der Welt eintauschen."

Alpha Go mit überlegener Eröffnung

Alpha Go begann das Spiel mit den schwarzen Steinen mit der gleichen Eröffnung wie das zweite Spiel. Erst im zwölften Zug wich Lee Sedol von der alten Sequenz ab und wählte ein anderes Eckabspiel, das Alpha Go zu einer anderen Reaktion zwang. Lee hatte daraufhin die Möglichkeit, die obere linke Ecke direkt anzugreifen.

Was danach folgte, war zunächst eine Demonstration der Überlegenheit durch Alpha Go. Das Programm baute sein Territorium an der oberen Seite des Bretts aus und erlangte zusätzlich starken Einfluss auf die gesamte Mitte des Bretts. Die weißen Steine Lee Sedols am oberen Rand waren praktisch tot, wie es auch die Kommentatoren bemerkten.

  • Nach Zug 180 gab Alpha Go auf. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Nach 69 Zügen hatte Alpha Go mit den schwarzen Steinen einen deutlichen Gebietsvorsprung. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Zug 78, in der Mitte des Bretts, brachte die Wende im Spiel. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
Nach 69 Zügen hatte Alpha Go mit den schwarzen Steinen einen deutlichen Gebietsvorsprung. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)

Eine ähnliche Situation hatte im dritten Spiel dazu geführt, dass Lee Sedol am Ende der Partie mit einer Reihe verzweifelter Züge versuchte, doch eine lebende Gruppe im Territorium des Gegners aufzubauen. Er scheiterte daran und entschuldigte sich nach der Partie für sein schlechtes Spiel, das überhaupt zu dieser Situation geführt hatte.

Ein guter Zug und ein schwerer Fehler entscheiden das Spiel

Als Lee Sedol in der heutigen Partie versuchte, das schwarze Territorium zumindest zu reduzieren, unterlief Alpha Go in einem komplexen Kampf offensichtlich eine Fehleinschätzung. Sie unterschätzte die Gefahr eines Klemmzuges (Zug 78), der zusammen mit dem Potenzial (dem "Aji") von Schwächen in der Position der schwarzen Steine eine Sequenz ermöglichte, mit der Lee Sedol in das Territorium seines Gegners eindringen konnte. Es dauerte nach Angaben der Programmierer acht Züge, bis das Programm diesen Fehler bemerkte - da war es zu spät.

  • Nach Zug 180 gab Alpha Go auf. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Nach 69 Zügen hatte Alpha Go mit den schwarzen Steinen einen deutlichen Gebietsvorsprung. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Zug 78, in der Mitte des Bretts, brachte die Wende im Spiel. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
Zug 78, in der Mitte des Bretts, brachte die Wende im Spiel. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)

Der Zug wird bereits mit dem berühmten Zug im Rote-Ohren-Spiel aus dem 19. Jahrhundert verglichen, in dem der junge Honinbo Shusaku gegen Inoue Genan Inseki spielte und einem Beobachter bei einem Zug auffiel, dass Genan Insekis Ohren rot wurden, als er einen besonders guten Zug sah. Eine ähnliche Regung ist bei einem Computer leider nicht zu erwarten.

Michael Redmond sagte, er sei von dem Zug überrascht gewesen. Gu Li, einer der besten chinesischen Spieler, soll ihn einen "Zug Gottes" genannt haben. Aber im Livekommentar der American Go Association hatte die Profispielerin Lee Hajin den gleichen Zug gefunden, bevor er gespielt wurde. Im Video passiert dies im Kommentar nach einer Stunde und 26 Minuten.

In der Pressekonferenz meinte Lee Sedol zu dem Zug nur, dass es der einzige Zug gewesen sei, den er habe finden können, und er habe das Lob für den Zug nicht verdient. Er glaubt aber, eine Schwäche des Programms darin gefunden zu haben, dass es schlechter spiele, wenn es auf unerwartete Probleme stoße. Außerdem war er der Auffassung, dass Alpha Go mit schwarzen Steinen generell etwas schlechter spiele.

