Krypto-Winter: Coinbase entlässt Hunderte Mitarbeiter

Fast ein Fünftel der Belegschaft muss gehen, um Kosten bei der Kryptowährungs-Handelsplattform zu sparen. Der CEO befürchtet eine Rezession.

Artikel veröffentlicht am , Daniel Ziegener
Brian Armstrong hält einen Vortrag über wirtschaftliche Freiheit.
Brian Armstrong hält einen Vortrag über wirtschaftliche Freiheit. (Bild: Coinbase)

Coinbase entlässt bis zu 1.100 Mitarbeiter. Der CEO und Mitgründer Brian Armstrong gab am Dienstag in einem Blogpost bekannt, dass 18 Prozent der Belegschaft entlassen werden. Ziel sei es, die Kosten des Unternehmens angesichts des absackenden Kryptomarktes zu senken. Nach dem Crash im Mai war dieser im Juni erneut deutlich abgerutscht.

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Nach Angaben von CNBC beschäftigte Coinbase zuletzt mehr als 5.000 Personen, laut Geschäftsbericht waren es Ende Dezember 2021 noch 3.730. Das rasante Wachstum nennt Armstrong auch als eines der Probleme des Unternehmens. Die Gesamtzahl aller Mitarbeiter hat sich in den letzten 18 Monaten fast vervierfacht, während des Krypto-Booms im Jahr 2021 habe man "over-hired", schreibt der CEO.

"Da wir in dieser äußerst unsicheren Zeit tätig sind, wollen wir sicherstellen, dass wir einen längeren Abschwung erfolgreich durchstehen können", verteidigt Armstrong die personellen Einschnitte. Er sieht einen drohenden Krypto-Winter, also eine langanhaltende Phase stagnierender oder sinkender Kurse.

"Wir haben jetzt die Grenze überschritten, wie viele neue Mitarbeiter wir integrieren und gleichzeitig unsere Produktivität steigern können. In den letzten Monaten haben wir durch die Aufnahme neuer Mitarbeiter nicht mehr, sondern weniger Effizienz erreicht."

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Ob Armstrong für diese eingestandenen Managementfehler Konsequenzen zieht, ist offen. "Wir haben im Moment nichts weiter zu sagen", teilte Coinbase auf Nachfragen von Golem.de mit. 2020 verdiente Armstrong knapp 60 Millionen US-Dollar. Auch ob Angestellte von Coinbase in Deutschland betroffen sind, ist unklar.

Zugänge gesperrt, Entlassung per E-Mail

Betroffene seien nach Veröffentlichung des Blogbeitrags per E-Mail an ihre privaten Adressen informiert worden. Sie würden mindestens 14 Wochen eine Abfindung sowie (in den USA) vier Monate Krankenversicherung erhalten. Angestellte von Coinbase seien Berichten zu Folge nach der Ankündigung im Unklaren gewesen. Das Unternehmen habe die Schadensbegrenzung gegenüber der Öffentlichkeit priorisiert, berichtet ein Mitarbeiter.

Alle Coinbase-Zugänge seien umgehend gesperrt worden - also noch vor Erhalt der offiziellen Kündigung. "Mir ist klar, dass sich der Entzug des Zugangs plötzlich und unerwartet anfühlen wird", entschuldigt sich Armstrong. "Angesichts der Anzahl der Mitarbeiter, die Zugang zu sensiblen Kundendaten haben, war dies leider die einzige praktische Möglichkeit, um sicherzustellen, dass nicht auch nur eine einzige Person eine unüberlegte Entscheidung trifft, die dem Unternehmen oder sich selbst schadet", so Armstrong weiter.

Entlassungswelle geht durch die Krypto-Branche

Während zahlreiche Tech-Unternehmen, besonders in den USA, in den letzten Wochen einen Einstellungsstopp für neues Personal eingeführt haben, sind Krypto-Unternehmen besonders hart getroffen. In dieser Woche sackte der Bitcoin-Kurs erneut ab.

Die Kryptowährungs-Handelsplattform war nicht das einzige Kryptowährungs-Unternehmen, das mit radikalen Kürzungen auf den anhaltenden Abwärtstrends der Kurse reagierte. Blockfi kündigte am Montag an, bis zu 200 Angestellte zu entlassen, Crypto.com sogar bis zu 260.

Besonders Crypto.com hatte zuletzt immense Summen in sein Marketing investiert. Eine Werbekampagne mit dem Schauspieler Matt Damon kostete 100 Millionen US-Dollar, die Umbenennung einer Sportarena in Los Angeles 700 Millionen US-Dollar. Wie viel das Sponsoring der umstrittenen Fußball-Weltmeisterschaft in Katar gekostet hat, ist nicht bekannt.

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