Auch die Niederländer hatten ihre Crypto AG

Bart Jacobs war einer Bemerkung in einem BND-Dokument aus dem Jahr 2012 über die Operation Rubikon nachgegangen, die darauf hinwies, dass die Entschlüsselungsfähigkeiten "nicht auf die USA und Deutschland beschränkt" geblieben waren, sondern dass auch andere europäische Staaten wie "Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Israel, Niederlande, Schweden und andere" in den Kreis der Wissenden aufgenommen worden waren.

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Dass NSA und BND im Rahmen der "Operation Rubikon" kompromittierte Kryptomaschinen der Schweizer Firma Crypto AG weltweit erfolgreich in Umlauf bringen konnten, wurde erst Anfang 2020 bekannt. Der Bundesnachrichtendienst teilte - wohl ohne Wissen seines Partnerdienstes CIA - das aus der Operation Rubikon gewonnene Wissen über die Schwächen der Kryptomaschinen der Crypto AG mit den vier anderen europäischen Ländern.

Bart Jacobs bezeichnet die Crypto AG aber lediglich als "Hauptbeispiel" für Unternehmen, deren Kryptoprodukte von den Nachrichtendiensten kontrolliert wurden. Die Niederländer ihrerseits sorgten nämlich über das TIVC (heute Joint Sigint Cyber Unit) dafür, dass Kryptogeräte des niederländischen Herstellers Philips wie etwa die Aroflex ebenfalls gezielt geschwächt wurden.

Das entsprechende Entschlüsselungsmodul nutzte das TIVC, um sich gegenüber NSA und Bundesnachrichtendienst in eine gute Verhandlungsposition zu bringen. In dem ZDF-Dokufilm Operation Rubikon wird auch erzählt, dass Philips aktiviert wurde, um ein als unknackbar geltendes Kryptoprodukt eines niederländischen Startups erfolgreich vom Markt zu nehmen.

Großbritannien als Trittbrettfahrer

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Die Maximator-Gruppe sah sich im Vergleich zu den Five Eyes technisch mitunter in führender Position. So heißt es etwa, dass Großbritannien sich gegenüber Mitgliedern der Gruppe als Trittbrettfahrer verhalten habe. Beispielsweise reiste ein Kryptograph des TIVC zum legendären Government Communications Headquarters (GCHQ), um es über Entschlüsselungstechniken aufzuklären. Das TIVC selbst brachte noch mehr als Expertise ein: Es unterhielt eine Abhör-Bodenstation auf der Karibikinsel Curaçao, die etwa den Funkverkehr von Kuba und Venezuela abgreifen und entschlüsseln konnte.

Das TIVC war zwar nur eine kleine Einheit innerhalb der Königlich Niederländischen Marine, doch sie arbeitete wohl recht effektiv: Den Angaben nach konnte sie den diplomatischen Nachrichtenverkehr von fast 75 Ländern mitlesen. Während des Falkland-Kriegs half ein Spezialist des TIVC dem GCHQ, den argentinischen Nachrichtenverkehr zu knacken, der mit kompromittierten Geräten der Crypto AG verschlüsselt worden war: Er erklärte, wie die HC500 funktionierte, wobei er es aber dem GCHQ überließ, selbst eine kryptographische Lösung zu finden.

Im BND-Dokument zur Operation Rubikon heißt es dazu lakonisch: "Da die Briten als ständige Trittbrettfahrer dieser Operation angesehen werden mussten (...), darf behauptet werden, dass der Ausgang des Falkland-Krieges 1982 ganz wesentlich von der hier beschriebenen Operation beeinflusst, wenn nicht sogar entschieden wurde."

Die Rolle des TIVC in der Sache wurde erstmals durch Bart Jacobs öffentlich. Mit diesem Spiel über die Bande konnte der Bundesnachrichtendienst seine eigenen Kryptoanalyse-Kenntnisse gegenüber Großbritannien verschleiern. Bis heute unterhalten die Niederlande und Großbritannien über spezialisierte Marine-Einheiten, die in beiden Ländern eine wesentliche Rolle in der Nachrichtenaufklärung spielen, beste diplomatische Beziehungen. Für Großbritannien dürften diese nach vollzogenem Brexit noch wichtiger werden.

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