Anschließend zeigte Alpha Go die typische Reaktion von Computer-Go-Programmen, die deutlich im Rückstand sind: Sie spielen Züge, die einen schweren Fehler des Gegners erfordern würden, um zum Erfolg zu führen. Es dauerte aber bis zum Zug 180, bis Alpha Go seine Siegchancen schließlich als so schlecht einschätzte, dass sie aufgab.

  • Nach Zug 180 gab Alpha Go auf. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Nach 69 Zügen hatte Alpha Go mit den schwarzen Steinen einen deutlichen Gebietsvorsprung. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Zug 78, in der Mitte des Bretts, brachte die Wende im Spiel. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
Nach Zug 180 gab Alpha Go auf. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)

Aja Huang, einer der Programmierer von Alpha Go, der auch die Steine für das Programm auf das Spielbrett legt, sagte: "Dafür sind wir hier. Wir wollen die Fehler im Programm finden und sie korrigieren, und dafür brauchen wir ein kreatives Genie wie Lee Sedol."

Das letzte Spiel der Serie wird nach einem Ruhetag am Dienstag gespielt. Die gesamte Partie, mit dem offiziellen englischen Kommentar und der Pressekonferenz am Ende, kann inzwischen auf Youtube angesehen werden. Nachtrag vom 15. März 2015, 10:10 Uhr:

Alpha Go hat das fünfte Spiel in einer fünfstündigen Partie gegen Lee Sedol gewonnen. Es war ein knappes Spiel, in dem beide Fehler gemacht haben. Damit hat die KI vier von fünf Spielen gegen einen der weltbesten menschlichen Go-Spieler gewonnen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anonymer Nutzer 15. Mär 2016

Nein. Alpha Go kann außer Brute Force und Datenbankalgorithmen zu GO gar nichts. Lee...

renderview 15. Mär 2016

Ich gehe auch davon aus das wir soeben den Endpunkt erleben bzw. den Anfang des...

der_wahre_hannes 14. Mär 2016

Keine Ahnung, da musst du die Spieler selbst fragen.

androidfanboy1882 13. Mär 2016

Werde es ihm ausrichten sobald wir uns treffen.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
T-1000
Roboter aus Metall kann sich verflüssigen

Ein Team aus den USA und China hat einen Roboter entwickelt, der seinen Aggregatzustand von fest zu flüssig und zurück ändern kann.

T-1000: Roboter aus Metall kann sich verflüssigen
Artikel
  1. Apple: MacBook Pro braucht wegen Lieferproblemen nur kleine Kühler
    Apple
    MacBook Pro braucht wegen Lieferproblemen nur kleine Kühler

    In den neuen MacBook Pro mit M2 Pro und M2 Max sitzen kleinere Kühlkörper. Der Grund sind Probleme in der Lieferkette.

  2. Trotz Exportverbot: Chinesische Kernforscher nutzen weiter US-Hardware
    Trotz Exportverbot
    Chinesische Kernforscher nutzen weiter US-Hardware

    An Chinas wichtigstes Kernforschungszentrum darf seit 25 Jahren keine US-Hardware geliefert werden. Dennoch nutzt es halbwegs aktuelle Xeons und GPUs.

  3. Virtualisieren mit Windows, Teil 3: Betrieb und Pflege von VMs mit Hyper-V
    Virtualisieren mit Windows, Teil 3
    Betrieb und Pflege von VMs mit Hyper-V

    Hyper-V ist ein Hypervisor, um VMs effizient verwalten zu können. Trotz einiger weniger Schwächen ist es eine gute Virtualisierungssoftware, wir stellen sie in drei Teilen vor. Im letzten geht es um Betrieb und Pflege der VMs.
    Eine Anleitung von Holger Voges

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PCGH Cyber Week - Rabatte bis 50% • Acer Predator 32" WQHD 170Hz 529€ • MindStar-Tiefstpreise: MSI RTX 4090 1.982€, Sapphire RX 7900 XT 939€ • Philips Hue bis -50% • Asus Gaming-Laptops bis -25% • XFX Radeon RX 7900 XTX 1.199€ • Kingston 2TB 112,90€ • Nanoleaf bis -25% [Werbung]
    •  /