Kritik an NFT-Discord und Steam

Die Verbindung von Gamedesign und der Blockchain selbst ist nicht neu. Seit Jahren gibt es Minecraft-Server, die Kindern spielerisch die Funktion von Bitcoin erklären sollten. Auch wenn die Entwickler mit Kryptospielen kein einheitliches Ziel verfolgen, sind die Spiele immer auch Mittel zum Zweck, den Markt einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

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Das Team hinter CryptoKitties, einem der ersten Blockchain-NFT-Spiele, will etwa "eine Zukunft für alle, nicht nur für Bitcoin-Miner, VCs, ICOs und andere ebenso lustige Akronyme". Die Entwickler von My Neighbour Alice träumen in ihrem Whitepaper sogar davon, ihre Spielwelt nach der Veröffentlichung als Dezentralisierte Autonome Organisation (DAO) der Kontrolle der Spieler zu überlassen.

Zocken als Einnahmequelle

Zur Abgrenzung von den ausbeuterischen Pay-to-Win-Modellen vieler Mobile Games ist außerdem von "Play to Earn" die Rede. Das Versprechen lautet, mit Kryptogames sogar echtes Geld verdienen zu können.

In der von der Corona-Pandemie gebeutelten Wirtschaft der Philippinen konnten Axie-Infinity-Spieler durch das Erspielen und Verkaufen von In-Game-Items mehrere hundert Dollar im Monat verdienen.

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Ganz neu ist auch das allerdings nicht. Schon zu Zeiten von World of Warcraft wurde gezielt Gold in der Spielwelt gefarmt, um es gegen harte Währungen außerhalb des Spiels zu verkaufen. Auch damals passierte das besonders in Ländern Asiens, wo Arbeit billig ist.

"Wir sehen bereits, wie Krypto-Spiele beginnen, ihr Branding von spielen-um-zu-verdienen in spielen-UND-verdienen zu ändern", sagt der Gamedesigner Lars Doucet, der Axie Infinity ausführlich untersucht hat.

Er ist skeptisch, dass das Modell langfristig funktionieren kann. "Das grundlegende Problem ist, dass man bei einem Geschäftsmodell, das wie das von Axie Infinity vom Wachstum abhängig ist, mehr Geld ausgibt, als man einnimmt. Das ist grundsätzlich nicht tragbar", denkt er.

Nach den Erfolgsgeschichten aus dem Sommer stürzten die durchschnittlichen Tagesumsätze von Axie-Infinity-Spielern wieder unter den philippinischen Mindestlohn. Noch wächst die Nutzerzahl von Axie Infinity, wodurch neues Geld ins Spiel kommt.

Aber sobald dieses Wachstum endet, verkleinert sich auch der Markt für Axies und andere Spielgegenstände wieder. "Man kann keinen erfolgreichen Rummel veranstalten, bei dem jeder an der Tür fünf Dollar zahlt und sechs Dollar erwartet, wenn er geht", erklärt Doucet. "Es mag möglich sein, ein nachhaltiges Play-to-Earn-Spiel zu entwickeln", sagt er, "aber ich habe es noch nicht gesehen."

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Revolution oder hyperkapitalistische Dystopie?

Ob die Entwicklung für das Gaming als solches gut ist, vermag selbst Krypto-Kenner Michael Förtsch noch nicht abzuschätzen. "Da ist nun mal wahnsinnig viel möglich und vorstellbar", sagt er. "Blockchain-Gaming könnte das Gaming in einem Maße monetarisieren und kapitalisieren, dass es geradezu dystopisch wird. Aber es könnte alles auch viel interessanter machen; den Spielern neue Freiheiten und Rechte einräumen."

Die Ideen reichen vom Übertragen von Gegenständen in andere Spiele bis zur echten Mitbestimmung einer Spielwelt.

Die Ermächtigung der Spielerinnen und Spieler dürfte allerdings kaum die treibende Motivation von Unternehmen wie EA und Ubisoft sein, um in den Markt einzusteigen. Selbst die Musterbeispiele wie Axie Infinity brechen aus Sicht von Lars Doucet mit den utopischen Grundideen der Blockchain.

"Eine der Prämissen war die Dezentralisierung mit offenem Quellcode", sagt der Gamedesigner, "doch Anwendungen wie Axie Infinity sind, zumindest in ihrer derzeitigen Form, Closed Source und zentralisiert."

Valve will keine Blockchain auf Steam

Die an vielen Stellen unklare Vision des Kryptogamings spaltet auch die Spielerschaft selbst. Die bei Gamern beliebte Voicechat-App Discord sah sich der Kritik ihrer Nutzer ausgesetzt, als ihr CEO die Integration von Kryptowährungen und NFTs ankündigte.

Immer mehr Gamedesigner aus der Indie-Szene positionieren sich lautstark gegen den Hype. Valve hat kürzlich Blockchain-Spiele auf seiner Plattform Steam untersagt, während Konkurrent Epic sich offen dafür zeigt.

Die Blockchain sei eine Lösung, für die es kein Problem gibt, werfen Kritiker der Technologie vor. Mit den virtuellen Ökonomien von Multiplayer-Spielen scheint der ideale Anwendungsfall gefunden zu sein.

Ob das Bezahlen für und Besitzen von Axies und Items am Ende wirklich den Spielern oder doch wieder nur den Firmen dahinter nützt, müssen die konkreten Umsetzungen erst noch zeigen. Bis dahin bleibt für Spieler die Frage, ob man wirklich zocken will - oder einfach beim Spielen bleibt.

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 Kryptogeld und Spielebranche: Schweinereich statt Free-to-Play
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Sharra 16. Dez 2021 / Themenstart

Tja, und dann kam man auf die Idee, die beste Geschäftsform (für die Bank) überhaupt...

Hotohori 15. Dez 2021 / Themenstart

Also noch schlimmer als Drogendealer. Aber stimmt, ein solcher hat nur eine eher sehr...

Jakelandiar 15. Dez 2021 / Themenstart

Soweit musst du gar nicht gehen. Der Schutz von Manipulation liegt schlicht nicht vor da...

ConstantinPrime 15. Dez 2021 / Themenstart

Richtig. Blockchain war nie als Kopierschutz gedacht sondern um beweisen zu können wer...

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