Kryptokunst: Schlechte Idee, NFT

Millionen Dollar ausgeben für Memes und Katzenbilder? Gern. Aber nicht per Kryptowährung.

Ein IMHO von Martin Wolf veröffentlicht am
Katzenbilder ja, Energieverschwendung nein
Katzenbilder ja, Energieverschwendung nein (Bild: Pixabay / Montage: Golem.de)

Der analoge Kunstmarkt hat sein digitales Pendant gefunden: Aus dem Atelier oder Studio heraus kann per Laptop ein signiertes Werk zum Kauf feilgeboten werden. Dass Künstlerinnen und Künstler so mit ihren Werken absurde Summen einnehmen und eine Spekulationsblase entsteht - geschenkt. Der Kunstmarkt ist in großen Teilen ohnehin von der Realität entkoppelt. Verknappung ist gewollt und ein Grundprinzip, denn seit mehreren Hundert Jahren wird es zunehmend einfacher, Bildkunst zu vervielfältigen. Um trotzdem eine Wertsteigerung zu erzielen, müssen reproduzierbare Werke wie Drucke und Fotos limitiert verkauft werden.

Bei digitalen Gütern fehlte bis vor kurzem eine technische Möglichkeit der gesicherten Signatur, die der bis ins letzte Bit exakten Kopie die Aura des Einzigartigen verlieh. Dank der Blockchain-Technologie gibt es sie nun: Sie heißt Non-Fungible-Token, kurz NFT. Leider macht sie Kunst im schlimmsten Fall zum Klimakiller. Um zu verstehen, warum, ist ein kurzer technischer Exkurs nötig.

Der unveränderliche Daten-Abschnitt NFT dient lediglich als Kaufnachweis, er ist nicht unlösbar mit dem Kunstwerk verbunden. Wie andere Metadaten ist er nicht zur Anzeige oder gar für den Kopiervorgang der datenbasierten Kunst nötig. Es handelt sich also nicht um einen Kopierschutz, ebenso wenig wie eine kleine Notiz auf einem Druck - die auch nur die Nummer der Kopie und die Gesamtmenge der verteilten Reproduktionen angibt.

Das sollte eigentlich in Zeiten von geschlossenen Galerien und Konzerthäusern Anlass zur Freude geben, oder? Die Sache hat aber mehr als nur einen gewaltigen Haken.

Die wirklichen Probleme von NFT haben nicht nur mit Geld zu tun

Das erste Problem ist, dass sich die neuen Plattformen ihre virtuellen Kassensysteme gut bezahlen lassen. Ein deutscher Medienkünstler zahlte für ein paar Jingles, die er über Rarible zum Verkauf anbot, nach eigenen Angaben rund 15.000 Euro Gebühren. Ohne eine Koppelung an seinen tatsächlichen Gewinn, wohlgemerkt. Der war mit rund 250.000 Euro bemerkenswert hoch und wird in Ether ausgezahlt, einer Blockchain-basierten Kryptowährung. Ihr Kurs ist volatil, er kann also jederzeit fallen. Für die Malerin von nebenan oder den Musiker unten auf der Straße sind NFTs also eher nichts, der Teufel macht hier nur wieder auf den größten Haufen.

Damit kommen wir zum zweiten und größeren Problem, das uns alle und nicht mehr nur den Kunstmarkt betrifft: Kryptokunst ist wie vieles, was mit Kryptowährung zusammenhängt, eine gewaltige Umweltsauerei.

Beispiel gefällig? Eine künstlerisch vermutlich sehr wertvolle Abbildung von ein paar Punkten verschlang bei der Validierung in der Blockchain so viel Energie wie ein durchschnittlicher EU-Bürger in vier Wochen nutzt.

Das liegt daran, dass die Blockchain Ethereum, auf der NFTs basieren, einen Mechanismus namens Proof of Work einsetzt. Dabei löst der Computer beim sogenannten Mining komplexe Puzzles, um der Blockchain neue Blöcke hinzufügen zu dürfen. Die Schwierigkeit dieser Aufgaben wird künstlich erhöht, um zu verhindern, dass zu schnell zu viel 'Geld' erzeugt wird.

So kommt es zu einem Wettrüsten. Schnellere Rechner lösen die Puzzles in kürzerer Zeit, neue Puzzles verlangsamen die Rechner, also muss mehr Rechenleistung her, die wiederum mit schwierigeren Aufgaben ausgebremst wird. Dass dieses Prinzip kaum einen Nachhaltigkeitspreis gewinnt, dürfte klar sein.

Im Grunde genommen ist das so, als würde ein Hochofen beheizt, um darin Metall für eine einzige Münze zu schmelzen. In diesem Fall ist es der kleine Schnipsel, der die Limitierung des Kunstwerkes bezeugt, noch nicht einmal das Kunstwerk selbst.

Die Rechnung für Kryptowährungen und NFTs zahlen am Ende wir alle

Nach gut zehn Jahren Kryptowährung sind wir an einem Punkt angelangt, wo dieses unregulierte Finanznetzwerk mehr Energie verbrennt als mancher Staat.

Wenn also Milliardäre wie Jack Dorsey ihren ersten Tweet verkaufen oder wie Elon Musk Kryptowährungen befördern - dann ist das schlichtweg unverantwortlich. Da hilft es auch nichts, wenn der Twitter-Gründer die aus dem Verkauf des Schnipsels eingenommenen Millionen an Arme spenden möchte.

Sinnvoller wäre es, zukünftige Armut durch Klimaschutz oder zumindest durch weniger Energieverschwendung zu verhindern und die Kunstblase wieder sich selbst zu überlassen.

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Crypto_Keynes 12. Mär 2021

Schon erstaunlich wie viel Unwissen man in so einen kurzen Text packen kann. Der zudem...

Achranon 11. Mär 2021

Da haben wir schon die entscheidende Punkte. Geplant und langfristig. Nur, das ist...

Jesterfox 10. Mär 2021

Zitat: Der unveränderliche Daten-Abschnitt NFT dient lediglich als Kaufnachweis, er ist...

mxcd 10. Mär 2021

Es ist eine Schande, dass der abstruse Energieverbrauch einer Bewegung, die sich...



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