So viel Kohlendioxid wie Dänemark oder Neuseeland

Bei der Abschätzung sowohl des Stromverbrauchs als auch der Treibhausgasbilanz von Bitcoin gibt es große Unsicherheiten. Niemand weiß genau, welche Hardware die weltweit verteilten Miner benutzen und woher sie ihren Strom beziehen. Dazu kommt, dass jede Schätzung nur eine Momentaufnahme ist. Die Preise von Bitcoin ändern sich oft erheblich innerhalb kurzer Zeit - und parallel dazu steigt und sinkt der Stromverbrauch, da sich das Minen vor allem bei hohen Preisen lohnt.

Eine relativ detaillierte Abschätzung über den Stromverbrauch von Bitcoin und dessen Herkunft veröffentlichte ein Team der Technischen Universität München im Juni in der Fachzeitschrift Joule. Mit der Studie versuchen die Experten, die Herkunft des Stroms anhand von IP-Adressen zu bestimmen. Dabei verwendet das Team zum einen öffentliche Informationen von Mining-Pools, zum anderen konnte es über die Suchmaschine Shodan Bitcoin-Mining-Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, lokalisieren. Außerdem hatten die Studienautoren Zugriff auf Daten von Herstellern von Bitcoin-Hardware und deren Kunden.

Den Stromverbrauch setzt die Studie der Münchner Forscher bei 46 Terawattstunden pro Jahr an. Abgeglichen mit dem Strommix der jeweiligen Länder kommt die Studie auf einen Kohlendioxidausstoß durch das Bitcoin-Mining von 22 Megatonnen pro Jahr. Damit ist Bitcoin für so viele Kohlendioxidemissionen verantwortlich wie ein kleines Land, vergleichbar sind etwa Bolivien (20 Megatonnen) oder der Sudan (21 Megatonnen).

Was berücksichtigt werden muss: Die Münchner Studie bezieht sich auf den Stromverbrauch im November 2018 und damit auf einen Zeitpunkt, zu dem der Bitcoin-Preis mit etwa 5.000 Dollar vergleichsweise niedrig war. Aktuell wird ein Bitcoin für mehr als 10.000 Dollar gehandelt.

Der Bitcoin Energy Consumption Index des Ökonomen Alex de Vries schätzt den aktuellen Stromverbrauch auf jährlich 73 Terawattstunden, der Cambridge Energy Consumption Index, ein Projekt der dortigen Universität, kommt mit 71 Terawattstunden auf ähnliche Werte. Damit dürfte der Kohlendioxidausstoß von Bitcoin bei aktuellen Preisen eher vergleichbar mit Ländern wie Dänemark (33 Megatonnen) oder Neuseeland (36 Megatonnen) sein.

Fast nur erneuerbare Energien?

Bitcoin-Verfechter argumentieren häufig, dass ein Großteil der Mining-Aktivität aus erneuerbaren Energien gespeist werde. Coinshare, eine Firma, die Investments in Kryptowährungen anbietet, gab in einem Report aus dem November 2018 an, dass mehr als 70 Prozent der von Bitcoin verbrauchten Elektrizität aus erneuerbaren Energien stamme.

Bei dem Report von Coinshare handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Publikation, sie wurde keinem Peer-Review unterzogen. Direkt vergleichen lässt sie sich mit der Studie der Münchner Universität nicht, da dort keine Kohlendioxidemissionen angegeben sind.

Der Hauptunterschied zwischen der Einschätzung von Coinshare und anderen Studien liegt in der chinesischen Region Sichuan, wie in einem Artikel auf Wired.com erläutert wird. In Sichuan wird Strom zu einem Großteil aus Wasserkraft gewonnen. Coinshare geht davon aus, dass 80 Prozent der chinesischen Miner in Sichuan zuhause seien, das Team der Universität München sieht dort nur 58 Prozent der Miner.

Doch selbst wenn Bitcoins auf Basis erneuerbarer Energien geschürft würden, ist das nicht unbedingt unproblematisch oder emissionsfrei.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Krypto: Wie Bitcoin die Klimakrise anheiztNur gestrandete Erneuerbare? 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5
  7. 6
  8.  


senf.dazu 16. Feb 2022

So in kWh je erzeugtem oder gehandeltem Bitcoin bzw. umgerechnet auf ¤ oder...

Symposium 21. Okt 2019

Zu Gartenzwergen liest man komischerweise nirgends übertrieben negative und faktisch...

Symposium 21. Okt 2019

So ist es.

Symposium 21. Okt 2019

Mit Bitcoin ist es wie mit vielen anderen Dingen auch - diejenigen, die es nicht...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Streamer
Rocket Beans muss in Kurzarbeit

Der Gaming-Kanal Rocket Beans hat wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit, einige Sendungen entfallen.

Streamer: Rocket Beans muss in Kurzarbeit
Artikel
  1. Künstliche Intelligenz: So funktioniert ChatGPT
    Künstliche Intelligenz
    So funktioniert ChatGPT

    Das mächtige Sprachmodell ChatGPT erzeugt Texte, die sich kaum von denen menschlicher Autoren unterscheiden lassen. Wir erklären die Technologie hinter dem Hype.
    Ein Deep Dive von Helmut Linde

  2. Reviews: Hogwarts Legacy mit PC-Problemen und Detailreichtum
    Reviews
    Hogwarts Legacy mit PC-Problemen und Detailreichtum

    Die ersten Tests von Hogwarts Legacy loben Welt und Kampfsystem. Probleme gibt's wohl mit der PC-Technik - und Unwohlsein wegen J.K. Rowling.

  3. Volker Wissing: Schienengüterverbände sind gegen Autobahnausbau
    Volker Wissing
    Schienengüterverbände sind gegen Autobahnausbau

    Für den Güterverkehr sollte vermehrt auf die Bahn gesetzt werden und nicht auf mehr LKW. Für die gebe es eh nicht genug Fahrer, meinen Verbände.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RAM im Preisrutsch - neue Tiefstpreise! • Powercolor RX 7900 XTX 1.195€ • AMD Ryzen 7 5800X3D 329€ • Nur noch heute TV-Sale mit bis 77% Rabatt bei Otto • Lenovo Tab P11 Plus 249€ • MindStar: Intel Core i7 13700K 429€ • Logitech G915 Lightspeed 219,89€ • PCGH Cyber Week [Werbung]
    •  /