Kryptografie: 500 Jahre alter Geheimcode Karls V. geknackt

Kryptografen haben sechs Monate gebraucht, um einen Brief von Karl V. aus dem Jahr 1547 zu entschlüsseln. Er war mit geheimen Symbolen chiffriert.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Kryptografin Cecile Pierrot (l.) und Historikerin Camille Desenclos (r.) erklärten am 23. November 2022 in der Stanislas-Bibliothek in Nancy, Nordostfrankreich, den Entschlüsselungsprozess eines verschlüsselten Briefes von Karl V. aus dem Jahr 1547.
Kryptografin Cecile Pierrot (l.) und Historikerin Camille Desenclos (r.) erklärten am 23. November 2022 in der Stanislas-Bibliothek in Nancy, Nordostfrankreich, den Entschlüsselungsprozess eines verschlüsselten Briefes von Karl V. aus dem Jahr 1547. (Bild: Jean-Christophe Verhaegen / AFP / Getty Images)

Am Mittwoch, den 23. November 2022, hat ein Forschungsteam des Lorraine Computer Research Laboratory (Loria) im französischen Nancy einen entschlüsselten Geheimcode vorgestellt. Mit einer Historikerin der Universität von Picardie Jules Verne (nördlich von Paris) konnten sie einen Brief Karls V. (1500-1558) aus dem Jahr 1547 entschlüsseln. Der Brief war an seinen Botschafter in Paris gerichtet.

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Karl war einer der mächtigsten Männer des 16. Jahrhunderts und herrschte während seiner mehr als 40-jährigen Regierungszeit über ein riesiges Reich. Es umfasste einen Großteil Westeuropas und Amerikas. Sein größter Rivale war der französische König Franz I., der unter anderem dafür bekannt ist, Leonardo da Vinci aus Italien nach Frankreich geholt zu haben. Zwischen Spanien und Frankreich gab es eine Reihe von Kriegen und Spannungen zu dieser Zeit.

Der geheime Brief von Karl V.: 500 Jahre vergessen in einer Bibliothek

Zudem befürchtete der damalige Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ein Attentat auf sich, wie der entschlüsselte Brief an Jean de Saint-Mauris zeigt. Erst drei Jahre zuvor, im Jahr 1544, hatten Karl V. und Franz I. einen Friedensvertrag zwischen Spanien und Frankreich unterzeichnet: der Frieden von Crépy.

Die Kryptografin Cécile Pierrot aus dem Loria-Labor erfuhr bei einem Abendessen im Jahr 2019 erstmals von seiner Existenz. Nach langer Suche konnte sie den Brief in der Stanislas-Bibliothek in Nancy ausfindig machen. Die Unterschrift des Monarchen zeigte ihr, dass sie auf der richtigen Spur war.

Verschlüsselter Brief ganz schön ausgeklügelt

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Karl V. ließ sich vermutlich aus dem Arabischen inspirieren. "Ganze Wörter sind mit einem einzigen Symbol verschlüsselt", erklärt Pierrot. In langwieriger computergestützter Arbeit fand sie "verschiedene Familien" von etwa 120 Symbolen, die Karl V. verwendete. Zudem ersetzte der Kaiser Vokale nach Konsonanten durch Zeichen.

Falls der Brief in die falschen Hände geraten sollte, baute der Habsburger eine weitere Herausforderung ein: Er verwendete ebenso bedeutungslose Symbole.

Im Juni 2022 gelang der Kryptografin der erste entscheidende Durchbruch: Sie konnte einen Satz des Briefes entschlüsseln. Ein weiterer Brief von Jean de Saint-Mauris war dabei hilfreich. Denn dieser kritzelte eine Art Transkriptionscode an den Rand, als er den Brief empfangen hatte. Gemeinsam mit der Historikerin Camille Desenclos konnten Pierrot und ihr Team den Code schließlich knacken. "Es war eine mühsame und langwierige Arbeit, aber es war wirklich ein Durchbruch, der an einem Tag geschah, an dem wir plötzlich die richtige Hypothese hatten", erzählt Desenclos.

Intrigen im Westeuropa des 16. Jahrhunderts

Bisher war nicht viel bekannt über die Gerüchte eines französischen Attentats auf den Kaiser. Laut Desenclos bestätigt der Brief aber die Angst des Monarchen darüber. Trotz des zuvor geschlossenen Friedensvertrags pflegten die beiden Herrscher ein extrem starkes gegenseitiges Misstrauen und versuchten sich gegenseitig zu schwächen, berichtet die Historikerin. In seinem Schreiben an seinen Botschafter beschwört der Kaiser auch die Situation seines Reiches und seine "politische und militärische Strategie" herauf.

Die Forscher hoffen nun, weitere Briefe zwischen dem Kaiser und seinem Botschafter ausfindig zu machen, "um eine Momentaufnahme der Strategie Karls V. in Europa zu erhalten". Die nächsten Jahre könnten Licht ins Dunkel des 16. Jahrhunderts bringen.

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mambokurt 29. Nov 2022 / Themenstart

Meiner ich bin hier nicht der der den Wissenschaftlern irgendwas vorgeworfen hat, ich...

Oktavian 27. Nov 2022 / Themenstart

DSGVO, sorry, das ist privat.

mambokurt 27. Nov 2022 / Themenstart

Naja so halb, wir reden hier von Texten die du oder ich selbst im Klartext nicht...

thecrew 25. Nov 2022 / Themenstart

Yoar es geht eben immer ein Stück komplizierter. Das einfachste ist ja einfach nur einen...

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