Kryptowährung: Bitcoin-Erfinder soll ein australischer Unternehmer sein

Die Hinweise sind angeblich überwältigend. Doch mehrere Medien räumen selbst ein, dass sie bei der Suche nach dem Bitcoin-Erfinder "Satoshi Nakamoto" einem brillanten Schwindel aufgesessen sein könnten.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Der Erfinder von Bitcoin, Satoshi Nakamoto, wurde angeblich wieder einmal aufgespürt.
Der Erfinder von Bitcoin, Satoshi Nakamoto, wurde angeblich wieder einmal aufgespürt. (Bild: Philippe Lopez/AFP)

Bei der Suche nach dem ominösen Erfinder der Kryptowährung Bitcoin glauben Journalisten, erneut fündig geworden zu sein. Das Magazin Wired und die Website Gizmodo berichteten in der Nacht zum Mittwoch, hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto stecke der australische IT-Experte und Unternehmer Craig Steven Wright. Doch völlig sicher geben sich die Medien nicht. "Entweder hat Wright Bitcoin erfunden, oder er ist ein brillanter Schwindler, der uns auf sehr miese Weise vormachen will, dass er es getan hat", schreibt Wired. Ein Programmierer mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto soll Bitcoin im Jahr 2009 gestartet haben.

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Wired und Gizmodo stützen sich auf "geleakte" E-Mails und Kopien alter Blogeinträge von Wright. Dort fänden sich eine E-Mail-Adresse und ein PGP-Schlüssel, die mit "Satoshi Nakamoto" in Verbindung gebracht würden. Außerdem sagte Wright in einer angeblichen Dokumentation eines Gesprächs mit der australischen Steuerbehörde, er habe Bitcoin seit 2009 betrieben. Diverse Dokumente wiesen auf den 2013 gestorbenen amerikanischen Computerexperten Dave Kleiman als Partner bei der Entwicklung der Bitcoin-Währung hin.

Es könnte ein ausgeklügelter Schwindel sein

Beide Medien räumten zugleich ein, dass sie die Echtheit der Dokumente nicht bestätigen können. "Trotz der überwältigenden Sammlung von Hinweisen beweist keiner von ihnen vollständig, dass Wright mit Nakamoto identisch ist. Alles könnte ein ausgeklügelter Schwindel sein - möglicherweise von Wright selbst orchestriert", schreibt Wired. Im September 2015 schrieb Wright beispielsweise in einer Rezension eines Bitcoin-Buches auf Amazon: "Immer wird angenommen, dass SN [Satoshi Nakamoto] ein verdammter Yankee ist. Die Analyse zu Satoshis Identität ist immer so beschränkt. ... Was mich immer stört, ist, dass so viel außerhalb des Silicon Valley passiert und trotzdem angenommen wird, es ist das Zentrum von allem."

Wrights Blogeinträge und E-Mails deuten zudem auf große wirtschaftliche Aktivitäten und fundierte Kenntnisse zum Schürfen von Bitcoins hin. So soll er mehr als eine Million Dollar in Computerausrüstung, Energieversorgung und Datenverbindungen investiert haben. Seine Firma, Tulip Trading, baute demnach zwei Superrechner, die zu den 500 stärksten der Welt zählten.

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Die Frage nach dem Bitcoin-Urheber ist auch deshalb spannend, weil ihm ein Schatz von 1,1 Millionen Einheiten der Digitalwährung zugerechnet wird. Er wäre nach aktuellem Kurs über 440 Millionen Dollar wert. In den Unterlagen findet sich ein Dokument, in dem sich Kleiman bereiterklärt, die Kontrolle über einen Fonds mit 1,1 Millionen Bitcoin zu übernehmen. Es gibt höchstwahrscheinlich nur ein Bitcoin-Paket in dieser Größe. Das Dokument nennt fünf Fingerprints von PGP-Schlüsseln, mit denen der Fonds verwaltet werden soll. Laut Gizmodo lässt sich einer davon Keiman, einer Wright und zwei Nakamoto zuordnen. Zudem nennt das Dokument die E-Mail-Adresse satoshin@gmx.com. Kleiman, der nach einem Motorradunfall auf einen Rollstuhl angewiesen war, soll 2013 verarmt gestorben sein.

Wright war bereits als Bitcoin-Experte bekannt und hatte im Februar 2014 auch den Aufbau einer Bank für die Digitalwährung angekündigt. Dennoch wurde er bisher nicht als Figur hinter "Satoshi Nakamoto" gehandelt. Diverse Journalisten versuchten in den vergangenen Jahren, die Identität des Bitcoin-Erfinders aufzudecken. Eher blamabel ging im vergangenen Jahr ein Anlauf des Magazins Newsweek aus, das glaubte, den pensionierten kalifornischen Ingenieur Dorian Nakamoto als Erfinder ausgemacht zu haben.

Razzia bei Wright

Anders als in früheren Fällen folgte diesmal wenige Stunden nach den Berichten eine Durchsuchungsaktion bei dem Mann. Es heiße aber, sie hänge mit Ermittlungen der australischen Steuerbehörde zusammen und sei nicht von den Veröffentlichungen ausgelöst worden, berichtete die Zeitung Guardian vom Ort der Razzia.

Der New-York-Times-Reporter Nathaniel Popper schrieb auf Twitter zunächst, auch er habe die Unterlagen bereits im Oktober angeboten bekommen, aber wegen Zweifeln an der Authentizität auf eine Berichterstattung verzichtet. Später bemerkte er, die Details der Verbindung zwischen Wright und Nakamoto seien sehr überzeugend, aber bei der Persönlichkeit bleibe er hängen.

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