Lifestyle-Künstler als Hofnarren von Wohlstandsverbrechern
"Ich bin gerade von einem Urlaub in New York zurückgekommen und habe zufällig eine Gemäldeausstellung besucht und bei der Eröffnung eine Panikattacke bekommen, weil mir klar wurde, wie schlimm es für die Kunst ist, auf einem Markt der Knappheit und Exklusivität zu sein", erzählt sie. Exklusivität ist auch die zentrale Funktion der Non-Fungible Token. Auktionshäuser wie Christies sind längst auf den Hype aufgesprungen und symbolisieren eher das Establishment des Kunsthandels als eine Graswurzel-Revolution, die Underground-Künstlern einen Lebensunterhalt ermöglicht.
Ein Mitglied aus Jira Trellos mittlerweile aufgelöstem Kollektiv AAA bietet seine Werke als NFT zum Verkauf an. Sie selbst glaubt nicht daran, dass ein digitalisierter Kunstmarkt für eine gerechtere Verteilung sorgen kann. "Nur Blaublüter, deren buchstäbliche Pisse, Scheiße und Sperma etwas wert ist, können mit NFTs Geld verdienen", sagt die Künstlerin. "Die ganze Sache ist eine Abzocke und wieder einmal ein Konsens-Engineering, gelangweilte, narzisstische Lifestyle-Künstler, die als Hofnarren von Wohlstandsverbrechern für eine Technologie agieren, die eine neue Weltordnung für noch mehr Ungleichheit und Leid werden wird! Das sind die NFT-Erfolgsgeschichten."
Der Crypto-Hype hat mehr Folgen für die Spielebranche
All das führt zu einer Skepsis bei Spielern ebenso wie Entwicklern. Jira Trello sieht eine Spiegelung des existierenden Kunstmarktes für eine reiche Oberschicht. Tyler Glaiel und Shams Jorjani fehlen gute Anwendungsfälle für die Blockchain-Technologie. Und Spieler sind nach Jahrzehnten mit ausbeuterischen Geschäftsmodellen wie Lootboxen, die teilweise verboten waren, erst einmal vorsichtig, wenn eine Innovation vor allem von der Geschäftsführung bejubelt wird.
"Speziell bei Spielen sind die Leute sehr verärgert darüber, dass sie keine Grafikkarten oder Playstation 5 bekommen können, weil der Mangel an Chips durch das Kryptomining exponentiell verschlimmert wird", fügt Glaiel an. "Es geht also nicht nur um Leute, die sich wegen nichts aufregen."
"Kurzfristig glaube ich nicht, dass man NFTs als Hauptmarketingpunkt sehen wird", sagt Shams Jorjani. Gäbe es ein wirklich gutes Spiel, das auf der Blockchain basiert, würde die Technologie dahinter die meisten gar nicht interessieren, glaubt er. Er ist sicher, "dass wir in zehn Jahren NFTs neben Steam, DLC, F2P und all den anderen Dingen auflisten werden, die wir Gamer mit der Wut von tausend Sonnen zu hassen scheinen, wenn sie ihre ersten ungeschickten Schritte in die Welt machen." Ob die Spiele dadurch dann besser oder doch die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden sind, das kann heute noch niemand beantworten.
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| Potenzial für neue Monetarisierungsmodelle |










Wer das Kleingeld hat sich NFTs zu kaufen, der wird das Geld auch nicht vermissen. Für...
Wenn NFTs via "Echtgeld" bzw. "Krypto" gehandelt werden, kann der Spieleentwickler...
Ich würde diese Aussagen auch als alter Gamer pauschal mal unterschreiben. Aber davon...
Stimmt. Denn Strenggenommen ist der NFT-Mist "nur" eine alternative Form der Speicherung...